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Pferde, Whisky & Rednecks

Lera Lynn

Hamburg, Nochtspeicher
04.11.2019

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Lera Lynn
Noch relativ entspannt betraten Lera Lynn und ihr Partner Todd Lombardo auf der vierten Station ihrer Europatournee um kurz nach 20 Uhr die Bühne des gut gefüllten Hamburger Nochtspeicher. "Schön, euch alle hier zu sehen", begrüßte die gebürtige Texanerin, die aber inzwischen in Nashville lebt, die anwesenden Fans, "ihr seid wahrscheinlich alle wegen des 'True Detective'-Soundtracks hier, oder?" Die Sache ist nämlich die, dass Lera in den USA durch einen Cameo-Auftritt in der ersten Staffel der populären US-Krimiserie - und nicht zuletzt auch über den von T-Bone Burnett kuratierten Soundtrack - bekannt geworden war. Die Reaktion des Publikums auf diese Frage fiel jedoch eher verhalten aus, so dass sich Lera genötigt sah, nachzufragen: "Warum seid ihr denn sonst hier?" In der Tat ist das eine gute Frage, denn weder hatte Lera eine neue Scheibe im Gepäck (diese ist zwar bereits fertig, aber noch weit von der Veröffentlichung entfernt), noch war die Tour im Vorfeld intensiv promotet worden. "Weil du eine Hexe bist?", mutmaßte eine junge Dame aus dem Publikum. Das war zwar neu aber kaum zielführend.
Nun: Lera sieht brillant aus, kann großartig singen, ist eine wandlungsfähige Performerin und hat mehrere Veröffentlichung und tolle Songs im Gepäck. Aber das haben andere Songwriterinnen, die längst nicht so viele Besucher bei ihrem ersten Besuch in der Hansestadt gezogen haben, ja auch zu bieten. "Aha, ihr wollt dann vermutlich alle 'Dark Horse' hören?", mutmaßte Lera weiter - denn das ist ihre aktuelle Single, von der sie auf der Tour eine 45er bei hatte, auf deren Rückseite eine jazzige Cover-Version von Tina Turners "What's Love Got To Do With It" zu hören ist (die sie an diesem Abends auch spielte). Ein Zuschauer versuchte einen neuen Ansatz und fragte unermüdlich nach Leras älterer Country-Ballade "Whisky" - denn die Lera-Fans rekrutieren sich offensichtlich teilweise aus der Americana-Fraktion, die sich an den klassischem US-amerikanischen Musiktraditionen ergötzt, die Lera (trotz aller Eigenarten) nonchalant in ihr eigenes Schaffen einwebt. "Ich komme ursprünglich aus Texas, habe lange Zeit in Shreveport gelebt und bin nun in Nashville zu Hause", erklärte sie das Ganze schließlich auch noch mal, "ich habe also die ganze Bandbreite des Südens abgedeckt und meine Eltern sind auch Rednecks." Es gehört nämlich zu den liebenswerten Eigenschaften der Live-Perfomerin Lera Lynn, dass sie in humorvoller, selbstironischer, schnippischer Art den Kontakt zum Publikum sucht (und findet) - ohne dabei auf einstudierte Routinen zurückzugreifen, sondern die Stimmung des Abends aufzufangen in der Lage ist und dementsprechend spontan darauf einzugehen weiß.
Das führt dann auch dazu, dass keine Show von Lera Lynn ist, wie die andere - selbst dann nicht, wenn die Setlist im Prinzip jeweils die gleiche ist. In Hamburg etwa kamen die Songs zwar genauso nuanciert rüber wie zwei Tage zuvor bei ihrem Auftritt im niederländischen Groningen - aber auch rockiger und psychedelischer. Das wurde zum einen betont durch eine permanent im Hintergrund laufende Bewegtbild-Collage in grobkörnigen S/W (Lera hatte für das S/W-Video von "Dark Horse" 200 $ in Super 8-Filmmaterial investiert) und nicht zuletzt durch die beseelten Beiträge von Todd Lombardo an Gitarre und Bass sowie als Backing-Sänger. "Todd ist nämlich ein guter Sänger - und er mag Duette", stellte Lera ihren Partner vor, der insbesondere bei den Duett-Songs von Leras letzter Scheibe "Plays Well With Others" aushelfen musste. Der Rest der Wirkung ergab sich dann im spontanen, lebhaften Miteinander von Todd und Lera, die gelegentlich sogar selbst zur elektrischen Gitarre griff. Die emotional stärksten Momente kamen indes dann zum Tragen, wenn Lera ihre Gitarre ganz zur Seite legte und das Publikum (und/oder Todd) in der Manier einer Jazz-Croonerin direkt einbezog - etwa bei ihrer eigenen Ballade "A Light Comes Through", dem neuen Track "Make You Ok", der sich mit dem Thema Drogenabhängigkeit beschäftigt oder auch der alten Country-Torch-Song-Ballade "Almost Persuaded", die Lera ebenso als Coverversion einfließen ließ wie "Black Hole Sun" von Soundgarden. Hier musste Todd bei einem Texthänger einspringen wie auch später, als er bei einer spontanen Zugabe die Akkordfolgen von "Whisky" mit Lera abstimmen musste. Im Vorfeld des Konzertes war da von "Post-Americana", "Indie-Alternative" oder "Noir-Country" die Rede gewesen. So einfach lässt sich Lera Lynn aber nicht in irgendwelchen Schubladen einsortieren, denn sie ist all das und noch viel mehr. Und so kam es dann, dass Lera und Todd - trotz eines relativ sparsamen Settings und nur einer kleinen "Band In A Box" wie Lera es nannte - ein relativ breit gefächertes musikalisches, stilistisches und stimmungsmäßig Spektrum präsentierten, das neugierig darauf macht, was in Zukunft noch alles aus dieser Richtung zu vernehmen sein wird. Kein Wunder also, dass die Gute dem Publikum versprach, gleich im nächsten Jahr - dann mit der neuen Scheibe - wiederzukommen.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/leralynn
www.leralynn.com
www.youtube.com/watch?v=u5HDK5aX5kU
www.youtube.com/watch?v=_Pk9cjuMuVM
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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