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Konzert-Bericht
 
Going Down To The Thanksgiving Show

Steve Wynn
Chris Cacavas

Mülheim/Ruhr, Raumfahrtzentrum Saarner Kuppe
29.11.2019

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Steve Wynn
Es gibt Musiker, die einfach nicht genug von der Bühnenluft bekommen können. Zu denen gehören gewiss Steve Wynn und sein Kumpel Chris Cacavas. Vor nicht mal einem Monat waren beide gerade mit Steves "Ur-Band" The Dream Syndicate auf Europatour gewesen - und legten jetzt noch ein Mal mit einer Duo-Tour in kleinerem Rahmen nach. Auch in Mülheim waren Steve und Chris schon mehrfach zu Besuch gewesen, so dass diese Thanksgiving-Show bereits zu einer Art Homecoming-Traditionsveranstaltung geriet - auch wenn es "nur" Hühnchen und keinen Truthahn zum Essen gegeben hatte. Das Erntedankfest ist in den USA - nach dem Unabhängigkeitstag am 04.07. - der höchste nationalspezifische Feiertag, zu dem man sich dort gratuliert wie bei uns zu Weihnachten - was aber für Steve und Chris kein Grund ist, dann (wie die meisten seiner Landsleute) deswegen nach Hause zu fahren. "Ich bin meistens zu Thanksgiving auf Tour", erklärte Steve das Ganze stoisch.
Sein gutmütiger Kumpel Chris Cacavas macht diesen Zauber dann oft auch mit. Nun ja: Er hat ja auch gut zu Lachen, da er in Deutschland lebt, wo man dem Erntedank kaum noch eine Bedeutung zu misst. "Ich erkläre euch mal kurz, was wir hier machen", erklärte er auf mittlerweile durchaus gesellschaftsfähigen Deutsch, "ihr müsst so viel Bier trinken wie möglich, dann spiele ich ein paar Stücke, dann machen wir eine kurze Pause, dann kommt Steve Wynn mit seiner elektrischen Rock’n'Roll-Gitarre und spielt ein paar Songs und dann komme ich dazu und dann geht es richtig los." Im Prinzip war das auch genau das, was im Folgenden passierte. Chris, der schon seit Jahren keine neue LP mehr aufgelegt hatte, spielte Gassenhauer aus seinem Solo-Programm - darunter sogar schon totgeglaubte Schätzchen wie "Pale Blond Hell" und ließ dabei seinen Rock-Roots freie Bahn - obwohl er "nur" auf der akustischen Gitarre spielte. Folkmusik war das jedenfalls dann nicht. Das galt auch für den Song "California (Into The Ocean)", den er im Anschluss auf seinem mit Effektpedalen verzierten Keyboard vortrug. Wenn auch auf eine andere Weise, denn hier experimentierte Chris wieder mal mit der Technik, wie er das zuweilen gerne macht und sampelte rückwärts laufende Tasten-Glissandi, die er dann als Soundeffekt verwendete. Nun ja: Chris gibt sich immerhin Mühe, aus seinen alten Songs immer wieder mal was Neues rauszukitzeln.
"Ich saß im Keller und habe meine Setlist geschrieben als Chris spielte", pinselte Steve Wynn im Anschluss seinem alten Kumpel Honig um das glattrasierte Kinn, "da habe ich mir gedacht - Mann ist der gut! Hoffentlich spielt der nachher mit mir." Und dann ging es gleich los mit "Medicine Show". Steve Wynn und seine Setlists gehen eine eher lockere Verbindung ein. Steve erzählte uns mal, dass er für jede Tour mindestens über einen Fundus von 50 Songs verfüge, aus denen er auswählen könne. Deswegen sind seine Setlists auch immer eine Sammlung von aufgelisteten Möglichkeiten. Dieses Mal gab es einen kunterbunten Mix aus allen möglichen Phasen seiner Laufbahn: Alte Dream Syndicate-Hits wie "Burn", oder "Days Of Wine And Roses" (eine bemerkenswerte Wahl für ein Solo-Set), selten gespielte Oddities wie "Into The Grey", brandneue Dream Syndicate-Tracks wie "Glide" oder "Like Mary", Solo-Nummern wie "Cindy It Was Always You", Miracle 3-Elaborate wie "Southern California Line" oder "There Will Come A Day" (sogar inkl. Publikums-Singalong), Publikumswünsche wie "Ambassador Of Love" ("Wenn der Gastgeber bei einem Hauskonzert sich einen Song wünscht, dann sagst Du Ja! Ja! Ja!", erläuterte Steve) und sogar ein Track seines Hobby-Ensembles The Baseball Project fand spontan den Weg ins Programm. "Wenn ich ansonsten einen Baseball-Song spiele, gehen die Leute in Deutschland ja an die Bar", kündigte Steve den Track "1976", in dem es um den Baseball-Werfer Steven Mark "Bird" Fydritch geht, der als Wunderkind die Liga im Jahre 1976 dominierte, dann aber aufgrund einer Verletzung in Vergessenheit geriet, und 2009 bei einem Freak-Unfall ums Leben kam. "Eigentlich geht es in dem Stück auch gar nicht um Baseball", erklärte Steve dann, "denn als ich das Bild des alten 'Bird' in der Zeitung sah, wurde mir bewusst, dass er in meiner Erinnerung immer jung bleiben wird." Das führte dann zu einer Kontemplation über die Zeit und Vergänglichkeit und wirft ein bezeichnendes Bild auf Steves Kunst als Songwriter.

Für ein Hauskonzert war das eine recht rockige Angelegenheit, denn mehr als ein Mal ließ Steve sein Overdrive-Pedal sprechen (etwa mit der Anmerkung, dass das ja alles viel zu leise sei) und auch Chris Cacavas, der im Mittelteil die Tracks mit seinen psychedelischen Effekten anreicherte, sparte nicht mit Energie und musikalischem Durchsetzungswillen. Nun sind die Fans von Steve Wynn so etwas ja durchaus gewohnt - und erwarten auch Rock'n'Roll, sodass am Ende alles wunderbar passte. Zumal Steve Wynn ein Meister darin ist, selbst mit minimalen Mitteln immer wieder mit den Arrangements seines Materials zu experimentieren. Steve machte auch gleich im Anschluss an die Show deutlich, dass er wiederkommen wolle - schon alleine um den Auftritts-Rekord im Raumfahrtzentrum Saarner Kuppe einzustellen (der zu Zeit bei fünf Shows liegt).

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Surfempfehlung:
stevewynn.net
www.facebook.com/stevewynn
www.facebook.com/christofer.cacavas.1
www.facebook.com/Chris-Cacavas-Music-238196507069648
www.youtube.com/watch?v=3osmkwNVCW0
www.youtube.com/watch?v=EaSkw0L9VIA
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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