Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook RSS-Feeds
 
Konzert-Archiv

Stichwort:





 
Konzert-Bericht
 
Köln-Blues

The Slow Show
Honig

Köln, Gloria
17.10.2019

zur Foto-Galerie
The Slow Show
"Jedes Mal, wenn wir in Köln spielen, ist das, als spielen wir vor Freunden - weil man so viele bekannte Gesichter sieht", erklärte Rob Goodwin schmunzelnd bei seiner ersten Ansage der Show im Gloria. Das mag wohl daran liegen, dass die Band aus Manchester von Anfang an in Köln ein gutes Standing hatte. Noch bevor 2015 ihre Debüt-LP "White Water" erschien, spielten die Jungs bereits in der Domstadt - unter anderem auf Initiative ihres damaligen Labelkollegen Stefan Honig, der nun auch den Support auf der Tour zum aktuellen Slow Show-Album "Lust & Learn" machte. Inzwischen hat die Sache auch internationale Ausmaße angenommen. Denn noch bevor der Einlass so richtig in Schwung kommen konnte, hatte eine Gruppe von Hardcore-Fans aus England, Schottland, Irland und Belgien, die sich bei Slow Show-Konzerten kennengelernt hatten und nun der Band nachreisen, die ganze Bühnenbreite des Gloria in Beschlag genommen. Wie üblich versammelte sich das Kölner Stammpublikum dann erst allmählich, aber stetig im Auditorium, so dass der Schuppem am Ende gut gefüllt war.
"Ich sollte öfter als Support-Act auftreten", witzelte Stefan Honig dann eingangs seiner Solo-Show, die er alleine mit seinem Keyboarder absolvierte, "dann kommen nämlich mehr Leute - was sehr nett ist." Im Folgenden spielte der Düsseldorfer Jung dann - mit Ukulele und Gitarre - ein buntes Potpourri seiner größten Hits; darunter natürlich "It's Never The Wrong Time To Sleep", das Wiegenlied, das er für seine erste Tochter geschrieben hatte und seinen Gassenhauer "The Golden Circle", bei dem das Publikum sogar unaufgefordert einen Klatsch-Rhythmus beisteuerte. Obwohl sich Stefan dabei mit seinem typisch trockenen Humor durch sein Programm hangelte, schwang unterschwellig auch ein bisschen Wehmut mit, denn schließlich gab es hier das Ende einer Ära zu beweinen: Stefan Honig verabschiedet sich nämlich gerade scheibchenweise vom Musikbusiness und löst seine Band Honig nach der gerade laufenden Abschiedstour zunächst mal auf.
Ganze drei Jahre Zeit hatten sich The Slow Show Zeit für das neue Album genommen - was für die Band aber gar nicht ungewöhnlich ist, denn (wie der Name schon vermuten lässt) arbeiten die Jungs nicht gerade nach Akkord, sondern vielmehr besonders gründlich und wohlüberlegt. Dazu gehört dann auch die Aufgabe, die meist orchestralen, majestätischen Studio-Arrangements für den Live-Vortrag umzuarbeiten - denn es steht selbst für erfolgreiche Vertreter ihrer Zunft außer Frage, ganze Touren mit Streicherensemble und Chören zu gestalten. Im Allgemeinen ließe sich sagen, dass The Slow Show für diese Tour über ihren eigenen Schatten gesprungen waren, und tatsächlich die auf der LP eher unterschwelligen rhythmischen Akzente mit viel Dynamik und Nachdruck ins Zentrum gestellt wurden. Nicht, dass die Jungs jetzt gleich zur Rockband verkamen - aber im Gegensatz zu früher wurde weit weniger geschwelgt und stattdessen mehr gegroovt. Nachdem die Show mit "Amend" und "Eye To Eye" noch relativ verhalten begonnen hatte, kam mit dem Walzer "Strangers Now" erstmals Bewegung ins Geschehen. Dazu gehörte dann auch, dass Joel Byrne-MgCullough heutzutage sehr viel öfter und beherzter zur Gitarre greift - und zwar recht variantenreich. Woher die Bass-Sounds kommen, war nicht klar zu erkennen (denn die Band spielt heutzutage ohne Bassisten) - aber vermutlich hatte Keyboarder Fred t'Kindt hinter seinem Klavier auch noch einen Synthesizer versteckt. Gewisse Streicher- und Chor-Parts wurden gesampelt eingespielt - aber hauptsächlich kamen die dynamischen Akzente dann aus einer ganz anderen Richtung, denn The Slow Show hatten sich einen Klarinettisten und vor allen Dingen die Flügelhorn und Trompete spielende Lily mitgebracht, die dann auch noch die Gesangsparts übernahm, die auf den LPs jeweils Keisha Ellis übernimmt (die selbst so schüchtern ist, dass sie wohl niemals mit The Slow Show auftreten wird).

