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Es gibt auch noch andere Leute als dich

The Rails

New York, Joe's Pub
27.08.2019

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The Rails
Nochmal kurz zusammengefasst: Kami Thompson ist die Tochter von Richard & Linda Thompson und ihr Gatte, James Walbourne, machte sich einen Namen als Solo-Künstler und Musiker für u.a. The Pogues, Ray Davies, Son Volt, die Pretenders oder die Pernice Brothers. Zusammen bilden sie das Duo The Rails. Für Kami und James ist NYC mittlerweile sozusagen eine Art Homebase. Nicht nur, weil Kamis Bruder, Teddy Thompson, zur Zeit im Big Apple residiert, sondern auch deswegen weil Kami und James regelmäßig hier gastieren - mal mit Band, oder - wie bei diesem Auftritt im legendären Joe's Pub (wo sie regelmäßig zu Gast sind) - auch schon mal alleine. Letztlich bedeutet das dann, dass das Duo hier im Publikum auf lauter Bekannte trifft und sich mit Insider-Witzen zwischen den Songs über Wasser halten kann.
Joe's Pub ist dabei eigentlich kein Pub, sondern ein bestuhlter Club, in dem die Plätze in Form von Tischen und Sitzplätzen vor der Bühne so angeordnet sind, dass während des Konzertes die Verköstigung der Gäste betrieben werden kann - um so das zusätzlich zum Ticketpreis ausgewiesene Verzehrminimum von 12 $ erreichen zu können (was recht einfach ist, denn praktisch ist alles deutlich teurer als 12 $). Das führt zu dem eigenartigen Effekt, dass die Künstler dann im direkten Angesicht mit speisenden und kauenden Zuschauern konfrontiert werden. "Wie schmecken denn die Fritten?", fragte James dann gleich zu Beginn, "sie riechen jedenfalls gut. Ich verhungere hier oben gleich." Es kommt dann noch hinzu, dass Persönlichkeiten wie Patti Smith oder Leonard Cohen - die auch in Joe's Pub aufgetreten sind - von stilisierten SW-Fotos an den Wänden des Venues das Geschehen beobachten. Kurz gesagt, ist das schon eine etwas merkwürdige Konzertsituation.
Davon ließen sich die Rails aber nicht irritieren. Gerade eben ist das dritte Rails-Album "Cancel The Sun" erschienen - aber daraus spielten Kami und James dann vergleichsweise wenige Stücke - wie etwa den Titeltrack. Das mag auch damit zusammen hängen, dass es sich hierbei im Prinzip eher um eine solide Rockscheibe handelt und The Rails hier ja nun eben Akustik-Versionen ihrer Tracks spielen mussten. "Obviously" scherzte James, als er einen der Songs als akustische Version ankündigte. Dennoch muss einfach gesagt werden, dass der Rock-Drive auch im Akustik-Setting ganz gut erhalten blieb (etwa wie bei Up-Tempo-Nummern wie "Ball & Chain"), denn sowohl Kami wie auch James spielen ihre Gitarren mit Nachdruck und Energie, wobei James virtuoser agiert als Kami und auch gerne mal den Lead-Gitarristen raushängen lässt. Hinzu kommt, dass der Gesang - sei es getrennt oder zusammen - des Duos mit Inbrunst und jeder Menge Sustain präsentiert wird. Natürlich greifen The Rails aber auch auf ihre Folk-Roots zurück - und das nicht nur bei implementierten Traditional "William Taylor", sondern auch bei eigenen Songs wie "Cally", einen Song den James seinem verstorbenen Großvater widmete, der in der Londoner Caledonian Road lebte und sich dort mit Charakteren wie der Bordsteinschwalbe Woodbine Nelly herumschlagen musste und auch "Fair Warning", der Titeltrack des ersten Rails-Album, kamen gälisch/folky angerichtet daher. Musikalisch gab es an diesem Set nichts auszusetzen. Gelegentlich frotzelten sich Kami und James an, wenn es darum ging, auf welchen Bund das Capo gehörte oder wie man einen Song anfangen solle. "Es gibt auch noch andere Leute in der Welt - nicht nur dich", meinte James dann irgendwann nachdem er zuvor so getan hatte, als habe er Kamis Namen vergessen. Natürlich ist das der Titeltrack des zweiten Rails-Albums "Other People", das Kami und James mit Ray Davies in Nashville produziert hatten - was die Fans natürlich auch wussten; zumal The Rails T-Shirts mit diesem Slogan als Merch ausgelegt hatten.

Wie in NY üblich ging das Set nach ungefähr einer Stunde dann zu Ende. Zur Zugabe wurden Kami und James gebeten, den neuen Track "Dictator" zu spielen - was sie nach einigem Zögern auch taten. "Wir haben den Song heute erstmals live geprobt - das kann also ganz schön in die Hose gehen", meinte Kami dann zögerlich. "Ach, was soll schon passieren", wischte James die Bedenken beiseite und dann steigerte man sich langsam auch in eine recht passable Version des Songs hinein, bei dem Kami die Lead-Vocals übernahm. Als besonderes Bonbon gab es dann noch einen Gastauftritt von Teddy Thompson, der mit Kami und James als "Backing Band" Leadbellys "Goodnight Irene" präsentierte - und damit all jene versöhnte, die bei einem akustischen Folk-Konzert zumindest eine Prise Blues erwarten.

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Surfempfehlung:
therailsofficial.com
en.wikipedia.org/wiki/The_Rails
www.facebook.com/TheRailsOfficial
www.youtube.com/watch?v=izpdAwrwpvU
www.youtube.com/watch?v=aIeEUbZRXWA
www.youtube.com/watch?v=PMA_MOcFGzo
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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