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Smooth Operators

Men I Trust
Malena Zavala

Köln, Yuca Club
20.05.2019

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Men I Trust
Könnte es sein, dass sich das kanadische Trio Men I Trust in dem Bemühen, möglichst unabhängig alles selber machen zu wollen, nun doch ein wenig verzettelt hat? Denn obwohl das erste "richtige" Album der Band "Oncle Jazz" seit Monaten immer wieder angekündigt wurde und "so zu ungefähr 95% fertig" sein soll, lag es zur weitestgehend ausverkauften Tour unter gleichem Namen nun immer noch nicht vor. Inzwischen, so scheint es, haben es Emma Proulx und ihre Jungs aufgegeben, die Sache konkret beim Namen nennen zu wollen: Beim Konzert im Kölner Yuca Club wurde ein neuer Track gespielt, der zwar auf dem Album sein solle, dem aber Emma noch keinen Titel zubilligen wollte (obwohl einer auf der Setlist stand) und auf die Frage, wann dann nun endlich das Album erscheinen solle, meinte sie nach der Show "vielleicht im Juli". Nun ja - eigentlich geht es ja Men I Trust auch um etwas ganz anderes: Nämlich zu belegen, dass man eben auch ohne physische Veröffentlichung, ohne Label, ohne Promo-Agentur und ohne die üblichen Mechanismen des Musikbiz zu bemühen, Erfolg haben und eine begeisterte Fangemeinde jenseits der üblichen Kanäle ansprechen und gewinnen kann.
Ein Teil dieses Erfolges ist auch dazu zurückzuführen, dass Men I Trust - auch schon bevor Emma Proulx als mittlerweile unverzichtbarer Anchor-Person zu dem Projekt stieß - stets aus einem Fundus von Freunden und Förderern schöpfen konnten und sich nie der Zusammenarbeiten mit Kollegen verschloss. Dazu gehört dann auch, dass sich die Combo zum wiederholten Male ihre Freundin, Malena Zavala und deren Band als Support auf Tour mitgenommen hatten. Malena hatte erst vor wenigen Wochen ihre erste Headliner-Tour in unseren Breiten absolviert und war dabei auch in Köln aufgetreten. Für diese Support-Tour hatte sich Malena entschieden, im abgespeckten Trio-Format (ohne Bass und Keyboard) aufzutreten und die Songs ihres Debüt-Albums "Aliso" und den neuen Track "E La Noche" in leicht komprimierter Form darzubieten. Nicht dass sich das irgendwie nachteilig auswirkte. Zwar spielte Malena den letzten Track der Setlist, "A Vision That's Changed" in der üblichen, leicht episch ausufernden Live-Version - inklusive wunderhübschem psychedelischem Gitarrensolo -, aber gerade der Umstand, dass die anderen Tracks in eher schnörkellosen, straighten Versionen dargeboten wurden, führte dazu, dass die anheimelnden Melodiebögen und die dem Format angepassten Soli vielleicht sogar sehr viel effektiver zur Geltung kamen - was insbesondere für diejenigen, die Malena zuvor noch nicht kannten, einen besseren Überblick über ihr Programm ermöglichte. Ihr selbst schien das zu gefallen, denn sie machte einen im Vergleich eher gelösten Eindruck. Es gab dann übrigens auch ein interessantes Detail, das Malenas Show mit jener von Men I Trust verband (also mal abgesehen von dem Umstand, dass es in beiden Fällen um melodischen Gitarrenpop ging): Wie auch Men I Trust hat Malena ihr Oeuvre einem konkreten Sounddesign unterworfen. In ihrem Fall ist dies eine Kombination von Effektgeräten, die den Guitarrensound auf spezifische Weise prägt - während es bei Men I Trust das strikte Klangbild ist, das das ganze Set in jenem Sinn zusammenhält, dass dabei der Eindruck entstehen könnte, dass Men I Trust auf eine ungemein relaxte und coole Art eigentlich denselben Song auf effektive und abwechslungsreiche Weise immer wieder variieren.
Rein technisch betrachtet, ist das dann natürlich nicht so, denn während durchaus alle Songs, die Men I Trust an diesem Abend spielten, im gefälligen R'n'B-New-Wave-Dancepop-Setting dargeboten wurden, gab es im Detail dann natürlich schon Unterschiede. Sei es, dass bei Tracks wie dem eingangs gespielten "Tailwhip", später dann "I Hope To Be Around" oder natürlich auch "Lauren" die Pop-Aspekte mit erkennbaren Hooklines und Refrains stärker in den Vordergrund gestellt werden, während es bei den balladeskeren, jazzigen Soul-Balladen wie "Seven", "Show Me How" dem brandneuen Track "Norton Commander" oder der zum Schluss gegebenen Geoffroy-Kollaboration "Thirsty" eher die sinnlichen (und zuweilen dezidiert schwülstig inszenierten) R'n'B-Sentimente betont wurden. In beiden Fällen sind es aber Emmas - mal verführerisch, mal schmachtend und mal klagend hingehauchte - Vocals, ihre zuweilen überraschend vielseitig inszenierten, mit abgespeicherten Effektsettings garnierten Minimal-Soli sowie der betont auf cool getrimmte, bauchige Sound der aus Ur-MIT Jessy Caron und dem Tourdrummer bestehenden Rhythmusgruppe, der das Klangbild entscheiden prägen. Warum allerdings diese Rhythmusgruppe in der linken, hinteren Ecke der Bühne mit großem Abstand zu Emma und Dragos Chiriac (dem anderen MIT-Gründungsmitglied) im Halbschatten platziert war, war konzeptionell indes nicht so richtig zu erkennen.

