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Konzert-Bericht
 
Gänsehaut!

Molly Sarlé

Rees-Haldern, Haldern Pop Bar
08.09.2019

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Molly Sarlé
Nach einem verheißungsvollen Debüt mit dem minimalistischen Folk-Trio Mountain Man vor rund zehn Jahren und einer kräftezehrenden Welttournee als Musikerin für Feist hatte Molly Sarlé eigentlich die Nase voll vom Musikbusiness. Mit ihrem fantastischen Solo-Erstling "Karaoke Angel" erklärt die heute in North Carolina heimische Amerikanerin nun zum Glück ihren Rücktritt vom Rücktritt und fasziniert mit Laurel-Canyon-Folk-Rock und verhangenem Dream Pop zwischen Fleetwood Mac und Mazzy Star. Live braucht sie dadegen bei ihrem hinreißenden Deutschland-Debüt noch nicht einmal eine Band.
Ganz allein steht Molly Sarlé mit einer kurzerhand vor Ort geliehenen Stromgitarre auf der Bühne der Haldern Pop Bar und singt kunstvoll reduzierte und doch ungeheuer kraftvolle Gänsehautversionen der vor Empathie strotzenden Lieder ihres ersten Alleingangs, als wolle sie sagen: Schaut mal, was man aus Indie-Folk machen kann, wenn man unbedingte Ehrlichkeit, kluge Beobachtungen mitten aus dem Leben und humorvolle Pointen furchtlos mit einem feinen Händchen für ungewöhnliche Melodien und einer ordentlichen Portion performerischer Widerspenstigkeit zusammenfließen lässt! Die sagenhafte Gelassenheit, die sie dabei ausstrahlt, macht sich nicht nur beim dahingetupften Glanzlicht "Human", sondern auch bei "Almost Free" bemerkbar. Als ausgerechnet bei dem dramatischen Song über die Selbstmordabsichten ihres Vaters im Saal ein Handy klingelt, baut sie ohne aus dem Takt zu kommen ein fiktives Telefongespräch in den Text ein, als sei das das Normalste der Welt... Umwerfend sind auch ihre Coverversionen: Gleich zu Beginn interpretiert sie "Thirteen" so wunderbar eigensinnig, dass aus dem oft gecoverten Big-Star-Klassiker praktisch ein ganz neuer Song wird, später gelingt ihr das Kunststück, "Werewolf" noch seltsamer klingen zu lassen als das herrlich windschiefe Original von Oberweirdo Michael Hurley.
Bei der Zugabe braucht sie dann noch nicht einmal mehr die Gitarre: Mit auf dem Rücken verschränkten Armen singt sie "Green Grass" a cappella und lässt den grummeligen Tom-Waits-Song wie ein Nina-Simone-Spiritual erstrahlen, als gäbe es nichts Leichteres. Der perfekte Schlusspunkt für das ergreifendste, nein, das beste Konzert des Jahres!

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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