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Heiliger Stuhlgang!

Eut
Philip Brooks/ Reveries

Köln, Tsunami
28.10.2019

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Eut
Gleich mal vorab: Wenn es eine Band gibt, die über mehr potentielle, brillante Power-Pop-Hits mit coolen Nirvana-Riffs, Pixies-Hooklines, Allman Brothers-Gitarrenduellen und psychedelischen Allmachtsphantasien verfügt als das Quintett Eut aus Amsterdam, dann muss diese erst noch gefunden werden. Ein ganzes Jahr nach der Veröffentlichung des Debüt-Albums "Fool For Vibes" waren die quirlige Megan de Klerk und ihre Musikanten nun - offensichtlich voller Tatendrang und gut aufgelegt - endlich mit ihrer ersten Tour auch auf unseren Bühnen unterwegs; nachdem sie zuvor nur auf Festivals oder in den Niederlanden aufgetreten waren. Dafür hatten sie zumindest auch eine neue Single namens "It's Love (But It's Not Mine)" im Gepäck.
Ebenfalls im Gepäck hatten sie den vor kurzem nach London gezogenen, in Stuttgart geborenen Pop-Songwriter Philip Brooks, dem nun noch eine 21-stündige Busfahrt von ebendort in den Knochen steckte. Philip und Eut hatten sich vor einiger Zeit kennen und schätzen gelernt, so dass er auf Einladung der Band als Support-Act mit auf Tour war. So weit, so gut - darauf hatte man sich einstellen können. Dass aber dann unangekündigt vorher noch die Kölner Lokalmatadoren Reveries - quasi auf Pay To Play-Basis - die Veranstaltung mit ihrem Auftritt in die Länge zogen, war ein dann (zumindest wegen der problematischen verkehrstechnischen Anbindung des Tsunami-Clubs) ein eher unschöner Aspekt. Immerhin brachte die Band ein paar Fans mit.

Sei es drum: Während Philip Brooks hyperaktiv präsentierter New Wave Pop mit seinem auf sympathische Weise hemmungslos ausgelebtem 80s Retro-Touch noch halbwegs zumindest zu den Pop-Affinitäten von Eut passte und die Performance auch von der ganzen Eut-Truppe begeistert begleitet und dokumentiert wurde, war zuvor der ambitionierte, aber eher bemühte Art-Pop der Reveries dann eher eine musikalische Geduldsprobe. Zumal Brooks sich als Rampensau präsentierte (und sich sogar ein klassisches Schweinerock-Gitarrensolo leistete), während der Reveries-Mastermind Max Altenmayer sein - handwerklich durchaus solide präsentiertes - Programm mit klassischer Shoegazer-Attitüde aufführte. Das ist wörtlich zu nehmen, denn es schien, dass Altenmayer wenn er nicht sowieso die Augen geschlossen hatte, bestenfalls auf sein Schuhe zu schauen schien.

Dann ging es - eine gute Stunde später als erwartet - endlich mit der Show von Eut los. Sofort wurde deutlich, dass die Band an ihrer Bühnenpräsentation gearbeitet hatte. Denn standen Anfangs noch eher die Versuche im Zentrum, die abwechslungsreich gestalteten Arrangements des Debüt-Albums in geeigneter Manier auf die Bühnenbretter zu bekommen, so hatte man diesen Ansatz inzwischen zugunsten eines druckvollen Rock-Sounds weiterentwickelt. Agierten Eut zum Beispiel bei ihren Showcases auf dem Reeperbahn Festival im vergangenen Jahr noch eher bemüht und mit angezogener Handbremse, so gab es im Tsunami nun die volle Dröhnung. Dass der Club in der Kölner Südstadt dabei eine glanzvolle Vergangenheit als Punk-Schuppen hinter sich hat, kam dabei durchaus zu Pass, denn neben den o.a. bereits angesprochenen stilistischen Varianten wurden die Albumtracks wie "Supplies", "Crack The Code", "Sour Times" - aber auch Nicht-LP-Nummern wie "When I Dive" oder "Cocaine" oder die erste Single "Dusty Old Me" nun mit großer Begeisterung aller Beteiligten auch gerne Mal mit einer regelrechten Punk-Attitüde dargeboten. Da folgte im ersten Teil der Show ohne jegliche Verschnaufpause ein Hit auf den nächsten - wobei Tessa Raadman und Emiel De Nennie - die beiden Gitarrenverantwortlichen des Quintetts - sich die Powerchords und Hooklines nur so um die Ohren zu hauen schienen und sich gegenseitig anstachelten. Anzustacheln brauchte Megan de Klerk niemand. Die Frontfrau des Ensembles macht ihre überschaubare körperliche Größe durch eine riesengroße Attitüde und fast schon unheimliche performerische Energie mehr als wett und trieb ihrerseits die Band zu Höchstleistungen an. Fast schon seltsam, dass bei all dieser zur Schau gestellten Kraftanstrengungen die Struktur des Materials melodischen Aspekte der Songs keineswegs verloren gingen. "Holy Shit!" konnte man da nur sagen.

Spätestens mit der aktuellen Single "It's Love (But It's Not Me)" änderte sich dann die Zielrichtung. "It's Love" ist dabei - wie Megan meinte - zwar ein Liebeslied für alle, die verliebt sind - und wie sie - nicht wüssten, was sie da eigentlich täten - es ist aber vor allem musikalisch von einem anderen Kaliber, als die zuvor gespielten Power-Pop-Songs und überrascht mit einer interessanten Struktur, die sich am Ende Orkanartig aufbaut. In diesem Sinne entwickelten sich die folgenden Tracks dann überraschend in Richtung psychedelischer Jam-Sessions wobei die Stücke wie z.B. "Look" oder "Lie Detector" dann spielfreudig ineinander übergingen und regelrecht episch ausgewalzt wurden - mit Soundwänden, Feedback, Reverb und jeder Menge Power. Erst mit dem letzten Song, "Tygo Dex", der schon auf der LP eher als psychedelische Powerballade angelegt ist, kam die Band ein wenig runter und präsentierte einen - wie soll man sagen - eher schleppend/schmirgelnen Abschluss (denn auf eine echte Ballade wollten sich Eut dann doch nicht nicht einlassen). Letztlich gaben Eut bei dieser ersten Show ihrer ersten Deutschland-Tour somit erkennbar alles, was sie zu geben haben. Schade, dass das nicht mehr Zuschauer mitbekommen haben.

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Surfempfehlung:
www.thewordiseut.com
www.facebook.com/EUTBAND
philip-brooks.com
www.youtube.com/watch?v=M-lgAm4zvkE
www.youtube.com/watch?v=B-THvuCpbG0
www.youtube.com/watch?v=juHlYFl9-Hg
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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