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Blood, Sweat & Laughs

Suzanne Santo
Marla & David Celia

Köln, MTC
09.09.2019

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Suzanne Santo
Suzanne Santo stammt ursprünglich aus Cleveland, Ohio und war 12 Jahre die Frontfrau der in L.A. zusammen mit Benjamin Jaffe gegründeten Country-Folkpop-Band HoneyHoney. 2017 veröffentlichte sie dann ihr Solo-Debütalbum "Ruby Red", auf dem sie das ursprünglich eher mainstream-orientierte Pop-Konzept von HoneyHoney arrangementstechnisch (etwa durch den Einsatz von Synthesizern, Mellotron und Gitarreneffekten) auf eine leicht psychedelische Manier aufbohrte und in die Roots-Rock-Richtung führte. Irgendwie hat sie es dabei aber geschafft, hierzulande an der möglichen Zielgruppe vorbeizulavieren, denn bei ihrem Köln-Debüt auf ihrer ersten Headliner Tour in unseren Breiten fand sich nur eine Handvoll treuer Fans ein, die freilich ihr Idol dafür umso frenetischer und enthusiastischer feierten. Darunter befanden sich etliche US-Bürger, die Suzanne wohl aus ihrer Heimat kannten - und nicht ein einziger der üblichen verdächtigen Eingeborenen, die sich ansonsten ungefragt jeden Act, der auch nur ansatzweise in die Americana-Richtung tendiert, reinpfeifen. Sei es drum: Suzanne und ihre englisch/australische Band nahmen die Sache mit Humor und Lebensfreude und lieferten mit echter Begeisterung für das eigene Tun und den Zuspruch der Fans eine eindringliche, abwechslungsreiche und druckvolle Live-Show ab.
Sicherlich war es auch ein geschickter Schachzug der Booking-Agentur, kurzfristig noch das deutsch/kanadische Duo Marla & David Celia als Support hinzuzubuchen - nicht nur, weil der bodenständige Folkpop des Songwriter-Teams programmatisch ganz gut zu dem passte, was auch Suzanne im Angebot hat (wenngleich auch auf eine musikalisch andere Art), sondern auch deswegen, weil Marla eine Zeitlang in Köln gelebt hatte und auch ihr Gatte David Celia in unseren Breiten nicht ganz unbekannt ist. Marla & David, die eigentlich ein paar Off-Days im Rahmen ihrer gerade laufenden, eigenen Clubtour gehabt hätten, boten ihr Set mit der gewohnten heiteren Gelassenheit dar - und ließen sich dabei auch nicht von einem Mikro-Ausfall mitten im Set irritieren. Das Programm bestand aus Songs, die Marla und David zusammen für ihr gemeinsames Album "Daydreamers" geschrieben hatten, sowie aus dem mit vielen Improvisationen und Sample-Effekten versehenen Instrumental "The Wind", das David fabriziert hat und dem klassischen, geradlinigen Liebesfolk-Song "Lover Of Mine", den Marla für ihr Debütalbum verfasste. Wie üblich beeindruckte dabei, wie die eigentlich recht unterschiedlichen Ansätze der beiden Songwriter hier miteinander harmonierten und wie elegant sich Marla und David mittlerweile ergänzen und dabei ihren Idolen, Inspirationsquellen und Vorbildern auf fast schon demütige Weise - oder doch zumindest respektvoll - Tribut zollen, ohne deswegen das eigene Licht unter den Scheffel zu stellen. Mehr davon gibt's dann nächsten Monat auf der angesprochenen eigenen Tour.
Suzanne Santo gehört offensichtlich zu jener Sorte von Musikern, die zwar ihre Musik, nicht aber sich selbst besonders ernst nehmen. "Heh - ich habe keinen Gitarrensound", meinte sie gleich eingangs - bis sich dann herausstellte, dass der Verstärker nicht eingeschaltet war. "Nun ja - wir sind ja Anfänger", scherzte sie dann. Anschließend ging es los mit einem im Vergleich zu der Studioproduktion geradlinigen, oder auch regelrecht rockigen Bandsound, der insbesondere von der Gitarrenarbeit geprägt wurde (Suzanne selbst etwa spielt seit jeher keineswegs eine gernrekonforme Akustikgitarre, sondern eine große Gibson), die