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Traumzeit

Kate Bollinger

Brooklyn, Baby's Alright
23.08.2019

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Kate Bollinger
Es ist sicherlich kein Zufall, dass einer der plüschig dahingroovenden Indie-Dreampop-Songs von Kate Bollinger aus Charlottesville, Virginia, die auf ihrer ersten Headliner-Tour mit Band im Baby's Alright in Brooklyn nun auch NYC streifte, dann auch noch "Dreaming" heißt, denn das Träumen ist ein integraler Bestandteil jenes Prozesses, in dem die Songs der jungen Dame entstehen (wie sich später herausstellen sollte).
Aber zunächst mal der Reihe nach: Who is Kate Bollinger? Nun: Die Songwriterin aus dem Süden der USA gehört zu jener Spezies von Indie-Künstlerinnen, die unter Umgehung der früher üblichen Mechanismen des Musikbusiness ihr Glück versuchen - und das bedeutet heutzutage eine entsprechende Dauerpräsenz auf allen möglichen Web-Kanälen. Gerade hat sie mit "I Don't Wanna Lose" ihre offizielle Debüt-EP veröffentlicht - gleichwohl es auf den verschiedenen Plattformen auch ihren inoffiziellen Back-Katalog (inklusive der 2017 erschienenen EP "Key West") zu bewundern gibt, denn obwohl sie nun wahrlich nicht zum alten Eisen gehört, hat Kate - die 2013 erste eigene Tracks postete - bereits eine beeindruckende Sammlung höchst unterschiedlicher Songs vorzuweisen, die sie zusammen mit ihrem musikalischen Parnter, Produzent John Trainum im DIY-Verfahren zusammengeschraubt hat.

Das Interessante an der Sache - und der Grund sich mit dem Thema Kate Bollinger zu beschäftigen - ist dabei der Umstand, dass die Gute in der o.a. Zeitspanne eine bemerkenswerte musikalische Entwicklung durchlaufen hat, in der sie so unterschiedliche Genres wie klassischen Folkpop, Jazz, Soul, ansatzweise Country und Dreampop mehr oder minder souverän antestete und heutzutage in einem schlüssigen Mix zu einer eigenständigen musikalischen Melange verquickt hat. Und mit "Je reverai de toi" hat sie auch schon einen Song auf Französisch dabei zustande gebracht. Obwohl sich Vergleiche in diesem Fall keineswegs aufdrängen, kommt die Sache dem nah, was seelenverwandte wie Faye Webster oder Natalie Prass den Stilmix und die musikalische Offenheit betreffend anstellen.

Bei ihrem Auftritt im Baby's Alright präsentierte sich Kate mit ihrer jungen Band, die sich aus Absolventen des Uni-Jazz-Programmes rekrutieren - was dann den ausgeschlafen groovenden Band-Sound und die feinsinnigen musikalischen Details erklärte, die von den jungen Musikern auf souveräne Weise eingebracht werden. Dazu singt Kate in einer unaufgeregten, souligen und manchmal auch ein wenig verführerischen Art, wie das in unseren Breiten ansonsten höchstens noch Alice Phoebe Lou leistet und auf internationaler Ebene Leslie Feist, die ein erklärtes Vorbild Kates ist. Kates autobiographisch geprägte Songs sind dabei aber per se keine Jazz-Nummern, sondern orientieren sich deutlich an klassischen Songstrukturen, die aber eben auf eine feinsinnig/subtile Art umspielt werden. Gerade dieser Ansatz zeichnet die Sache am Ende aber gerade aus, denn das ist in Indie-Songwriter-Kreisen absolut unüblich und einzigartig.

Kate als Performerin konzentriert sich darauf, ihr Material auf eine ebenfalls unaufgeregte, friedfertige und ansatzweise auf angenehme Weise einlullende (oder sagen wir besser einnehmende) Manier an die Zuhörer heranzutragen. Zu all dem - auch dem Traumthema - passt dann zwar der Umstand, dass sie dabei konsequent mit geschlossenen Augen singt - erscheint aber eher unnötig, da ihr ja nur wirklich nichts weiter passiert, wenn sie denn ein Mal kurz ins Publikum blickt.

Um die Sache nun aber mal auf den Punkt zu bringen: Kate Bollinger gehört sicherlich zu den interessantesten Erscheinungen der aktuellen US-Indie-Szene der letzten Jahre und hat mit ihrem Konzept mit Sicherheit eine brillante musikalische Zukunft vor sich. Ein "richtiges" Album ist für nächstes Jahr geplant. Bis dahin kann man Kates Weg auf den üblichen Kanälen im Web weiter verfolgen. Etwa demnächst mit der kommenden Single "No Other Like You", die sie bei der Show im Baby's Alright bereits präsentierte.

Kate Bollinger
NACHGEHAKT BEI: KATE BOLLINGER

GL.de: Du bist ja noch nicht so alt - lässt aber keine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, wie lange du schon Musik machst. Wie bist du denn in dieses Metier hineingeraten?

Kate: Das war keine bewusste Entscheidung. Meine Mutter ist eine Musikern, sie ist eine Musiktherapeutin und ich bin mit ihr singend aufgewachsen. Sie macht Musik für Kinder und arbeitet mit Kindern mit Autismus und älteren Patienten mit Hirnschädigungen. Einen besonderen Anlass gab es für mich nicht, Songs zu schreiben. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich im Alter von acht Jahren zum ersten Mal mit meiner Mutter nach New York gefahren bin - da habe ich im Zug schon erste Songs geschrieben.

GL.de: Gedichte oder Reime?

Kate: Ich schreibe auch Gedichte - aber die Songs entstanden schon früher. Wenn ich einen Song schreibe, dann beginne ich immer erst mit der Musik - indem ich was auf der Gitarre ausprobiere und dann suche ich nach einer Gesangsmelodie und erst dann kommen Worte und Texte ins Spiel.

GL.de: In deiner Musik findet sich eine ziemlich eklektische Stile-Sammlung. Wie kommt denn das?

Kate: Das kommt einfach daher, dass ich so vielen verschiedenen Arten von Musik ausgesetzt bin. Ich werde oft gefragt, ob ich von Indie-Künstlerinnen wie mir selbst beeinflusst bin - und meistens ist das nicht der Fall. Ich mag Künstlerinnen wie Joni Mitchell, Feist oder The Extrordinaires aus Philadelphia. Und dann haben mich meine älteren Brüder auch immer wieder mit unterschiedlicher Musik konfrontiert.

GL.de: Und woher kommen die Jazz Vibes in deiner Musik?

Kate: Drei meiner Bandmitglieder haben Jazz-Theorie in Richmond an der Uni studiert. Die haben diese Vibes in meine Musik gebracht - was ich sehr mag. Ich denke, dass ich jetzt meinen Sound auch gefunden habe und in dieser Richtung weiter machen werde. Ich will dabei nicht ausschließlich in eine elektronische Richtung gehen - aber festlegen möchte ich auch nicht. In der Zukunft will ich sicher auch mal wieder eine akustische Sache mit Stimme und Gitarre und vielleicht ein paar Keyboards machen.

GL.de: In einem Interview sagtest du ein Mal, dass das Schreiben von Songs für dich vergleichbar sei mit dem Träumen. Was meinst du denn damit? Träumen ist doch keine kognitive Tätigkeit, wie das Schreiben von Songs.

Kate: Das meint, dass das Schreiben von Songs für mich eine ziemlich passive Angelegenheit ist. Ich weiß zum Beispiel nie, worüber ich eigentlich schreiben will, wenn ich an einem Song arbeite. Ich finde etwas auf der Gitarre, dann finde ich vielleicht ein paar Worte, die irgendwie gut klingen oder die ich mag. Dann passiert alles irgendwie und erst nachher weiß ich dann, worüber ich eigentlich gerade nachgedacht habe.

GL.de: Das Ergebnis ist dann ein charmantes, humorvolles, musikalisches Tagebuch, oder?

Kate: Teilweise ist das sicher so. Ich muss dabei aber aufpassen, dass ich nicht zu viele Details meiner selbst preisgebe und nicht zu persönlich werde. Zumindest diesen Aspekt meiner Arbeit muss ich also kontrollieren.

GL.de: Was ist denn heutzutage deiner Meinung nach die größte Herausforderung für eine Songwriterin?

Kate: Wonach ich suche, sind gute Melodien. Das ist deswegen interessant, weil man Musik auf so viele unterschiedliche Weisen wahrnehmen kann. Manchmal diskutiere ich z.B. mit meinem Produzenten John, warum er diesen oder jenen Song gut findet - weil er auf die Produktion achtet und ich das gar nicht tue. Von mir aus kann etwas richtig schäbig produziert sein - und ich mag das dann trotzdem, so lange nur die Gesangsmelodie stimmt. Vermutlich, weil ich eine Sängerin bin. Und was die Texte betrifft, so ist das ja so, dass ich über offensichtliche über Dinge schreibe, die jeder schon mal auf diese oder jene Weise erfahren hat. Ich versuche dann, einen Ansatzpunkt zu finden, der mein eigener ist, indem ich die Perspektive ein wenig verbiege. Es ist wichtig, seinen eigenen Ansatz und seinen eigene Betrachtungsweise universeller Themen zu finden. Die größte Herausforderung, ist unter dem Strich dann die, sich Gehör zu verschaffen. Nicht in Bezug auf die Lautstärke, sondern Leute zu erreichen, die das, was ich singe, interessant finden.

GL.de: Und welche Fans sind dir dann am Liebsten?

Kate: Menschen, die sich für die Musik interessieren - Musikliebhaber, denen Musik dann auch wichtig ist.

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Surfempfehlung:
katebollinger.bandcamp.com
soundcloud.com/kate-bollinger-1
open.spotify.com/artist/4eArh1v6UwBbKkjdgHCned
www.facebook.com/katebollingermusic
www.youtube.com/watch?v=j0HZgVoARWs
www.youtube.com/watch?v=h_stkULYf_4
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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