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Obsolete Euphoria Survivor

Vivie Ann

Köln, Subway
18.05.2019

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Vivie Ann
Etwas unglücklich gewählt war vielleicht der Termin, zu dem Vivie Ann und Band im Kölner Subway-Club gebucht waren, denn das punktuell gute Wetter und zahlreiche musikalische Optionen (wie etwa die zeitgleich stattfindenden Cardinal Sessions) sorgten für einen überschaubaren Andrang in dem Kellerclub, der ansonsten eher für lauschige Bar-Konzerte bekannt ist. Das war dann wohl auch der Grund dafür, dass der Lichttechniker, seinen Arbeitsplatz verließ, nachdem er die Bühnenbeleuchtung so weit heruntergefahren hatte, dass sich Vivie Ann selbst im Folgenden mehrfach (zu recht aber erfolglos) darüber beklagte, dass es viel zu dunkel sei. Das war dann selbst für Kölner Verhältnisse etwas übertrieben - zumal es hier ja nicht um Mitternachts-Jazz ging, sondern um Popmusik.
Denn schon bei den Interviews zu ihrer aktuellen Scheibe "When The Harbour Becomes The Sea" hatte Vivie Ann deutlich gemacht, dass sie sich mit Herz und Seele dem Pop-Medium verschrieben habe - hauptsächlich auch deswegen, weil in diesem Format so ziemlich alles möglich sei. Was sie damit gemeint hatte, wurde nun auch bei der Show im Subway deutlich. Denn hier präsentierte sich die Band mit einer Unzahl an musikalischen Ideen. Das äußerte sich zum Beispiel darin, dass die Sache - zumindest bei den Up-Tempo-Momenten - in eine regelrecht rockige Richtung ging (inklusive klassischer Schweinegitarrensoli, die Matthias Koschnitzke im Stile der 70er Jahre präsentierte) und darin, dass so ziemlich alle Klangfarben, die Vivie Ann und ihr musikalischer Partner Christoph Klinger (der in der Band die Keyboards verwaltet) sich im Studio ausgedacht hatten, auch auf der Bühne Platz fanden. Und zwar keineswegs indem hier fertig produzierte Passagen eingespielt wurden, sondern indem insbesondere Vivie Ann selbst durch einen ständigen Instrumentenwechsel (Keyboard, elektrische und akustische Gitarre, Klavier, Percussion und Glockenspiel) für eine entsprechende Abwechslung sorgte. Nun gut: Dass das Effektpedal von Bassist Julian Domke größer sein musste als das mancher Heavy Metal-Band wäre nicht unbedingt notwendig gewesen.
Vivie Ann präsentierte ihre Songs konzentriert und eindringlich - sang allerdings konsequent mit geschlossenen Augen, und das passte dann nicht so recht zu dem Pop-Ansatz, den sie musikalisch verfolgt. Zwar bemühte sich Vivie, das Publikum mit kleinen, persönlichen Anekdoten, in denen sie ihre Songs erläuterte einzubinden - so recht gelang das aber nicht. Alleine Vivies Schuld war das aber nicht, denn es war einfach zu dunkel und es waren auch nicht genügend Leute da, um ein Gruppengefühl aufkommen zu lassen. Auf der handwerklichen Seite hab es nicht viel zu meckern. Insbesondere die Dynamik der Band ließ da kaum Wünsche übrig. Allerdings sorgte die ambitionierte Struktur der Stücke - auch jene der Up-Tempo-Nummern vom Stile "Obsolete Majesty" oder "Euphoria" - für unnötig viele Stops & Gos. Fast jede Nummer Vivies wartet mit dramatischen Breaks auf - bis hin zum Stillstand mitten im Song. Das ist dann des Pathos ein wenig zu viel. Es mag vom konzeptionellen Aspekt her durchaus durchdacht sein - als Zuhörer wünschte man sich da hingegen (wenigstens ab und zu mal) einen Song, der konsequent durchgespielt wird. Falls dabei vielleicht die Idee dahinter steht, den Tracks etwa mehr Glaubwürdigkeit und Relevanz zu verleihen, ist das eher kontraproduktiv - und unnötig, wie sich bei den Balladen zeigte, für die sich Vivie im Mittelteil der Show auch mal solo ans Klavier setzte, oder später zur akustischen Gitarre griff. Gleich mit dem A-Cappella-Opener "No Start" hatte Vivie Ann ja schon gezeigt, dass es eigentlich kein großes Besteck braucht, eine entsprechende emotionale Wirkung zu erzeugen.

Kurz gesagt: Mit dieser Show zeigte Vivie Ann, dass man auch hierzulande als Indie-Künstlerin auf einem produktionstechnisch eindrucksvollen Level international konkurrenzfähige, ambitionierte, englischsprachige Pop-Musik machen kann - schießt dabei aber gelegentlich auch ein ganz klein wenig über das Ziel hinaus.

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Surfempfehlung:
www.vivieann.com
www.facebook.com/vivieannmusic
www.youtube.com/watch?v=yeFIV2BCytU
www.youtube.com/watch?v=zHh2_JV7fkY
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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