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Apocalypse No

5K HD

Köln, Yuca Club
10.10.2019

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5K HD
Also die Sache ist die: Im Prinzip ist die österreichische Bilateral-Combo 5K HD ja schon seit dem Sommer live unterwegs. Zumindest auf den Festivals präsentierten sie sich dabei allerdings mit einer Show, die noch auf die Ästhetik des ersten Albums "And To In A" (mit rätselhaften Schein-Akronymen hatten es Mira Lu Kovacs und ihre Jungs immer schon) beruhte - gleichwohl es bereits Songs vom vor kurzem erschienenen Album "High Performer" zu hören gab. Allerdings bastelten 5K HD da noch an einer neuen Show, die dann auch die musikalische Weiterentwicklung deutlicher in den Vordergrund stellen sollte. Kurzum: Nun, auf der Clubtour zur neuen LP, erwartete die Zuschauer dann tatsächlich eine runderneuerte Präsentation - die wohl am deutlichsten durch die futuristische Beleuchtungsdramaturgie zum Ausdruck kam, mit der 5K HD ihr Material - sagen wir mal - illustrierten (denn mit dem Ausleuchten im klassischen Sinn hat es die Band schon alleine aus dramaturgischen Gründen nicht so). Eigentlich wäre ja zu befürchten gewesen, dass sich die im Kölner Yuca Club ansonsten gerne mal übliche Vernebelungstaktik angewandt worden wäre - dem war aber nicht so. Tatsächlich waren 5K HD somit präsenter (und sichtbarer) als so mancher im Halbdunkel der Bühnenschatten versinkende Act zuvor.
Kommen wir aber mal zum Musikalischen: Bei den o.a. Sommerkonzerten überraschten 5K HD zuweilen noch mit einer barbarischen Lautstärke und Dynamik, mittels derer sie die Extreme ihrer Kompositionen maximal ausreizten. Dazu gehörten auch geradezu apokalyptische, dystopische Akzente, die zwar durchaus beeindruckend, aber auch ein wenig erdrückend erschienen. Darauf hatte man im neuen Sounddesign nun verzichtet - wohl auch mit dem Hintergedanken, die poppigeren Elemente des neuen Materials stärker in den Vordergrund zu stellen. Nicht aber, dass die Band die Zuhörer nun in Ruhe gelassen hätte: Statt der brachialen Apokalypse gab es zum Beispiel sich symphonisch aufbauschende Klangwände zu bestaunen oder hypnotische Strudel, mittels derer die perfekt aufeinander eingespielte Combo die Zuschauer sozusagen mitrissen und tief in den musikalischen Matmos eintauchten, der im Kern den Reiz der 5K HD-Performance ausmacht. (Bestes Beispiel der ältere Track "Mute", der in dieser Form sicherlich ein perfekter Soundtrack zum Untergang wäre.) Interessant bei dieser Sache war dann noch der Umstand, wie viel Druck und Power die Band auf die Fahrbahn brachte - ganz ohne, dass z.B. eine konventioneller Rhythmusgruppenarbeit oder gar Gitarren zum Einsatz gekommen wären. Na ja - außer vielleicht, wenn sich Bassist Manu Mayr dazu auserkoren fühlte, auf seinem Bass Gitarre zu spielen, während Keyboarder Benny Omerzell auf dem Keyboard Bass spielte, Drummer Lukas König auf dem Drumpad Keyboards simulierte, Mira mit ihrer Stimme Trompete spielte und der eigentliche Trompeter Martin Eberle mit seiner Trompete (oder der Posaune) Atemgeräusche nachmachte. Das gehört aber zum 5K HD-Konzept: Nichts ist, wie es scheint und alles ist möglich. Auch, dass Mira z.B. mittels Effektgerät plötzlich wie ein Höhlentroll rumgrummelt oder Martin Eberle ganze Orchester aus seinen Blasinstrumenten hervorkitzelt (was ja auf dem Papier gar nicht möglich wäre).

Die Performance folgt dabei einer gewissen Dramaturgie - was daran liegt, dass sich die Band zunächst mal mit eher lautmalerischen Elementen warmspielen möchte - etwa mit "Kill Your Rituals", dem Titel, der auf dem neuen Album als Fußnote am Ende des Albums steht und so zum atmosphärischen Intro wird. Dem folgt dann auch die neue Beleuchtungsdramaturgie, die sich durch Ein- und Ausschalten der verschiedenfarbig leuchtenden Leuchtstoffröhren langsam aufbaut. Richtige Rampensäue sind 5K HD dabei nicht unbedingt - was aber auch nicht zwingend notwendig ist, da der Sog, der die Zuhörer in Beschlag nimmt, nicht durch wilde Animationen, sondern die Dynamik der Performance entsteht. Nett ist auch der Umstand, dass die Musiker ihre Jazz-Erfahrungen nicht dazu nutzen, die Zuhörer mit virtuosem Egoshooter-Gegniedel zu nerven, sondern sich immer im Rahmen eines bandorientierten Sounds bewegen. Ein 5K HD-Konzert ist deswegen auch sehr viel besser zum Zuhören als zum Abhotten geeignet. Die Situation vor Ort war dann auch ein wenig so wie bei einem Klassik-Konzert: Es herrscht gespannte (aber nicht angespannte) Aufmerksamkeit, die sich dann nach jedem Track in frenetischem Beifall auflöste. Dass die einzelnen Tracks live mit den Versionen auf der Konserve nur noch am Rande zu tun haben, ist dabei ja fast müßig zu erwähnen. Tatsächlich bieten die Wiener heutzutage ein einzigartiges Konzerterlebnis der etwas anderen Art.

5K HD
NACHGEHAKT BEI: 5K HD

GL.de: Euer Live-Sound unterscheidet sich ja doch sehr von dem der LP-Produktionen. Was ist euch denn dabei jeweils wichtig?

Manu Bayr: Unser erstes Album "And To In A" haben wir fast live im Studio eingespielt - und das zweite Album "High Performer" war dann eine lange Produktion mit viel ausprobieren, wegschmeißen, mischen, staffeln oder overdubbing. Wir haben also sozusagen umgekehrt gearbeitet: Zuerst alles fertig produziert, und dann die Live-Versionen für die Tour entwickelt. Und da haben wir natürlich nicht den Anspruch, dass das dann genauso klingen soll wie die CD. Es wird so ja auch viel möglich, weil alle verschiedene Rollen übernehmen können und wir diese auch oft wechseln. Der Bass spielt nicht immer Bass, die Trompete klingt nicht immer wie eine Trompete usw.

GL.de: Das scheint euch ja besonders wichtig zu sein, dass nichts so klingt, wie es klingen müsste.

Martin Eberle: Gerade im Fall von der Trompete wäre ich ja doch zu sehr eingeschränkt, wenn ich die nur als Melodie oder Solo-Instrument verwenden würde, wie es oft passiert. Weil wir ja auch keine Bläser-Sektion haben, haben wir dann mal geschaut, was noch alles möglich wäre.

Mira Lu Kovacs: Wir begreifen unsere Instrumente auch nicht als das, was sie sind, sondern bemühen uns zweckdienlich, songdienlich und banddienlich zu spielen - und dann kommen solche Sachen heraus, dass die Trompete zu einer Art perkussiven Instrument wird. Die Stimme ist da vielleicht noch am klassischsten, aber ich arbeite auch gerne mit Effekten und versuche mich in bestimmte Klangflächen einzuweben und nicht immer nur vorne zu sein.

GL.de: Und wie würdet ihr die Handhabung der Keyboards beschreiben? Die ist ja auch zuweilen atypisch perkussiv.

Benny Omerzell: Na ja - die Musik erfordert das ja auch und ich spiele schon recht gerne unkonventionell. Ich nutze da nicht nur die Tasten, sondern mache auch im Moment viel mit dem Sound. Ich spiele da mehr so DJ-artig. Es wird aber alles live gespielt und nichts vorher programmiert.

GL.de: Was ist denn mit der Apokalypse passiert?

Mira: Mit dieser Band kann es nicht passieren, dass ein Song nicht aufgeht. Das heißt nicht, dass ein Song unbedingt in einer Apokalypse enden muss, dass etwas explodiert, schnell oder laut oder virtuos sein muss, sondern es muss etwas sein, was uns ergreift. Es kann also nicht passieren, dass ein Song einfach an dir oder uns vorbeigeht, ohne dass etwas passiert. Das kann wie in einer Welle sein, die dich mitreißt - und das kann dynamisch auch ganz wenig sein. Dann - glaube ich - sind wir zu Hause.

Martin Eberle: Das mit der Apokalypse war auch eher noch ein bisschen das Ding vom ersten Album. Beim zweiten wollten wir eigentlich ein bisschen poppiger sein.

Mira: Poppiger auch deswegen, weil wir konkretere Songkonzepte haben. Was auch immer das heißen mag.

GL.de: Gilt das für die Texte? Welche Funktion habe die denn eigentlich?

Mira: Texte machen eine weitere Ebene auf. Sie sind schon irgendwie wichtig - aber Texte schwingen immer unterschwellig mit und manchmal versteht man Texte auch, wenn man nicht drauf hört. Das ist zumindest meine Erfahrung. Ich habe ganz lange englische Songwriterinnen gehört, als ich noch gar kein Englisch konnte - und war erst im Nachhinein fasziniert von deren Texten. Ein bisschen ist das mit uns auch so, glaube ich. Aber das ist nicht die Essenz dieser Band. Bei uns geht es darum, Sprache und Melodie in das Musikkonstrukt einzuflechten.

GL.de: Storytelling ist das aber nicht, oder?

Mira: Nein - das ist nicht so mein Stil. Auch bei meinen anderen Projekten mache ich kein klassisches Storytelling. Das sind mehr so stream-of-consciousmäßige Assoziationen, Gefühlswelten und Konstrukte - die aber nicht unpolitisch sind.

GL.de: Was will uns eigentlich der Titel des neuen Albums "High Performer" sagen und was hat der Hund auf dem Cover zu suchen?

Manu Mayr: Den Song habe ich geschrieben. "High Performer" war zunächst ein zufällig gewählter Arbeitstitel, den Mira aufgegriffen hat. Und dann haben wir uns gedacht, dass das ganz cool klänge und geschaut, was das heißt. In der Arbeitswelt ist ein High Performer einer, der im Unternehmen ständig hohe Leistungen bringt, ohne ein Burn Out zu haben. Jede Firma ist eigentlich bemüht, solche Leute zu halten und zu versuchen, diese hohen Leistungen konstant abzurufen. Und der Hund auf dem Cover - ein afghanischer Greyhound - ist für uns so ein Symbol für diese Leistungsgesellschaft, denn der wird auch oft bei Hunde-Shows und Schönheitswettbewerben in der Hundewelt eingesetzt. Beides symbolisiert unsere Kritik an dieser Leistungsgesellschaft - von der wir ja auch ein Teil sind. Damit wollen wir uns auseinandersetzen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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