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Konzert-Bericht
 
Ein leises Lebewohl

Lydia Cole

Köln, Lichtung
10.09.2019

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Lydia Cole
Lydia Cole sagt leise "Auf Wiedersehen": Zwei Jahre lang lebte die liebenswerte neuseeländische Singer/Songwriterin in Berlin und erspielte sich bei vielen intimen Konzerten in ganz Europa eine kleine, aber treue Fangemeinde. Nun zieht es sie zurück in ihre alte Heimat, doch zuvor reist sie noch einmal quer durch Deutschland, um sich von ihren Fans hierzulande zu verabschieden. Wir waren beim Eröffnungsabend in Köln dabei.
Lydia Coles Auftritt in der Lichtung ist in sanfte Melancholie gehüllt - und dabei sprechen wir nicht nur von ihren Songs, mit denen sie schon immer reine Emotionen in Musik umgesetzt hat. Viele der Gäste im erfreulich gut gefüllten Saal sind alte Bekannte und gekommen, um die vorerst letzte Chance zu nutzen, Cole und ihren Partner Tim Armstrong auf der Bühne zu erleben, ohne dafür 24 Stunden in einem Flugzeug sitzen zu müssen. Alle sind traurig, die beiden gehen zu sehen, auch wenn am Ende die Freude überwiegt, dass Cole wie schon in ihren Liedern auch in ihrem Leben ehrlich zu sich selbst ist und das tut, was für sie persönlich das Beste ist.

In ihrer Abschiedsvorstellung verdichtet sie all das, was sie ausmacht, in einem rund einstündigen Set. Die Ansagen fallen dieses Mal kürzer aus, der Fokus liegt klar auf der Musik an sich. Während Tausendsassa Armstrong auf leisen Sohlen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Gliedmaßen, sanftem Elektronikeinsatz und minimalistischem "Socken-Schlagzeug" für einen wunderbar dezenten, aber doch äußerst effektiven Bandteppich sorgt, kann sich Cole ganz darauf konzentrieren, im Dunstkreis von Oldschool-Folk und Zeitgeist-Indie mit Stimme und Akustikgitarre ungeschminkt ihr Leben als Schnappschüsse in Songform festzuhalten und dabei mit oft erstaunlicher Leichtigkeit eine Brücke vom Persönlichen zum Allgemeingültigen zu schlagen.

Trotzdem findet sie auch in Köln zwischen den Liedern die richtigen Worte, um ihr Publikum einzufangen und den gedämpften Liedern ein wenig augenzwinkernde Fröhlichkeit entgegenzusetzen, ganz egal, ob sie ihre Gaststadt lobt ("Hier herrscht eine Freundlichkeit, die es nicht überall gibt") oder von dem kleinen Kind im Publikum bei einem Konzert in England erzählt, das ihren Song "Dream" mit unüberhörbarem Schnarchen begleitet hat. Die überraschende Wendung der Geschichte? Das Kind hat für gewöhnlich Probleme beim Einschlafen! "Ich glaube, die Eltern haben anschließend meine CD gekauft", erzählt Lydia lächelnd und erledigt so ganz elegant nebenbei auch noch den Hinweis auf ihr Merchandise. Zur Mitte des Sets setzt sie sich ans hauseigene Klavier und spielt zuerst ihr eigenes Glanzlicht "Time Is A Healer" und gleich danach Mac DeMarcos "All Of Our Yesterdays", das ihr nicht mehr aus dem Kopf geht, seit ihr Bruder sie auf den Song aufmerksam gemacht hat. Dabei gelingt ihr das Kunststück, nicht nur das schluffige Bandarrangement für ihre Pianoversion zu entschlacken, sondern die Nummer auch noch wie eine von ihren klingen zu lassen.

Mit dem alten "Drawbridge" und dem neuen "Travelling Man" beleuchtet sie dann die zwei Seiten von Long-Distance-Beziehungen und freut sich, dass am Ende des ersten Songs wie auf Kommando die Saaltür geräuschvoll ins Schloss fällt. "Habt ihr hört, wie sich die Tür dieses Kapitels geschlossen hat?", fragt sie schmunzelnd und bestreitet die andere Nummer zum Thema solo - obwohl oder gerade weil das Stück von Armstrong handelt. "Er steht nicht gerne im Mittelpunkt", lautet ihre einleuchtende Erklärung. Während die meisten Songs live (noch) reduzierter klingen als auf ihren beiden Alben, geht Cole, nun mit der Stromgitarre in Händen, für "Sober" den entgegengesetzten Weg und fügt dem Lied mit einem atmosphärisch in viel Hall getauchten, sich beständig steigernden Instrumentaloutro eine ganz neue Note hinzu: Das heimliche Highlight des kompletten Konzerts!

Die Zugabe bestreitet Cole mit dem Song, der bei ihrem ersten Headline-Konzert in Köln 18 Monate zuvor noch ganz am Anfang gestanden hatte: "Mother Earth And Father Time" aus Hanna-Barberas 70er-Jahre-Zeichentrick-Musical "Zuckermanns Farm - Wilbur im Glück" macht sie sich genauso rührend zu eigen wie zuvor die Mac-DeMarco-Nummer. Damit geht ein Auftritt zu Ende, der nicht nur durch viel Menschlichkeit, sondern vor allem auch mit viel musikalischem Understatement bezaubert.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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