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Don't Worry - Be Happy!

Hollow Coves
Alex The Astronaut

Köln, artheater
15.11.2019

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Hollow Coves
Als Ryan Henderson und Matt Carins im letzten Frühjahr erste Konzerte in unseren Breiten spielten, freute sich Kollege Carsten Wohlfeld darüber, dass das Duo von der australischen Goldcoast bereits auf dem aufsteigenden Ast befindlich war und kleinere Clubs mit interessierten Fans füllen konnten, obwohl die Jungs ihr Debütalbum "Moments" erst Monate später veröffentlichen sollten. Nun, da "Moments" erschienen ist, war es demzufolge fast schon kein Wunder mehr, dass tatsächlich alle Konzerte der ersten Headliner-Tour des Duos ausverkauft waren. Fast schien dieses den beiden Jungs ein wenig unangenehm zu sein, denn - wie Ryan Henderson an diesem Tag mehrfach betonte - eigentlich hätten die Australier gar nicht damit gerechnet, dass die Musik ein Mal mehr als ein Zeitvertreib oder ein Hobby sein könnte.
Einer der Gründe, warum das Songrwiter-Duo mit seinen angenehm temperierten Folkpop-Songs gerade für junge Zuschauer (aus denen sich das Publikum heutzutage großteils zusammensetzt) attraktiv ist, ist sicher auch der Umstand, dass Ryan und Matt die Tradition der klassischen Gesangs-Duos nach den Everly Brothers, Simon & Garfunkel, den Kings Of Convenience und zuletzt den Milk Carton Kids auch der jüngsten Generation von Musikfans nahebringen (für die diese Art handgemachten Musizierens ja neu ist). Vor allen Dingen - und das wurde an diesem Abend mehr als deutlich - ist es die positive Grundstimmung und der geballte, lebensfrohe Optimismus, den die Herren und ihre beiden Musikanten verströmen. Hier wird - anders als bei vielen gleichaltrigen Kollegen - nicht gelitten, gejammert, gezetert, gezweifelt oder gar gezürnt. Obwohl es den Jungs dabei gelingt, ihre Songs musikalisch in einer ausgewogenen Balance zwischen Dur und Moll in einem erstaunlich nachvollziehbaren emotionalen Gleichgewicht zu halten, ist es am Ende stets der Silberstreif am Horizont, der in den Songs des Duos durchschimmert - und nicht etwa die Resignation oder die Frustration. "Wir wollen mit unserer Musik erreichen, dass ihr euch hoffentlich besser fühlt", buchstabierte das Matt bei der Ansage zum letzten Song des Abends - dem LP-Opener "Anew" - noch ein Mal aus, "also Kopf hoch! Jeder kann es schaffen."

Mit einer ähnlich positiven Attitüde geht auch Alex "The Astronaut" Lynn, an die Sache heran. Alex stammt - wie die Hollow Coves - aus Australien und war schon einige Male auf Festivals auf unseren Bühnen zu Gast. Sie hat es aber immer noch nicht geschafft, einen Longplayer fertig zu stellen (im nächsten Jahr soll es dann so weit sein, wie sie nach der Show versprach). Dennoch verfügt Alex über einen ordentlichen Fundus sympathischer kleiner Indie-Pop-Hits, die sich bisher auf ihren beiden EPs und diversen Singles finden. Es sind aber nicht alleine die Songs, mit denen sie das Publikum in ihren Bann zieht, sondern vor allen Dingen ihre sympathisch unzuckrige, leicht verpeilte aber hinreißend komische Art, ihre Tracks mit kleinen Anekdoten und vor allen Dingen Gags einzurahmen. "Der nächste Track heißt 'Rock Star City' und ist allen Rock Stars in diesem Raum gewidmet - also vermutlich euch allen", kündigte sie etwa den besagten Song an, "jetzt trinke ich aber erst mal einen Schluck Wodka." Darauf nahm sie dann einen laaaangen Schluck aus einer offensichtlichen Wasserflasche. "Wie nennt man einen schlecht gelaunten Deutschen?", fragte sie dann etwa ins Rund, "Sauerkraut!" In dieser Manier ging es dann weiter. Da ging dann fast schon ein wenig unter, dass einige ihrer prinzipiell gut gelaunten, mit einem winzigen Verstärker vorgetragenen Antifolk-Songs auch mal einen ernsten Hintergrund haben können. "Im nächsten Song geht es um häusliche Gewalt", kündigte Alex beispielsweise "I Like To Dance" an, "wenn das zu viel für euch ist, empfehle ich euch, kurz rauszugehen. Das ist vollkommen okay für mich." Natürlich ging niemand raus. Stattdessen fanden sich etliche Alex Fans im Publikum, die nicht nur die angesagten "Dododoos", sondern ganze Textzeilen mitsingen konnten. In Australien hat Alex soeben eine Headliner-Tour mit Stella Donnelly absolviert und damit deutlich gemacht, dass sie in der Riege der australischen Indie-Sterne ganz vorne steht. Zweifelsohne bestätigte sie diesen Ruf mit dieser kurzweiligen Show auch in Köln. Ach so - noch etwas: Die Einnahmen vom Verkauf von Alex' Merch gingen an die Firefighter im heimatlichen New South Wales.

