Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook RSS-Feeds
 
Konzert-Archiv

Stichwort:





 
Konzert-Bericht
 
Es geht um die Musik

Aldous Harding
Yves Jarvis

Köln, Luxor
19.11.2019
Aldous Harding
Wenn es dieser Tage darum geht, die besten Platten des abgelaufenen Jahres zu benennen, fällt ein Name sehr schnell: Aldous Harding hat mit "Designer", ihrem famosen dritten Album, endgültig ihre Stimme gefunden und gemeinsam mit PJ-Harvey-Intimus John Parish wunderbar asketische und doch ungemein emotionale Songs voller trügerischer Ruhe produziert, die ihresgleichen suchen - in diesem und in jedem anderen Jahr. Ein Geheimnis ist das nicht: Die Deutschland-Konzerte auf der Herbsttournee der neuseeländischen Indie-Folk-Heroine sind trotz Hochverlegung schon Wochen im Voraus ausverkauft, in Köln platzt das Luxor aus allen Nähten.
Yves Jarvis
Das handverlesene Vorprogramm bestreitet Yves Jarvis (bürgerlicher Name: Jean-Sébastien Audet), ein aus Kanada stammender Seelenverwandter Hardings in Sachen abstruse Bühnenpräsenz. Ohne erkennbare Songs, aber mit jeder Menge Selbstvertrauen bewaffnet, liefert er eine Soloperformance ab, die von der Headlinerin später in den höchsten Tönen gelobt werden wird, eigentlich aber jeder Beschreibung spottet. Eine halbe Stunde irrt der junge Mann zwischen Keyboard, Akustikgitarre und einer Vogelgezwitscher abspielenden alten Tonbandmaschine umher, spielt hier eine Strophe, da ein paar simple Akkorde und "scratcht" mit dem Tape, als sei das kein bisschen durchgeknallt, und wiederholt genau dieses Prozedere alle drei Minuten bei jedem neuen "Lied". Um etwas Positives über den Auftritt zu sagen: So etwas haben wir in mehr als 20 Jahren Gaesteliste.de wirklich noch nie, nie, nie erlebt.
Aldous Harding
"My focus keeps me shy, but I am open and you are welcome. This is the show!", begrüßt Harding danach die Zuschauer hinter dem vorsichtshalber aufgebauten und etwas deplatziert wirkenden Wellenbrecher leicht kryptisch und entschuldigt sich damit gewissermaßen schon vorab für ihre Idiosynkrasien: ihre gewöhnungsbedürftige Mimik beim Singen, ihren staksigen Tanzstil und die mit nichts als peinlicher Stille gefüllten Stimmpausen zwischen den Liedern. Sie hätte auch sagen können: "Es geht um die Musik!" - und die ist an diesem Abend fantastisch. Mit vier Begleitern - ein Trompete-spielender Schlagzeuger inklusive - zelebriert die 29-Jährige an diesem Abend die Lieder ihrer aktuellen LP in glasklarem Sound nah am Original und setzt auch live auf die Faszination des detailverliebten und doch betont spartanischen Akustik-Backdrops, während sie düster-melancholisch über Leben und Tod, Liebe und Leid sinniert. Für programmtechnische Ausreißer bleibt beim rund einstündigen Auftritt nicht viel Raum. Das "Designer"-Terrain verlässt Harding nur zweimal kurz: Erst zaubert sie mit dem beeindruckend authentisch interpretierten Bee-Gees-Cover "Holiday" eine echte Überraschung aus dem Hut, bevor sie bei der Zugabe mit dem herrlichen "Imagining My Man" ein einziges Mal die Brücke zurück zu ihrem Zweitwerk "Party" schlägt.

Trotz scheuer Zurückhaltung hat Harding durchaus Spaß an ihrem Tun. Sichtbar bewegt badet sie nach dem Glanzlicht "The Barrel" im kaum enden wollenden Applaus des Publikums, lädt bei "Damn" ihre Keyboarderin zum vierhändigen Tasten-Duett und strahlt beim ungewohnt ausgelassenen "Old Peel" ganz am Schluss gar mit ihrer Band um die Wette. Dass sie die meisten Lieder - die Konzertgitarre in Händen - im Sitzen bestreitet und damit für das Publikum jenseits der ersten beiden Reihen praktisch unsichtbar bleibt, ist ein unschöner Planungs-Faux-pas, der Freude über diesen ergreifenden Konzertabend tut das aber keinen Abbruch.

Surfempfehlung:
www.aldousharding.com
www.facebook.com/AldousHarding
www.instagram.com/aldousharding
www.yvesjarvis.com
www.facebook.com/yvesjarvis
www.instagram.com/yvesjarvis
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

Copyright © 1999 - 2019 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister