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Nobody's Girl

Duisburg, Privatkonzert
13.04.2019

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Nobody's Girl
Also: "Nobody's Girl" ist ein Song von Bonnie Raitts Album "Nick Of Time" von 1989. Es ist aber nun auch der Name eines gemeinsamen Projektes der Songwriterinnen BettySoo, Rebecca Loebe und Grace Pettis aus Austin, Texas. Und das aus gutem Grund, denn bevor die drei Damen auf die Idee kamen, gemeinsam zu musizieren und auf Tour zu gehen, hatte die Sache keinen Namen, sondern lief unter The Sirens Of South Austin. Da ist Nobody's Girl natürlich die bessere Wahl - auch wenn die drei Musikerinnen ausgerechnet dieses Stück selbst noch nicht eingespielt haben.
Aber Nobody's Girl sind auch keine Coverband, sondern ein Kollektiv, das aus drei versierten, eigenständigen Songwriterinnen besteht, die hier ihre gemeinsamen Pfunde in die Waagschale werfen - durchaus mit der Absicht, auch gemeinsam an neuen Songs zu arbeiten. Wie sich bei ihrem Deutschland-Debüt bei dem Privatkonzert in Duisburg zeigte, machen Betty, Rebecca und Grace dabei vieles richtig, was andere Projekte dieser Art falsch machen. Denn es ist bei Nobody's Girl so, dass die Eigenarten der doch sehr unterschiedlichen Songwriterinnen durchaus erhalten bleiben, aber die Musikerinnen sich indes nicht zu schade sind, sich im Sinne eines gemeinsamen Ergebnisses auch zurückzunehmen und entweder das Material der jeweils anderen zu unterstützen - oder aber im Einklang zu vollständig neuen, eigenen Ergebnissen zu kommen. Dabei nutzen die Mädels geschickt die jeweiligen individuellen und die gemeinsamen Features. Und so bestand die Setlist des Konzertes dann zu etwa gleichen Teilen aus Songs der jeweiligen Autorinnen, aus sorgsam ausgewählten Coverversionen und vor allen Dingen aus neuen, im Kollektiv geschriebenen Songs. Die ganze Sache kam ins Rollen, als Rebecca Loebe (die bereits mehrfach solo an gleicher Stelle aufgetreten war) auf die Idee kam, gemeinsam auf Tour zu gehen und dazu als erstes mal testweise eine Coverversion von Tracy Chapmans "Fast Car" aufzunehmen, bei der die drei Songwriterinnen abwechselnd die Strophen vortrugen. Das funktionierte so gut, dass daraus gleich ein Plattenvertrag resultierte und zunächst mal eine EP namens "Waterline" eingespielt wurde. Inzwischen arbeiten Betty, Rebecca und Grace auch an einem kompletten Album.

Im Einzelnen sah das Ganze dann so aus: BettySoo ist vor allen Dingen für das Sounddesign des Projektes verantwortlich. Denn während Rebecca und Grace sich eine akustische Gitarre teilten, agierte Betty mit einer elektrischen Gitarre, einem Effektpedal und einem Akkordeon - was zu einem für ein Folk-Projekt ungewöhnlich fülligen Sound führte. Dazu muss man noch wissen, dass die produzierten Songs der EP "Waterline" im knackigen Powerpop-Format daher kommen (das alle drei Protagonistinnen bislang nicht beackerten), was hier vor Ort nur andeutungsweise deutlich wurde. Rebecca Loebe beeindruckte besonders als Vokalistin, während Grace Pettis insbesondere durch ihre eigenen - bemerkenswert detailreichen, genau beobachteten, autobiographisch gefärbten Americana-Songs - als "Gesamtpaket" zu überzeugen wusste. Aber wie bereits angedeutet, besteht der eigentliche Reiz dann in der gemeinsamen Marschrichtung, bei der sich die Damen dann entsprechend ergänzen - namentlich, was den Harmoniegesang betrifft. Natürlich waren auch die Coverversionen (neben "Fast Car" als Zugabe auch Blondies "Call Me" und "Bluebonnets" von der gemeinsam verehrten Kollegin Raina Rose) im Angebot. Und warum funktionierte das alles so gut? Vermutlich deswegen, weil das Ego (nicht die Identität) der drei Songwriterinnen zu Hause in Texas geblieben war und sie sich stattdessen als gegenseitige Fans outeten. "Ich muss immer aufpassen, dass ich nicht klatsche, wenn ich einen Song von den beiden anderen Damen gut finde, weil ich ja schließlich selbst in der Band bin", erklärte Rebecca das Ganze. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Aufgrund dessen, dass BettySoo und Rebecca Loebe aufgrund einer geheimnisvollen Frühstücksspeck-Vergiftung unpässlich waren, musste die Ersatzmutter Grace Pettis - die sich rührend um das Wohlergehen ihrer Kolleginnen bemühte - alleine für ein "Nachgehakt" her halten.

Grace Pettis
NACHGEHAKT BEI: GRACE PETTIS

GL.de: Warum habt ihr denn gerade jetzt beschlossen, ein gemeinsames Projekt loszutreten, obwohl ihr euch doch schon jahrelang kennt?

