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Hasse es, bis du es liebst

Malena Zavala
William Stokes

Köln, Studio 672
11.04.2019

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Malena Zavala
Es ist ja immer ein gewisses Wagnis, eine Tour ohne neues Album anzustoßen - einfach deshalb, weil es dann ja keinen Buzz in den sozialen Kanälen gibt. Und so wunderte es dann nicht, dass nur eine handvoll eingefleischter Fans den Weg ins Kölner Studio 672 fand, als dort Malena Zavala mit ihrer Band aufspielte, um im Prinzip immer noch das im letzten Jahr erscheinende Debütalbum "Aliso" vorzustellen - auch wenn sie bereits an einem neuen Album arbeitet.
Kurz noch mal rekapituliert - und auch um einige Halbwahrheiten zu bereinigen, die über Malena kursieren: Malena Zavala wurde zwar in Argentinien geboren, wuchs aber in London auf, wo sie zur Zeit auch lebt. Der Titel ihres Debütalbums "Aliso" bezieht sich auf den kleinen Ort Aliso Viejo in Kalifornien, wohin ihr Bruder gezogen war, nachdem dieser die Band Oh So Quiet aufgelöst hatte, in der beide zuvor auch spielten. Dort entstanden die Songs des Debütalbums - die auch zugleich die ersten Songs waren, die Malena geschrieben hatte. "Aliso" ist auch der Name einer Pflanze, die in der Gegend von Malenas Geburtsort in Argentinien häufig anzutreffen ist. Malena ist des Weiteren auch eine Filmemacherin, die ihre Videos demzufolge selbst dreht - weswegen sie ihre Songs ausgehend von einer visuellen Idee konzipierte. Nachdem sie zuvor mit einigen Festivalauftritten bereits auf sich aufmerksam machte, begann im Kölner Studio 672 nun ihre erste Headliner Tour auf deutschem Boden.

Wer Malena alleine von den Songs ihrer Scheibe her kannte, der dürfte überrascht gewesen sein, wie sehr auf der Bühne die Interaktion mit den Musikern ihrer Band im Zentrum stand. Zwar gab es auch hier die Keyboards und Effektgeräte, die Malena auf dem selbst produzierten Debüt-Album zum Einsatz brachte und zwar gab es auch in der Live-Show Raum für die relaxten, atmosphärischen Grooves, mit denen Malena den Zuhörer gerne mit auf psychedelische Reisen nimmt - aber im Grund genommen stand der brillante und auf coole Weise eher konventionelle Bandsound im Zentrum der Aufmerksamkeit. Als Performerin gehört Malena nicht unbedingt zu jener Spezies, die man als Rampensau bezeichnen würde - aber wenn sich die Gelegenheit bietet, dann geht Malena auch ein Mal aus sich heraus und steigert sich mit ihrer Band in bemerkenswert lebhafte und druckvolle Jam-Sessions hinein. Das scheint besonders bei solchen Stücken der Fall zu sein, die Malena besonders am Herzen liegen. Das war bei dieser Show zum Beispiel der brandneue, auf spanisch vorgetragene Track "E La Noche", mittels dessen sie die lateinamerikanischen Rhythmen ihres Geburtslandes stärker erforschen wolle - wie sie erklärte. Hier leistete sich Gitarrist Bradley Hutchins ein passendes Solo im Carlos Santana-Stil ("Ich spiele ja auch eine Carlos Santana-Signature-Gitarre", erklärte er das nach der Show), während Malena mit Percussion-Einlagen und Klatschanweisungen das Publikum einzubinden suchte (was nicht so ganz einfach war, da die Leute sich teilweise im Hintergrund des Clubs auf den Sitzgelegenheiten verteilt hatten). Auf der Scheibe wie auch auf der Bühne kristallisierte sich der letzte Track des Albums, "I Never Said It", als besonderes Highlight heraus - einfach deswegen, weil das Stück in einer lebhaften Jam-Session endet, die sich auf der Bühne dank des körperbetonten Einsatzes des Drummers sogar zu einem orgiastischen Klimax steigerte. Auch ein weiterer neuer Track, "Hold Me Close", ragte besonders heraus, weil sich hier Malena selbst als Gitarristin mit einer jazzigen Solo-Einlage ins Spiel brachte. Allgemein ließe sich sagen, dass die Songs im Band-Setting deutlich druckvoller rüberkommen als bei den Studio-Aufnahmen - ohne deswegen die Leichtigkeit einzubüßen, mit der Malena alleine diese gestaltet. Das liegt vor allen Dingen daran, dass Malena mit ihren Musikern spielt und diesen durchaus auch Möglichkeiten bietet, sich einzubringen. Als sich Malena am Schluss bei den wenigen Anwesenden bedankte, und meinte, dass es Spaß gemacht habe, wirkte das auch gar nicht aufzusetzen. "Ich bin sowieso ohne Erwartungen an diese Tour herangegangen", erklärte sie nach der Show, "und das wichtigste ist doch, dass es Spaß gemacht hat." Dem ist ja eigentlich nichts hinzuzufügen.