Interessanterweise sind Dragos' Keyboard-Parts im Live-Kontext weniger prägend, als das zuvor vielleicht zu vermuten gewesen wäre. Freilich geht es bei Men I Trust auch nicht um Einzelleistungen. Es sind die smoothen, coolen Grooves und die jazzige Leichtigkeit, mit der die Band als Einheit die Fans in ihren Sog zieht. Bemerkenswert ist dabei der Umstand, dass die besagten Fans dann eher aufmerksam zuhören, anstatt etwa den Umstand auszunutzen, dass es sich bei MIT-Songs im Wesentlichen um clubtauglichen Dancepop handelt. Tatsächlich entwickelt sich so eine Art Gemeinschaftsgefühl, bei dem einfach Leute zusammenzukommen, um die Musik zu genießen - und nicht unbedingt um Party zu machen. Showmäßig wird da allerdings auch nicht viel geboten. Emmas spärliche Ansagen tragen wenig dazu bei, zu erhellen, worum es in den Songs gehen könnte und ansonsten gefallen sich die Musiker darin, sich sacht im Takt zu wiegen und mit einem amüsierten Grinsen vor sich hinzuspielen, als haben sie sowieso nichts besseres zu tun - um dann einfach die Songs für sich sprechen zu lassen; was dann dank des aufmerksamen Publikums auch sehr gut funktioniert.

Kurzum: Schon alleine deswegen, weil es Men I Trust ohne professionelle Maschinerie im Rücken, ohne produktionstechnischen Firlefanz, ohne besondere Show-Effekte - und natürlich ohne erkennbare physische Veröffentlichungspräsenz - alleine durch die Qualität ihres Materials gelingt, die Leute hinter dem Computer hervorzulocken und dazu zu bringen, das Handy beiseite zu legen und sich ihre Musik live anzuschauen, gehört dem Trio unsere volle Aufmerksamkeit.

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Surfempfehlung:
menitrust.bandcamp.com
www.facebook.com/menitrust
www.facebook.com/MalenaZavalaband
www.facebook.com/menitrust/videos/854977511380132/
www.facebook.com/menitrust/videos/467163860698654/
www.facebook.com/menitrust/videos/306016573316009/
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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