zum krönenden Abschluss darin gipfelte, dass die schmirgelnde Up-Tempo-Nummer "Love Fucked Up" gar mit drei Gitarren gleichzeitig dargeboten wurde. Gelegentlich griff Suzanne selbst zur Fiedel - jenem Instrument also, dem der Sound von HoneyHoney zu Beginn viel zu verdanken hatte. Freilich führte das keineswegs zu schmalzigen Country-Einlagen, sondern zu einer energischen Ergänzung des Roots-Rock-Sounds. Überhaupt bildeten die zugrundeliegenden Country-Roots bei dieser Show nur eine der vielen stilistischen Facetten, über die Suzanne Santo verfügt. Die Idee, auch bei den Live-Shows statt auf den vielleicht naheliegenden Mainstream-Sound zu verzichten und sich stattdessen in Richtung Roots-Rock und Blues zu orientieren, erwies sich jedenfalls als goldrichtig. Apropos Blues: Suzanne bedient sich als Songwriterin der gesamten Klaviatur genretypischer Bilderwelten - und dazu gehören natürlich auch Mörderballaden. Tatsächlich fließt sogar eine Menge Blut in Suzannes Texten. Es ist dann schon ein wenig seltsam, wenn eine sympathische Dame mit ihrer jugendlichen (nicht amerikanischen) Band etwa davon singt, den falschen Mann erschossen zu haben - wie in dem Song "The Wrong Man". Andererseits ist Suzanne halt eine Songwriterin, die alle möglichen Themen verarbeiten kann und dabei auch mal ganz gerne in Rollen schlüpft - auch in männliche, übrigens -, um ihre Stories an den Zuhörer heranzutragen. Da sind dann so etliche Klischees dabei - aber auch die muss man ja erst mal glaubwürdig präsentieren können; und das gelingt Suzanne dann (trotz einiger zu dick aufgetragener Stadien-Gesten) dann durchaus. So richtig persönlich wird es hingegen eher selten, wie zum Beispiel bei dem neuen Track "Bad Beast", der nicht wörtlich von einem Biest handelt, sondern von Suzannes Kampf mit der Schlaflosigkeit, an der sie seit einiger Zeit leidet, kündet. Die neuen Tracks, die Suzanne im Angebot hatte (ein anderer trägt den Titel "Mercy"), werden auf ihrer neuen LP zum Tragen kommen, die aber erst im nächsten Frühjahr ansteht. Abgerundet wurde die Show natürlich durch einige Rückgriffe auf HoneyHoney-Zeiten (teilweise solo von Suzanne vorgetragen) und so ziemlich alle relevanten Tracks von "Ruby Red". Die Fans nutzten diesen Showcase um so ziemlich alle Titel lautstark mitzugrölen. Das passte dann zu der leicht hysterischen - und übrigens typisch amerikanischen - Grundstimmung, die zeitweise den Eindruck erweckte, dass sowohl die Künstler wie auch das Publikum ordentlich Amphetamin eingeworfen hatte. Der Kölner MTC-Club empfahl sich dabei übrigens wieder mal als einer der mittlerweile eher unterschätzten Spielstätten der Domstadt mit einem ausgezeichneten Sound.

Wie gesagt Suzanne schien trotz des überschaubaren Zuspruches wirklich Spaß an dieser Show zu haben, steigerte sich in das schweißtreibende Tun regelrecht rein und musste somit nicht ein mal gute Miene zum bösen Spiel machen. "Das ist ja eher intim heute Abend", scherzte sie zu Beginn der Show zunächst, "da könnten wir uns ja eigentlich alle untereinander vorstellen." Sowas wird ja meistens bloß so dahergesagt. Suzanne Santo ging dann aber sogar noch einen Schritt weiter und ließ es nicht nehmen, nach der Show dann tatsächlich alle Anwesenden nicht nur zu begrüßen, sondern auch zu umarmen. Sowas gibt es ja nun wahrlich auch nicht alle Tage.

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Surfempfehlung:
www.suzannesanto.com
www.facebook.com/soozanto
www.facebook.com/marladavidcelia
www.youtube.com/watch?v=iNTC1zn-Q5g
www.youtube.com/watch?v=cYnLXBwgW7Y
www.youtube.com/watch?v=8rKAzaMM6BM
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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