Den Support leistete bei dieser Show übrigens der Londoner Kollege William Stokes, der ohne die Mitglieder seiner Band Wovoka Gentle auskommen musste, die erst in Berlin hinzustoßen würden. Malena empfahl Wovoka Gentle als eines der wunderlichsten und faszinierendstem Hörerlebnisse, die man sich vorstellen könne. Eingedenk dessen, dass Malena ein Fan angeschrägter Sonderlinge wie Devendra Banhart oder Blake Mills ist, erschien das, was William da fabrizierte, fast schon erklärlich. William Stokes ist ein brillanter Instrumentalist und ein linkischer Performer, dessen eigene Elaborate schlicht und ergreifend allen Kategorisierungsversuchen spotten. Es geht um eine Art verstiegenem, vertrackten Artpop mit wagemutigen harmonischen Experimenten und komplexen Songstruktur, den William mit einer Art hysterischer Intensität - nun ja, wie soll man sagen - erforscht, seziert, auseinandernimmt und irgendwie zu beherrschen versucht. Dabei reicherte er sein Repertoire sogar noch mit einer Coverversion von Fionn Regan und einer instrumentalen Transkription von John Hiatts "Have A Little Faith" an. Das war dann in der Tat zumindest wunderlich.

Malena Zavala
NACHGEHAKT BEI: MALENA ZAVALA

GL.de: Es fällt schon auf, dass du deine Stücke auf der Bühne ganz anders angehst, als du es auf der Scheibe getan hast. Was ist dabei für dich ausschlaggebend?

Malena: Das liegt ganz einfach daran, dass ich auf der Scheibe alles alleine gemacht habe und auf der Bühne dann eine ganze Band mit vier Mitgliedern und vier Persönlichkeiten zur Verfügung habe. Ich musste mich da auch erst mal reinfinden, aber als wir anfingen, hat ein Freund zu mir gesagt, dass ich auf der Bühne mehr mit meinen Musikern kommunizieren müsse - was mir selbst zunächst gar nicht klar war -, aber jetzt haben wir das wirklich gut drauf und es macht auch eine Menge Spaß, zusammen zu spielen. Ich sage immer: Spielt, was ich geschrieben habe - aber auf eure eigene Weise.

GL.de: Okay - und wie gehst du im Studio dann vor? Was inspiriert dich musikalisch?

Malena: Da versuche ich eine Idee, die in meinem Kopf herumschwirrt, zu konkretisieren oder einen Flow zu kreieren bzw. zu erforschen. Ein Flow ist nämlich sehr wichtig, bei der Art wie ich Songs schreibe. Für mich gehen Musik und Bilder Hand in Hand. Es ist nämlich so, dass ich auch eine Filmemacherin bin und zum Beispiel meine Videos selbst drehe. Deswegen schrieb ich die Songs auf "Aliso" mit einer visuellen Idee, die ich in Klänge umwandeln wollte. Das erklärt auch die Instrumental-Passagen auf dem Album.

