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Konzert-Bericht
 
Raritätenkabinett

Simon Joyner

Schorndorf, Manufaktur
14.11.2019

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Simon Joyner
Die Geografie ist schuld, dass das Gastspiel von Amerikas bestem unbekannten Singer/Songwriter in Schorndorf ein ganz besonderes ist. Tags zuvor hatte Simon Joyner keine 50 Kilometer entfernt ein Privatkonzert in Schwäbisch Hall gegeben, und weil eine Reihe Gäste des Vorabends auch den Weg in die Manufaktur gefunden hatte, musste, nein wollte sich der 48-jährige Kult-Troubadour aus Omaha, Nebraska, etwas einfallen lassen. 40 Songs hatte er für seine aktuelle Solo-Europatournee vorab einstudiert, um sich letztlich doch auf eine deutlich kleinere Auswahl zu fokussieren. In Schorndorf allerdings werden die Karten vollkommen neu gemischt. Es wird, soviel sei vorweggenommen, ein denkwürdiger Abend.
Schon der Beginn des Abends ist verheißungsvoll. "Ich muss noch Lieder proben", sagt Simon Joyner, als er sich vorzeitig vom Abendessen mit Freunden in der Manufaktur-Kneipe verabschiedet, und gut eine Stunde später zeigt sich auf der Bühne der Manufaktur, wie das gemeint war. Vom ersten Song an greift der sympathische Ausnahmekünstler ganz, ganz tief in die Raritätenkiste und hat am Ende selbst so viel Spaß daran, gleich ein Dutzend (!) Deep Cuts seiner mehr als 25-jährigen Laufbahn neu zu entdecken, dass aus den geplanten 60 Minuten Bühnenzeit am Ende mehr als 100 werden - drei Zugaben inklusive. Selbst auf seiner just veröffentlichten neuen LP "Pocket Moon" findet er einige Stücke, die sonst nicht allabendlich im Programm sind, "You Never Know" zum Beispiel, der fabelhafte Opener des Albums, der - an diesem Abend eingerahmt von den selten gespielten Frühwerken "The Cowardly Traveller Pays His Toll" und "The Rain Asked For A Holiday" - unterstreicht, dass Joyner sich und seinem detailverliebt persönlichen Songwriting-Stil über all die Jahre treu geblieben ist, als Songpoet aber auch heute noch mit jeder neuen Platte neue Höhen erklimmt.
Selbst Uneingeweihten wird an diesem Abend schnell klar: Joyners Auftritt im Remstal ist eine Lehrstunde in reduzierter Songwriterkunst. Eine Akustikgitarre mit Nylonsaiten, eine Mundharmonika, seine herrlich brüchige Stimme und ein wenig trockenen Humor bei seinen schüchternen Ansagen - mehr benötigt er nicht, um auf den Spuren von Townes Van Zandt und Leonard Cohen die Poesie seiner mit Assoziationen, Andeutungen, Wortspielen und Zitaten gespickten Texte über geplatzte Träume und die weniger schönen Momente des Lebens auch live lebendig werden zu lassen und das gebannt lauschende Publikum vom ersten bis zum letzten Ton zu fesseln. Bei der Zugabe geht es dann ein letztes Mal ganz weit zurück. "Joy Division" stammt aus Joyners Debütalbum und erstrahlt ohne den scheppernden Backdrop der LP-Version in ganz neuem Glanz, bevor sehr zur Freude der mitreisenden Joyner-Aficionados "One For The Catholic Girls" ganz am Ende steht, eine vor weit mehr als 20 Jahren auf einer EP für das britische Connaisseur-Label Wurlitzer-Jukebox veröffentlichte Nummer, die an diesem Abend für einen ungewöhnlich rasanten Schlusspunkt sorgt.

Gillian Welch, Kevin Morby und Conor Oberst sind seit vielen Jahren glühende Joyner-Fans - und jetzt auch garantiert ausnahmslos alle, die dieses fabelhafte Gastspiel in der Manufaktur miterleben durften.

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Surfempfehlung:
simonjoyner.net
facebook.com/simonjoynermusic
simonjoyner.bandcamp.com
bbislandmusic.com/simon-joyner
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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