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Konzert-Bericht
 
Herzinfarkt mit Honig

Seratones
Moa McKay & The Flying Cabaret

Köln, Helios 37
26.11.2019

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Seratones
Man hätte ja vorgewarnt sein können: Eine Band, die Songtitel wie "Heartattack" im Angebot hat und ihre aktuelle Scheibe schlicht und ergreifend "Power" nennt, kann es ja eigentlich auf dem gepflegten Retro Soul - dem die Seratones schubladentechnisch zugerechnet werden - alleine nicht auf sich beruhen lassen. Das machten AJ Haynes und ihre Jungs im Kölner Helios-Club dann auch von Anfang an deutlich.
Nehmen wir gleich mal den Opener, "Heartattack". Auf der Scheibe ist die Sache zwar durchaus druckvoll angerichtet - allerdings ist die Studioversion überhaupt nicht zu vergleichen mit jenem Orkan, den die Seratones an dieser Stelle vom Zaun brachen. Hier dominierten dann von Anfang an die Punk- und Grungeriffs, die AJ und Gitarrero Connor Davis hier implementierten. AJ Haynes hüpfte dabei mit ihrem glockenförmigen Röckchen munter über die Bühne und ließ sich mit Gusto von ihrer Afro-Frisur überwältigen. "Soul" war das dann nur noch der Gewohnheit wegen - und wenn, dann war das Punk-Soul. Worum es AJ ging, machte sie gleich mit der ersten Ansage klar: Zwar käme man aus dem Staate Louisiana, wolle aber das Southern-Feeling dann auch im winterlichen Cologne verbreiten. Dazu waren den Seratones alle Mittel recht - vor allen Dingen aber, die Songs im Vollgas-Modus aufzubrezeln. Auch das Publikum zum Mitschnippen zu animieren, am Bühnenrand herumzuturnen oder im Auditorium mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen, gehörte zum Seratones-Modus.

Wie nicht anders zu erwarten, standen die Tracks des neuen Albums im Zentrum der Betrachtungen - jedoch wurde das Ganze mit einer durchaus durchdachten Dramaturgie inszeniert. Nachdem sich AJ zunächst mal mit "Heartattack" Luft gemacht hatte, folgte bald mit "Over You" ein Song, den AJ "allen euren Exes" widmete. Schließlich ging es in "Lie To My Face" um Beziehungsstress, bevor es dann mit "Permissions" versöhnlicher wurde - weil (so AJ) - man zunächst am Bitteren naschen müsse, bevor es süß werden könne. Und hier sind wir dann beim Honig angekommen. AJ Haynes ist ja eine Belterin, wie sie im Buch steht. Aber gerade Energiebündel brauchen ja nicht nur Nervennahrung, sondern auch Treibstoff - und das war eine Flasche Honig, aus der sie zwischen den Songs zur Beruhigung der Stimmbänder nuckelte.

Musikalisch legten die Seratones das Ganze zwar grundsätzlich oft im Rockmodus aus, jedoch gab es natürlich auch fette Soulgrooves, Blues-Licks, ein wenig Psychedelia und - erst relativ spät gegen Ende der Show - Funk- und Disco-Sprengsel mit Songs wie "Gotta Get To Know You" und "Sad Boi". Balladen haben die Seratones nicht im Angebot - sieht man mal von köchelnden Downtempo-Nummern wie "Permissions" ab, die aber im Live-Kontext auch immer noch vor Kraft strotzen. Interessant für Fans mag noch die Hinzunahme des neuen Keyboarders Tyler Coker gewesen sein, denn dessen Beiträge wurden nicht etwa poppig aufgesetzt, sondern bluesig und jazzig in das Gesamtklangbild integriert. Dass der offizielle Teil der Show dann mit dem älteren Power-Pop Song "Chandelier" und dem LP-Titelsong "Power" zu Ende ging, war dann auch nicht weiter überraschend.

Der Support Act Moa McKay (oder McBee wie sie sich auf Facebook nennt) kommt ursprünglich aus Stockholm, agiert aber - zusammen mit ihrer Band The Flying Cabaret - heutzutage von Berlin aus. Für ihre Support-Tour mit den Seratones hatte die ansonsten gerne in Sachen Jazz und Neo-Soul agierende Combo ihren Retro-Sound mächtig in Richtung Funk-Modus aufgebohrt. Sängerin Moa ließ dabei durchaus ihr jazziges Timbre durchschimmern, bemühte sich aber, eine erdige, bluesige Note ins Spiel zu bringen. Das war natürlich in keiner Weise zu vergleichen, was sich im Folgenden AJ zusammen röhrte, passte aber ganz gut zum Thema des Abends, denn retro-soulig war das natürlich schon. Etwas befremdlich wirkte hingegen das Bemühen, das Material durch Samba- und Latin-Grooves dann doch deutlicher in die Lounge- und Easy-Listening Ecke zu manövrieren. In Berlin treten Moa und The Flying Cabaret mit Keyboardern und Saxophonisten auf, die in Köln nicht dabei waren. Das wäre vielleicht von Vorteil gewesen, denn so wirkte der Vortrag unnötig glatt (besonders im Vergleich zum Folgenden). Das ist aber Meckern auch hohem Niveau: Das hätte man alles auch generischer und uninspirierter hinbekommen können. Als Performer überzeugten Moa und The Flying Cabaret dann doch.

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Surfempfehlung:
www.seratones.band
www.facebook.com/seratonesofficial
www.facebook.com/moamckaymusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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