Grace: Wir kennen uns in der Tat schon seit zehn Jahren - waren aber bisher nie auf die Idee gekommen, dass wir zusammen in einer Band sein sollten. In Austin gibt es ja diese Gemeinschaft von Songwritern und wir laufen uns immer mal wieder über den Weg. Es war dann Rebeccas Idee, gemeinsam auf eine Package-Tour zu gehen. Und das war dann letztlich eine Geschäftsidee, denn wir waren ja befreundet und dachten, dass wir dadurch etwas Geld verdienen könnten, indem wir unsere Fans zusammen brachten. Also haben wir uns überlegt, einen Song, auf dem wir alle zusammen spielen, aufzunehmen und in die sozialen Medien zu bringen, um ein wenig Werbung für die Tour zu machen. Das war "Fast Car" und das ging dann auf YouTube sozusagen "mini-viral". Wir merkten dann schnell, dass wir da was hatten, denn insbesondere der Harmonie-Gesang fiel uns sehr leicht.

GL.de: Und das war dann der Startpunkt für das Projekt?

Grace: Ja - ich habe einen Freund, der uns Studio-Zeit zur Verfügung stellte, weil er das Video gesehen hatte und das gut fand. Wir haben uns dann dort getroffen und uns überlegt, vielleicht einen gemeinsamen Song zu schreiben. Aber daraus wurden dann an einem Tag sogar drei Songs, die wir den Leuten im Studio vorspielten - und die haben uns dann gleich einen Plattenvertrag angeboten. Das war ein bisschen wie ein Wirbelsturm, dem wir erst mal hinterher laufen mussten. Wir haben dann innerhalb einer Woche die Scheibe aufgenommen - noch bevor wir jemals eine Show gespielt hatten und bevor wir einen Bandnamen hatten.

GL.de: Okay, aber wieso habt ihr dann auch gleich einen für euch neuen Stil - den Power-Pop - implementiert?

Grace: Das war gar kein bewusster Prozess, denn als wir die ersten Songs schrieben, wussten wir ja gar nicht, ob wir überhaupt zusammen schreiben und singen und spielen könnten - und schon gar nicht, was dabei herauskommen würde. Wir wussten nur, dass wir Freundinnen sind, die ein wenig Spaß dabei haben wollten - vielleicht mit einem bisschen Wein. Es war dann aber ganz einfach - aber einen Plan gab es nicht. Und wenn, dann höchstens den, etwas für unsere Folk-Fans machen zu wollen. Es war dann auch eher unser Produzent, Michael Ramos, der das Soundpotential in unseren Songs erkannte und uns dann in diese Richtung lenkte.

GL.de: Habt ihr denn vergleichbare Routinen, was die Zusammenarbeit betrifft?

Grace: Vergleichbar vielleicht - aber nicht identisch. Wir haben alle verschiedene Stärken - aber wir haben ja jahrelang unsere eigenen Songs geschrieben und wissen wie es geht. Es war ein Prozess, an dem wir alle gleich beteiligt waren - und das ist es, was wir daran schätzten. Wir passen ja alle gut zusammen - aber man kann nie voraussagen, ob das gemeinsame Song-Schreiben funktioniert. Und das war dann der Teil, der wie Magie für uns war.

GL.de: Und wie funktioniert das dann?

Grace: Wir haben uns alle vertraut. Es bedarf ja eines gewissen Mutes, Ideen in die Runde zu werfen und zur Diskussion zu stellen. Da hilft es schon, wenn man sich darauf verlassen kann, wenn die anderen das respektieren, zuhören und auch ehrlich mit ihrer Meinung sind, wenn es nicht so gut sein sollte. Wir hatten halt Glück, dass wir uns aufgrund unserer zehnjährigen Freundschaft in einer Art sicherer Umgebung befanden.

GL.de: Okay - was sind denn eure eigenen und gemeinsamen Stärken?

Grace: Ich möchte zum Beispiel, dass meine Songs zugänglich sind und von so vielen Menschen wie möglich verstanden werden können. BettySoo hat einen feinen Sinn für die Instrumentierung, die Grooves und die Melodien. Es ist für sie wichtig, nicht gleich mit der ersten Idee zufrieden zu sein, sondern sich Zeit zu nehmen, genau die richtige Lösung zu finden. BettySoo hat auch Englisch studiert, so dass Poesie für sie sehr wichtig ist. Aber das trifft eigentlich auch auf Rebecca und mich zu. Und Rebecca hat diese faszinierende Pop-Sensibilität. Sie schreibt diese eingängigen Melodien und sie ist eine großartige Geschichtenerzählerin und Texterin.

GL.de: Und was ist das Wichtigste bei diesem Projekt?

Grace: Vielleicht, dass wir alle Fans von den jeweils anderen sind. Und weil wir auf diesen kommerziellen Pop-Sound gestoßen sind, ist es noch wichtig darauf zu achten, dass wir unsere Songs zwar eingängig und poppig gestalten - aber ohne dabei die Integrität der Songs zu verlieren. Uns ist es wichtig, dass wir etwas zu sagen haben und dass unsere Songs etwas bedeuten sollen und eine gewisse Substanz haben.

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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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