Mit Witzen haben es die Hollow Coves nicht so sehr. Dafür zeigten sich die Jungs bei ihrem anschließenden Set dann aber sympathisch begeistert von dem Zuspruch des Publikums - was sich nahtlos auf die eigene Spielfreude übertrug; denn das eigentlich überraschende an dieser Tour war die Tatsache, dass die Hollow Coves als Band auftraten. Die LP-Tracks wurden von Produzent Chris Bond ja relativ opulent und orchestral in Szene gesetzt wurden. Obwohl Ryan einige Stücke am Keyboard stehend absolvierte, versuchten die Hollow Coves aber erst gar nicht, auf der Bühne diese Opulenz zu emulieren. Stattdessen konzentrierten sie sich darauf, die Songs im umtriebigen Miteinander mit ihren Musikern in ordentlich groovenden, echten Live-Versionen zu präsentieren. Tatsächlich gab es mit "Home" nur einen einzigen Folk-Moment (zu dem die Musiker die Bühne verließen). Dafür gab es dann noch ein Experiment: Auf der LP hatte Produzent Chris Bondy den Track "Beauty In The Light" zu einer schwelgerischen Ballade mit reichhaltiger Streicher-Glasur transformiert. In Köln spielten die Hollow Coves den Song in jenem Stil, in dem sie ihn ursprünglich geplant hatten (als quasi Up-Tempo-Rocknummer). Das diente dann als "offene Probe" für eine Video-Session am Folgetag in Paris, die dann für das nächste Video vorgesehen ist.

Natürlich durfte mit "The Woods" auch jener Track, mit dem damals über das Web alles angefangen hatte, nicht fehlen, denn schließlich war es der Erfolg gerade dieser Nummer, die Ryan und Matt ermutigt hatte, es mit der Musik ernsthaft zu versuchen und ihre Dayjobs links liegen zu lassen. Als die Show dann mit "Anew" endgültig zu Ende ging (das Auditorium musste für die nachfolgende Disco geräumt werden), ließen es sich die Jungs nicht nehmen, sich vor dem begeisterten Publikum von der Bühne aus fotografieren zu lassen. Ganz so, als könnten sie das alles immer noch nicht so richtig glauben.

Hollow Coves
NACHGEHAKT BEI: HOLLOW COVES

GL.de: Anders als bei vielen eurer Kollegen, wird bei euch ja weder gejammert noch geheult oder geklagt, ihr scheint stattdessen immer das Licht am Ende des Tunnels zu suchen. Ist das euer Geheimrezept?

Matt: Das könnte man so sagen. Ich wollte immer mit meiner Musik eine gewisse Wirkung erzielen, mit Menschen kommunizieren und meine Sicht der Welt darstellen. Es kam für uns ganz natürlich, dass wir etwas auf der positiven Seite machen wollten, anstatt uns mit negativen Dingen zu beschäftigen.

Ryan: Wie du haben auch wir bemerkt, dass viele Musik heutzutage eher negativ und fast schon depressiv ist. Wenn man sich Interviews mit Leuten anhört, die erklären, warum sie Musik machen, dann stellt man fest, dass es da oft darum geht, dass diese Leute Musik als Therapie begreifen, mit der sie Dinge verarbeiten, die sie durchlebt haben. Dabei wird die Musik dann oft schnell sehr traurig. Da haben wir uns gedacht, dass unsere Musik lieber eine Therapie für andere Menschen sein sollte - und nicht für uns selbst; wenn das Sinn macht.

GL.de: Dabei betrachtet ihr die Welt ja oft aus der Vogelperspektive. Macht ihr das, um einen besseren Überblick zu bekommen?

