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A Girl Like Her

Lilly Among Clouds
Mark Lang

Köln, artheater
22.11.2019

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Lilly Among Clouds
Auf gewisse Weise runderneuert präsentierte sich Lilly bei ihrem Konzert im Kölner artheater auf der Tour zu ihrer aktuellen Scheibe "Green Flash". Denn während die Würzburgerin bei ihren bisherigen Besuchen in der Domstadt - unter anderem auch an gleicher Stelle - zwar immer schon mit den Präsentationsmodi experimentiert hatte, schien sie erst jetzt ein Konzept gefunden zu haben, das ihr auch selbst als Akteurin Spaß machte. Und das schien mit dem Bass zu tun zu haben, den Lilly teilweise selbst spielte. Erklärlich wäre das schon, denn schließlich hatte sie einige Stücke des aktuellen Albums sogar auf dem Bass komponiert. "Eigentlich hatte ich immer schon Bass auf der Bühne spielen wollen", erklärte Lilly nach dem Konzert, "aber ich habe mich früher nie so richtig getraut. Und jetzt war ich auch ordentlich aufgeregt vor der Show."
Das war Lilly dann auch deutlich anzumerken - besonders dann, wenn sie sich mit ihren Bandmitgliedern abstimmen musste. Freilich: Diese Art von nervöser Energie stand Lilly als Performerin dann ausgesprochen gut, denn hatte sie früher eher selten den Weg zum Mikrofon gefunden und sich lieber hinter ihren Keyboards versteckt, so überraschte sie in Köln dann als quirliger kleiner Wirbelwind, der mit einer bislang ungekannten Energie und Impulsivität über die Bühne hüpfte und dabei großes Animationstheater lieferte. Das wirkte sich auch auf ihren Vortrag aus, so dass sie gleich bei den ersten Songs "Closeness" und "Love U 4ever" ins Heisere umschlug. Mag sein, dass auch der Publikumszuspruch im technisch ausverkauften artheater Lillys Performance beflügelte, denn immerhin hatte sie auf "Green Flash" ja einen großen Schritt in Richtung Pop getan und die traurigen Piano-Balladen mit einigen ungewohnt druckvollen Pop-Nummern deutlich aufgelockert, was ihr scheinbar zu liegen scheint (nicht umsonst heißt die beeindruckendste Leistung in dieser Hinsicht denn auch "A Girl Like Me").

Solche Richtungsänderungen - speziell gleich bei der zweiten Scheibe - werden vom Publikum ja nicht immer nachvollzogen. In dem Fall war es aber so, dass dieses Publikum vor Begeisterung kaum noch zu halten war (was Lilly sichtlich Freude bereitete) - und vor allen Dingen mehr geworden ist. Die breite Streuung mit Fans aus allen Altersklassen schien darauf hinzuweisen, dass Lilly Among Clouds mittlerweile zu einer generationenübergreifenden Unterhaltungsoption geworden ist. "Danke, dass ihr alle den Weg hierher gefunden habt", meinte Lilly Honigkuchenpferde-mäßig grinsend, "ich weiß ja dass ihr in Köln immer geile Alternativen gehabt hättet."

Nachdem Lilly den Bass zur Seite gestellt hatte, traktierte sie einen Synthesizer, denn mit diesem für sie neuen Instrument wollte sie sich schon bei der Produktion des Albums auseinandersetzen. Schließlich wurde auch der Synthesizer beiseite geräumt und Lilly betätigte sich als singende Tanzfee - mal mit und mal ohne Percussion-Instrumente - bevor sie sich dann (endlich, wie es schien) hinter das Klavier setzte, das einen Ehrenplatz hoch über der Bühne bekommen hatte. Auch hier war ein Unterschied zu früheren Lilly-Shows zu bemerken, denn tatsächlich schaffte sie es nunmehr weitestgehend mit geöffneten Augen zu singen; was auch für ein neu gewonnenes, performerisches Selbstbewusstsein spricht. Auch damit war es noch nicht genug, denn gegen Ende der Show - spätestens zu "Look At The Earth" - wechselte die ganze Band in einen Disco-Modus und legte geradezu funky Grooves hin, zu denen dann auch ordentlich Bewegung ins Auditorium kam. Zur Zugabe schließlich stellte sich Lilly ganz alleine auf die Bühne und präsentierte den Song "Blood & History" - auf der Gitarre, bevor die Band zum Finale "Wasting My Time" noch ein Mal hinzugeholt wurde. Ganz egal ob die dargebotene Musik nun dem persönlichen Geschmack jedes Zuschauers entsprochen haben mochte: Alleine schon wegen der hinreißend sympathischen und - trotz der teils dunkelschattigen Inhalte lebensbejahend inszenierten Performance gebührt Lilly 2019 größtmöglicher Ruhm und Ehre.

Den Support für Lilly machte übrigens der Australier Mark Lang. Der knorrige Mann unterhielt das Publikum mit seinen - zum Teil angerockten und zum Teil auch ganz dezent intonierten - Singer-Songwriter-Geschichten; und zwar musikalisch wie auch als Storyteller und Comedian. "Man sagt ja immer, dass Australien ein wildes, gefährliches Land sei", stellte sich Lang etwa vor, "aber schaut mal, was mir gerade in Dortmund passiert ist." Damit präsentierte er seinen dick bandagierten, kleinen Finger - den er sich allerdings bei einem Sturz auf einer glitschigen Metallplatte zugezogen hatte, wie er dann einräumte. Wenn Mark dann nicht mit seiner eigenartigen, selbstgebastelten Bühnenbeleuchtung kämpfte, die aufgrund einer losen Halterung ständig in der Versenkung zu verschwinden drohte, spielte er (alleine aber mit Unmengen von Effekten) seine Songs, die erfreulich oft von seinem Leben in der australischen Ostküste erzählen und in denen er - wie bei dem a cappella vorgetragenen "Out To Sea" auch auf ernste Themen, wie die (zum Glück überstandene) Krebserkrankung seiner Frau einzugehen verstand. Wer also ein Herz für Liedermacher hatte - was ja bei Lilly Fans durchaus vorauszusetzen ist -, der dürfte hier also auch auf seine Kosten gekommen sein.

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Surfempfehlung:
www.lillyamongclouds.com
www.facebook.com/lillyamongclouds
www.facebook.com/Mark-Lang-491845707661014/
www.youtube.com/watch?v=xdjdpyVd1xc
www.youtube.com/watch?v=hFHPcuVB4po
www.youtube.com/watch?v=2p_JnXZkCuM
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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