Einige der neuen Songs, wie das vorab als Single ausgekoppelte "Sharp Scratch" hatten The Slow Show bereits im Frühjahr und Sommer auf einzelnen Shows präsentiert. So richtig eingeschossen auf das neue Material hatte man sich aber erst in einer Phase kurz vor Beginn der aktuellen Tour. Dabei zeigte sich dann, dass die Evolution der Stücke noch keineswegs abgeschlossen scheint, denn einige der neuen Tracks bekamen hier noch ein deutlich prägnanteres Gesicht. Case in Point war etwa der Song "Loser's Game", der durch die Akzente der Bläser-Sektion eine geradezu hymnische Note bekam und sich zu einem regelrechten Orkan steigerte und den Rob Goodwin - wie des Öfteren am Bühnenrand kniend - dergestalt intensiv und inbrünstig intonierte, dass einer der oben erwähnten Hardcore-Fans sich einen tränenüberströmten Glückseligkeits-Zusammenbruch leistete. Ein besonderes Bonbon bei solchen Treatments waren dann die jazzigen Trompetensoli Lilys, für den diese dann regelmäßig Szenenapplaus einheimste. Nachdem die Fans dann zuweilen auch dann nach Lily skandierten, wenn diese gar nicht tätig wurde, schmunzelte Rob Goodwin verlegen - so als sei es vielleicht doch keine gute Idee gewesen, Lily gleich bei ihrem ersten Einsatz vorzustellen. Selbstredend profitierten nicht nur die neuen Tracks wie "Low" (das laut Rob die Essenz der Scheibe "Lust & Learn" verkörpere) oder das - ebenfalls ganz gut swingende und mit Lily im Duett präsentierte - "St. Louis" von dem neuen Treatment, sondern auch die alten Hits, wie "Flowers To Burn" - dem Song, mit dem auf dem Haldern Pop Festival im Spiegelzelt weiland alles so richtig angefangen hatte, "Dry My Bones", und natürlich auch "Dresden" oder "Bloodline".

Als die Show vor dem Zugabenblock mit dem eher besinnlichen neuen Track "Places You Go" auf einer nachdenklich/versöhnlichen Note zu Ende ging, leistete sich (der seit einiger Zeit der Liebe wegen in Düsseldorf residierende) Rob dann auch noch eine Ansprache in passablem Deutsch, in der er sich für so ziemlich alles bedankte, was ihm gerade einfiel. Mit der Zugabe "Ordinary Lives" gab es dann noch ein Mal alles zusammengefasst, was The Slow Show auszeichnet. Angesichts dessen, dass sich The Slow Show eigentlich ein relativ abgestecktes musikalisches Genre ausgesucht haben, geriet die Show im Kölner Gloria unter dem Strich ebenso abwechslungsreich und spielfreudig wie hypnotisch und relaxed. Sowas muss man auch erst mal hinbekommen.

zur Foto-Galerie

Surfempfehlung:
www.theslowshow.co.uk
www.facebook.com/theslowshow
www.youtube.com/watch?v=aDFHkaumVE0
www.youtube.com/watch?v=_7j7ie_OQcI
www.facebook.com/honigsounds
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

Copyright © 1999 - 2019 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister