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The Way in to the Medicine Show

The Dream Syndicate

Hamburg, Nochtspeicher
15.10.2019

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The Dream Syndicate
Eine schöne Aussöhnung mit der Vergangenheit und einen Blick in die Zukunft boten Steve Wynn und The Dream Syndicate bei ihrem Konzert im Hamburger Nochtspeicher im Rahmen ihres viel zu kurzen Deutschland-Abschnittes der Tour zum neuen Album "These Times". Denn Steve hatte wieder mal eine formidable Setlist zusammengestellt, die zwar der kompletten Laufbahn der legendären Paisley Underground Band Tribut zollte, aber vor allen Dingen die aktuellen Errungenschaften ins Zentrum der Betrachtungen stellte.
So wurden die Klassiker des heutzutage um Kumpel Chris Cacavas an den Keyboards ergänzten Quartetts - und auch einige pointierte Obskuritäten - eingerahmt von den wesentlichen Tracks der letzten beiden, neuen Scheiben "How Did I Find Myself Here" und eben "These Times" (Steves Kommentar zur aktuellen Situation). Die Band begann - dankenswerterweise ohne Support-Act - gleich mit jener Art von psychedelischer Elephantiasis, die sich Steve & Co. heutzutage zunehmend gerne auf die Fahnen geschrieben haben. "How Did I Find Myself Here" als entspannte Jam-Session und das als klassischer Rock-Song konzipierte "The Way In" standen am Anfang der Show und das episch aufgebohrte, eher poppig angelegte "Glide" vom letzten Album und der inspirierte Mid-Tempo-Groove von "Still Here Now" standen am Ende. Und im Mittelteil fanden sich dann die erstaunlich griffigen Rocksongs "Bullet Holes" oder "Put Some Miles On" vom neuen Album - gerne aufgebohrt mit spontanen Solo-Einlagen. "Ich wollte deutlich machen, dass wir ein neues Album am Start haben und nicht einfach nur unsere Oldies spielen", erklärte Steve das nach der Show. Oldies gab es zwar auch an diesem Abend - das waren aber weniger die mit erstaunlichem Aplomb gespielten, alten Hits von The Dream Syndicate, sondern die ergrauenden Fans der ersten Stunde, die hierzulande (anders als in den USA, wo wohl auch jüngere Leute den Weg zu den DS-Shows finden) den Großteil des Publikums ausmachen.

Auch ansonsten gab es einige Überraschungen. So bildete etwa eine ausufernde Version von "The Medicine Show", bei der sich Steve und Gitarrero Jason Victor in so manchem schönen Endlos-Solo verstrickten, den Anker der Show - mitten im Set, während auf früher übliche Stalwarts wie "The Days Of Wine & Roses" oder "Boston" verzichtet wurde. Natürlich gab es auch wieder eine runderneuerte Version von "That's What You Always Say" (dem Stück, das Steve bei nahezu jeder Show auf der Setlist hat) und auch ein mächtig rockendes "Halloween" gab es zu bestaunen - aber interessanter waren Tracks, die nicht so oft den Weg auf die Bühne finden; wie beispielsweise "Now I Ride Alone" von "Out Of The Grey" oder "Tell Me When It's Over" vom Debüt, das Chris Cacavas - wie auch so manchen neuen Track wie "Black Light" - mit einer markanten Keyboard-Note einleitete. Die absoluten Highlights in dieser Richtung waren dann aber "You'll See That My Grave is Kept Clean" - ein auf dem von Blind Lemon Jefferson bekannt gemachten Traditional "Two White Horses" beruhender Track vom Album "Ghost Stories" und dann "Definitely Clean" vom Debüt, das Steve mit den Worten einleitete "Wir machen Psychedelia, Rockmusik und all solche Sachen - aber im Grunde sind wir nur eine L.A. Punk-Band." Als Gegenbeispiel für diese Theorie gab es dann als letzte Zugabe eine spontane, akustische Version von "When You Smile" (weil Bassist Mark Walton zu spät aus dem Backstage-Raum zurückkam, um das Finale mitspielen zu können).

Mit dieser Show zeigten The Dream Syndicate wieder ein Mal, dass es hier nicht um Verlässlichkeit oder das Erfüllen von Erwartungshaltungen geht, sondern um lebendige Interpretationen alter und neuer Stücke auf immer wieder neue Art und Weise und einer gesunden Portion Wagnis. Bei der Show im Nochtspeicher erschienen die Protagonisten dabei noch nicht ein Mal auf der Höhe ihrer Inspirationskraft - und lieferten dennoch eine spannende und in vieler Hinsicht lohnende Rock-Show ab. Nicht schlecht für eine Band, von der Steve Wynn noch vor wenigen Jahren vermutete, dass sie sich wohl nie wieder reformieren würde. Und The Dream Syndicate sind mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende. Jedenfalls gibt es schon ambitionierte Pläne für das kommende Jahr. Davon dann zu gegebener Zeit mehr.

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Surfempfehlung:
www.thedreamsyndicate.com
www.facebook.com/thedreamsyndicate
www.youtube.com/watch?v=U-Ao1pZqnNI
www.youtube.com/watch?v=wGaXfuTWx4k
www.youtube.com/watch?v=hQuBBJpXaiM
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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