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Konzert-Bericht
 
Geister im Nebel

Anna Ternheim

Köln, Gloria
14.11.2019

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Anna Ternheim
"Wisst ihr was 'Ghosting' ist?", fragte Anna Ternheim bei ihrem Konzert im Kölner Gloria - der größten Halle, in der sie bei ihren regelmäßigen Köln-Besuchen bislang aufgespielt hatte, "das ist, wenn jemand eine Beziehung abbricht und plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist. Das ist mir passiert und davon von handelt der nächste Song." Die betreffende Nummer - "You Belong With Me" - stammt dabei von ihrer brandneuen LP "A Space For Lost Time" und dreht sich - wie auch die älteren Tracks aus Annas Repertoire (beispielsweise "Holding On" oder "Shoreline") - um ihr Lieblingsthema, die melancholischen Aspekte des Liebes- und Seelenlebens. Dass das auch zum Problem werden kann, erfuhr Anna - wie sie erzählte - auch auf der Tour mit dem schrulligen Nashviller Urgestein Dave Ferguson. "Anna, die Leute wollen unterhalten werden", hatte dieser gesagt, "warum also die Dunkelheit?" Gemeint war der Umstand, dass Annas Songs nun mal eine hoffnungslos melancholische Ader haben. Gerade aus diesem Grunde hatte Anna versucht, ihrer Musik mal eine etwas andere Richtung zu geben, als sie die neuen Songs in L.A. mit amerikanischen Musikern einspielte. Geklappt hat das nicht so richtig - aber zumindest einer der neuen Tracks ("Remember This") hatte eine Prise Westcoast-Feeling abbekommen und wurde dann von Anna als "einziger fröhlicher Song" des Sets propagiert und in einer flotten Up-Tempo-Version dargeboten.
Und da wären wir dann auch beim Setting der aktuellen Tour. Nachdem Anna zuletzt des öfteren solo oder im Duo-Format unterwegs gewesen war, hatte sie dieses Mal wieder Lust auf ein Band-Setting gehabt und demzufolge drei Musiker - Rasmus Berg Lindelöw, Ola Winkler und Deniz Eraslan (allesamt Multiinstrumentalisten) - mit auf Tour genommen. Wie üblich führte das dazu, dass auch wieder an den Arrangements herumgeschraubt worden war. Gerade eben erst hatte Anna - zusammen mit dem Kaiser-Qartett - auf dem Reeperbahn Festival ein Experiment in dieser Richtung eingestielt und ihr Oeuvre im Kammermusik-Setting präsentiert. Streicher gab es zwar in Köln keine - dafür aber ein reichhaltiges Instrumentarium, das Anna und ihre Musiker vor einer stilisierten Fensterfassade mit viel Kunstnebel präsentierten. Anna selbst z.B. spielte akustische und elektrische Gitarre - griff aber auch öfter nur zum Mikro und setze sich bei der Zugabe für "Shoreline" ans eigens mitgeführte Klavier. Bei balladesken Nummern wie z.B. "The Longer The Waiting The Sweeter The Kiss", "When You Were Mine" oder "4 In The Morning" setzten die Musiker Akzente mit E-Bow, Glockenspiel, Akkordeon oder Flügelhorn, während es bei neuen und bewährten Up-Tempo-Songs wie "Everytime We Fall", "What Have I Done" oder dem abschließenden "Let It Rain" zu regelrechten Jam Sessions kam. Anna selbst setzte auch Akzente durch Solo-Einlagen wie "Walk Your Own Way" und insbesondere bei einem besonderen Highlight - einer auf schwedisch gesungenen Version von "Auld Lang Syne", für die Anna zu einer einzelnen, großen Glühbirne als einziger Beleuchtungsquelle griff. Selbstredend wurden die neuen Arrangements auch für ältere Tracks wie "Girl Laying Down" implementiert (wobei hier besonders Keyboarder Rasmus Lindelöw brillierte) - womit Anna wieder mal ihrem Ruf als abenteuerlustige, neugierige Live-Musikerin gerecht wurde. Kaum zu glauben also, dass - wie sie sagte - das Lieder-Schreiben für sie wie "das Besteigen eines Berges" sei, den sie alle zwei Jahre für zehn neue Songs erklimmen müsse.
Wieder ein Mal zeigte sich Anna Ternheim - wie eigentlich auf jeder einzelnen Tour - als sichere Bank für ein abwechslungsreiches, unterhaltsames Konzerterlebnis. Interessant zu beobachten war bei all dem noch der Umstand, dass es Anna Ternheim dabei gelungen ist, mit ihrer Musik eine Publikumsschicht im mittleren Alter zu aktivieren, die gemeinhin dem Konzertwesen altersbedingt eigentlich eher fern bleibt.

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Surfempfehlung:
www.annaternheim.com
www.facebook.com/annaternheim
www.youtube.com/watch?v=8snSVGJChsE
www.youtube.com/watch?v=GuauI3pH9Yw
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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