Matt: Definitiv. Etwas, was mir aufgefallen ist, ist nämlich, dass die Perspektive sehr wichtig ist, wenn man Songs schreibt. Was wir aus der Beobachtung unseres eigenen Lebens - und dem anderer - mitgenommen haben, ist die Erkenntnis, wie eine gesunde Lebenseinstellung - oder Perspektive - den Unterschied zwischen "traurig" und "glücklich" ausmachen kann. Du hast die Wahl zu realisieren, dass die Dinge im Leben, die du hast, tatsächlich schon sehr gut sind, anstatt dich auf die negativen Dinge zu fokussieren - wenn eben deine Perspektive stimmt. Das wollten wir in unserer Musik festschreiben. Wenn du dankbar bist, für das, was du hast, dann wirst du selbst auch glücklich sein.

GL.de: Wie schafft ihr es dann, das musikalisch so auszuformulieren, dass am Ende nicht einfach nur fröhliche Schlagermusik dabei herauskommt?

Ryan: Das ist die größte Herausforderung. Es ist nämlich so, dass positive Musik sehr schnell schmalzig werden kann - zu positiv, zu glücklich - und das ist dann kitschig. Deswegen nehmen wir uns viel Zeit, auszubalancieren, dass die Songs zwar eine gute Stimmung haben aber nicht schmalzig und kitschig sind. Denn es ist ja nicht so, dass alles immer nur Friede, Freude und Eierkuchen ist.

Matt: Das ist aber ein ganz schöner Kampf. Wir brauchen sehr lange, um Songs zu schreiben.

GL.de: In eurem Song "Moments" singt ihr davon, die Welt durch die Augen eines Kindes zu betrachten. Ist das eine gute Art, die Welt zu betrachten?

Ryan: Auf jeden Fall. Es hilft dir, die Dinge von einer unschuldigeren Warte aus wahrzunehmen und die Dinge so zu sehen, wie sie sind - ganz ohne Agenda.

Matt: Ich habe einen jungen Neffen - und das ist die pure Freude ihn zu beobachten, weil für ihn immer alles ganz frisch ist.

GL.de: Warum habt ihr die Songs der LP denn in England aufgenommen?

Matt: Das hängt damit zusammen, dass unser Produzent, Chris Bond, dort in Devonshire lebt. Er hat mit Künstlern zusammengearbeitet, die wir sehr mögen - das war der Grund, warum wir mit ihm arbeiten wollten. Wir spielen zum Beispiel keinen Bass und keine Drums - er tut das aber.

Ryan: Unser Manager fragte uns, welche Alben wir besonders mochten. Das haben wir dann gemacht und da kam er zurück und meinte: Wir haben all diese Produzenten kontaktiert und ihnen die Liste gegeben und Chris Bondi ist interessiert.

GL.de: Wer ist denn auf die Idee gekommen, die neuen Songs - anders als auf der EP "Wanderlust" - mit den orchestralen Arrangements zu versehen?

Ryan: Ich denke, dass die Songs, die wir für die LP geschrieben hatten, einfach nach ein wenig mehr Produktion verlangten. Unsere Vision für einige Songs war einfach größer. Dabei weiß ich gar nicht, warum das so ist. Chris hat uns geholfen diese Vision zu verwirklichen.

GL.de: Arbeitet ihr eigentlich als Songwriter zusammen und wie entstand euer Sound?

Matt: Das fängt immer erst individuell an. Wir haben dann einen Dropbox-Ordner, in den wir alle Ideen hineinpacken. Da suchen wir uns dann die besten Sachen raus und arbeiten damit.

Ryan: Die Texte entstehen dabei aber in Zusammenarbeit durch uns beide.

Matt: Musikalisch haben wir recht unterschiedliche Musik-Geschmäcker - können uns aber auf gewisse Acts wie Angus & Julia Stone, Sufjan Stevens oder Vetiver als gemeinsame Basis einigen. Ich weiß aber gar nicht, wie unser Sound entstand.

Ryan: Ich denke einfach, wir hatten Glück, dass wir unseren Sound relativ früh gefunden hatten, weil alles darauf aufbaute. Es ist eine trickreiche Angelegenheit - aber wir haben jedenfalls nie versucht, jemanden zu kopieren.

Matt: Ich denke einfach, dass ein guter Song eine Emotion einfangen muss und eine gute Melodie haben sollte. Und das Gefühl muss mit dem Text zusammenpassen. Wenn das alles zusammen passt, dann ist der Song gut.

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Surfempfehlung:
hollowcoves.com
www.facebook.com/HollowCoves
www.alextheastronaut.com
www.facebook.com/alextheastronaut
www.youtube.com/watch?v=Zh-FfnaTmh0
www.youtube.com/watch?v=eryuVtPGWFE
www.youtube.com/watch?v=2Q466ZPyNAo
www.youtube.com/watch?v=Qxqi12Nj1ig
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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