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Konzert-Bericht
 
Faber im Nebel

Faber

Köln, Jaki
28.11.2019

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Faber
Im nächsten März spielt Julian Faber Pollina ein (bereits ausverkauftes) Konzert im Kölner Palladium. Der Vorteil wie der Nachteil ist dabei der, dass dort 4.000 Fans reinpassen. Zum einen können den Schweizer somit also mehr seiner treuen Anhänger sehen - zum anderen hingegen ist das Palladium ja nicht gerade geeignet, mit eben diesen Fans auf Tuchfühlung zu gehen. Deswegen hatte sich der Meister für die getreuesten der Getreuen etwas besonderes einfallen lassen, und im Rahmen seiner "Articolo Speciale"-Aktion zwei Exklusiv-Gigs im gerade frisch renovierten Kölner Jaki-Club angesetzt. Hierfür wurden jedoch keine Tickets angeboten, sondern der Zugang wurde im Rahmen der Aktion gewährt, bei der ein Kombipaket aus dem Doppel-Vinyl, Faber-Magazin und eben der VIP-Einlass zum Konzert erworben werden musste. Das stellte sicher, dass nur die schnellsten und ernsthaftesten Faber-Eleven den Zugang zu diesen Shows hatten.
Auf den Geschmack gekommen sein könnte Faber bei einem Secret-Support-Gig, den er vor einigen Monaten auf der ersten Tour von Steiner & Madlaina (des Projektes seiner Schwester Madalaina) absolviert hatte, auf dem er erstmals das damals noch namenlose Material, das sich nun auf seiner aktuellen LP "I Fucking Love My Life" findet, ausprobiert hatte. Wie zum Beispiel auch den Song "Das Boot ist voll", der nun, bei dieser Show in einer ganz ähnlichen Akustik-Version mit Gitarre (statt wie auf der LP mit Klavier) zum frenetisch bejubelten Höhepunkt wurde. Interessant, wenn man bedenkt, dass es sich bei dieser Nummer ja nicht um einen Partknaller, sondern eine ernst gemeinte Gänsehaut-Abrechnung mit besorgten Neid-Bürgern und anderen AfD-Wählern handelt. "Ich freue mich schon auf eine Zeit, wenn ich Songs wie diese nicht mehr spielen muss, weil sie einfach nicht mehr notwendig sind", kommentierte Faber das Stück.

Damals bereits hatte Faber feststellen können, dass das Kölner Publikum recht speziell ist. "Köln ist wie Deutschland - aber viel lustiger", kommentierte er z.B. dieses Thema im Jaki. Was damit gemeint ist, ist der Umstand, dass das Kölner Publikum auf geradezu hysterische Art das Material feiert, indem nun wirklich jedes einzelne Wort jedes einzelnen Songs lautstark mitgesungen wird; und zwar bei den balladesken Momenten andachtsvoll zurückhaltend, bei den A-Cappella-Momenten (gleich zu Beginn bei "Generation YouPorn") und den Uptempo-Gassenhauern mit frenetischer Lautstärke. Seine Schwester etwa hatte dieses Phänomen weiland dergestalt überrascht, dass sie fragte, ob sie überhaupt noch selber singen solle. Faber und sein Drummer/Posaunist Tillman Ostendarp (der alleinige Begleiter an diesem Abend) ließen sich davon aber nicht wesentlich beeindrucken - denn schließlich war die ganze Aktion ja offensichtlich in diesem Sinne geplant worden. Faber ließ sich auch nicht lumpen, hatte ca. 20 Stücke auf der Setlist notiert und zeigte sich auch konstruktiver Vorschläge aus dem Publikum gegenüber kommunkationsbereit, als er sich während einer seiner Ansagen aus dem üppig brandenden Kunstnebel hervorgeschält hatte. "Auf das Rauchen können wir ja noch mal zurückkommen", antwortete er auf eine diesbezügliche Forderung, tat dann aber die nächst ab mit: "Aber mit dem Ausziehen müssen wir mal schauen. Wir kennen uns ja noch nicht so lange." Auf Publikumswünsche ging der Meister zunächst jedoch nicht ein. Und zwar aus einem konkreten Grund: "Ihr wollt ja sowieso nur 'Vivaldi' oder 'Alles Gute' hören", erläuterte er, "das spielen wir aber erst zum Schluss. Denn ich war mal auf einem Konzert von den Kaiser Chiefs und dort sind nach 'Ruby' alle und ich auch gegangen - während das Konzert weiter ging. So einen Fehler wollen wir natürlich nicht machen."

Musikalisch interessant war dann die Tatsache, dass die Songs auch in dem stark reduzierten Akustik-Setting gut funktionierten. Zwar griff Faber gelegentlich auch zur elektrischen Gitarre - aber eher der Klangfarbe wegen, denn es gelang ihm alleine oder in Kombination mit Tillmanns Beiträgen mühelos, die fetzigeren Nummern locker swingend und zuweilen sogar im Rock'n'Roll-Modus zu präsentieren. Wenn überhaupt möglich steigerte sich bei Party-Nummern wie "Nichts" oder "Wem du's heute kannst besorgen" die Begeisterung nochmals. Aus dem Pulk direkt vor der Bühne flogen die ersten Kleidungsstücke und selbst im hinteren Teil des Clubs (wo sich seit kurzem die Bar befindet) tanzten die Fans munter um die Wette. Ein schöneres Geschenk hätte Faber seinen treuesten Aposteln (bzw. in dem Fall überwiegend Apostelinnen) mit dieser Aktion nun wirklich nicht machen können (auch wenn es gar kein Geschenk war und auch gewiss nicht alle Interessierten Zugang gefunden haben mochten).

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Surfempfehlung:
fabermusik.de
www.facebook.com/fabermusik
www.youtube.com/watch?v=55nDjJKv_tA
www.youtube.com/watch?v=kn9ONbFbX9I
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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