GL.de: Soll das auch in Zukunft so weitergehen?

Malena: Nein - ich befinde mich zur Zeit in diesem seltsamen Zustand, in dem ich an meinem zweiten Album arbeite. Hier möchte ich stärker auf mein lateinamerikanisches Erbe eingehen - nachdem ich auf dem ersten Album erst mal meine Gefühle verarbeiten wollte. Ich habe jetzt die Muße, mir meine Wurzeln zu betrachten und nach meiner Identität zu suchen. Weißt du: Ich bin in Argentinien geboren worden, aber in London aufgewachsen und habe das Gefühl, nirgendwo so richtig dazuzugehören. Das möchte ich auf dem nächsten Album thematisieren.

GL.de: Wie denn?

Malena: Wenn man in mehreren Kulturen verwurzelt ist und das Gefühl hat, zu keiner von diesen wirklich zu gehören, dann fühlt man sich alleine. Ich bin mir aber sicher, dass es viele Leute wie mich gibt. Und ich denke, wenn man darüber in seiner Musik spricht, dann kann man ein Gefühl der Gemeinsamkeit mit anderen, die ähnlich fühlen, herstellen. Ansatzweise - etwa in dem Song "If It Goes" - habe ich sowas schon auf dem ersten Album gemacht - aber im Rückblick erscheinen mir die Songs auf "Aliso" eher auf sympathische Weise ein wenig naiv. Konkret geht es mir darum, auf dem nächsten Album etwa die Latino-Rhythmen stärker zu erforschen - weil ich denke, dass Rhythmus und Tanz ein großer Teil meiner lateinamerikanischen Kultur ist.

GL.de: Die Struktur deiner Stücke ist recht ungewöhnlich. Der letzte Track des Albums scheint ja fast aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden.

Malena: Das ist auch in etwa so. Das ist der erste Song, mit dem ich begann und der letzte, den ich fertig stellte. Mir kam irgendwann die Idee für diese Basslinie am Schluss - aus der ich dann einen Jam entwickelte und mir dachte, das wäre doch vielleicht ganz krank, die Scheibe mit einem Jam zu beenden. Wie gesagt, ist der Flow ja sehr wichtig, Wenn man an einer Stelle steckenbleibt, hilft es, seinen Instinkten zu folgen und mit dem Flow zu gehen, um zu sehen, wo das hinführt. Ich suche dabei nach etwas, das das Bewusstsein erweitert. Mir ist auch der Rhythmus wichtig. Oft fange ich mit den Drums an. So lange es sich richtig anfühlt, spielt die Struktur dann keine Rolle mehr.

GL.de: Und was dabei die Herausforderung? Das alles zusammenzuhalten und zum Ende zu kommen, vielleicht?

Malena: Ja - ich denke schon. Beim Song-Schreiben ist es im wesentlichen so, dass du es hasst, bis du es liebst. Was ich damit meine ist, dass ich mit einer Idee anfange, die mir gefällt, diese wachsen lasse und erst nachdem ich die Arrangements und alles drumherum fertig habe, und ich dieses dann wirklich liebe, das Gefühl habe, dass das dann auch wirklich gut ist. Wichtig ist dabei, bei einer Idee zu bleiben. Denn wenn du meinst, dass du etwas noch besser machen könntest, dann kann es passieren, dass du monatelang daran arbeitest, ohne dass etwas passiert. David Lynch hat mal in "Catching The Big Fish" geschrieben, dass es darum geht, eine Idee einzufangen und dieser dann die Möglichkeit zu geben, sich zu dem zu entwickeln, was sie von vorneherein werden sollte. Und das ist das, was ich auf "Aliso" gemacht habe.

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Surfempfehlung:
www.malenazavala.com
www.facebook.com/MalenaZavalaband
www.facebook.com/wovokagentle
www.youtube.com/watch?v=JqBD5rfjLGY
www.youtube.com/watch?v=NeAh6LZOvA8
www.youtube.com/watch?v=9Hk45MicKQI
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-

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