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Konzert-Bericht
 
Ladies Night

Marika Hackman
Art School Girlfriend

Köln, artheater
13.12.2019

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Marika Hackman
Fast sah es so aus, als sollte das Konzert von Marika Hackman dem "Freitag, der 13."-Fluch zum Opfer fallen, denn als sich die Türen öffneten, hatten sich erst erstaunlich wenige Fans zum Stelldichein mit Marika eingefunden. Tatsächlich waren Marika und ihre Musikerinnen da aber auch erst mit dem Suppen-Fassen beschäftigt. Das Konzert war wegen einer anschließenden Disco-Veranstaltung schlicht eine halbe Stunde früher angesetzt worden. Erst als um viertel vor acht der kursfristig eingesprugene Support-Act Polly Mackey a.k.a. Art School Girlfriend die Bühne betrat, begann sich das Kölner artheater langsam mit überwiegend jungen, weiblichen Fans zu füllen. Das war dann weniger verwunderlich, denn dass ein Konzert, bei dem Marika Hackman als Headlinerin angekündigt ist, in eine Ladies Night ausufern würde, war von vorneherein zu erwarten gewesen.
Polly Mackey hat eine recht interessante musikalische Laufbahn hinter sich. Denn bevor sie sich als Songwriterin selbständig machte, hatte die Waliserin bereits die Shoegaze-Band Deaf Club gegründet (und 2014 auch wieder aufgelöst) und sich im Anschluss in der Londoner Pirate-Radio-Szene mit elektronischer Musik beschäftigt. 2014 erschien auch eine erste EP namens "Measures", gefolgt von "Into The Blue Hour" und zur Zeit arbeitet Polly an ihrem Debüt-Album. Der Titel der EP "Into The Blue Hour" umschreibt auch ganz gut die Stimmung, die Polly von der Bühne emittierte; denn im Prinzip lässt sie heutzutage all ihre musikalischen Erfahrungen in ihre melancholischen New Wave-Pop-Songs einfließen. So begleitet sie sich zwar selbst auf einer mit digitalen Effekten belegten elektrischen Gitarre, greift dabei aber zusätzlich auf vorproduzierte, elektronische Backingtracks zurück und präsentiert das Ganze dann mit der gepflegten Distanziertheit eben eines Shoegazer-Projektes - beispielsweise indem sie überwiegend mit geschlossenen Augen singt und wenig Kontakt zum Publikum sucht; außer wenn sie dieses zwischen den Songs in klassischer Songwriter-Manier dann direkt anspricht.

Musikalisch scheint es Polly mehr um die richtige Atmosphäre als um die poppigen Elemente ihres Tuns zu gehen, sodass die meisten ihrer kontemplativen Tracks (in denen es oft um Themen wie Isolation, das Sehnen nach und das Eintauchen in Seinszustände geht) vergleichsweise linear und mit flachen Melodiebögen angelegt sind. Sie selbst beschrieb ihre Musik ein Mal als "slow, and electronic with overtones of longing and undertones of gay". Go Figure!

Marika Hackman zählt mittlerweile - zumindest auf der musikalischen Ebene - zu jener Sorte von Künstlerinnen, auf die insofern Verlass ist, als das sie sich mit jedem Projekt weiterentwickeln und (zumindest in Ansätzen) neu positionieren. War ihr erstes Album "We Slept At Last" noch eine Singer-Songwriter-Angelegenheit, so gab es auf dem nächsten Werk "Any Human Friend" eine solide Rock-Dröhnung, während es auf dem gerade erschienenen dritten Album in eine experimentellere und poppige Richtung geht. Heutzutage mischt sich das alles recht schlüssig auf der Bühne - sowohl vom Programm her, wie auch stilistisch. Denn zwar ging es Marika durchaus darum, das neue Album adäquat zu präsentieren, aber sie ließ es sich auch nicht nehmen, neben mehreren Songs von ihrer "I'm Not Your Man"-LP auch ältere Tracks wie "Drown" oder "Ophelia" vom ersten Album mit in die Setlist einzubauen. Interessant dabei war dann zu beobachten, wie sie auch diese älteren Songs dann konsequent in das heute angesagten New Wave-Rock-Setting eingepasst wurden. Mal abgesehen von dem solo vorgetragenen Opener "Wanderlust" verzichtete Marika auf ihre Folk-Roots und versuchte sich im Zusammenspiel mit ihrer Band dann eher an Inklusions-Experimenten. Das funktionierte mal mehr und mal weniger gut. Während der Pop-Gedanke von "I'm Not Where You Are" mit adäquatem Punch in Richtung Rock gelenkt wurde oder "Hand Job", Marikas humorvolle Anleitung zur "female self-pleasure" mit pulsierenden Disco-Grooves daher kam, blieb "Conventional Ride" im Prog-lastigen, verzettelten Art-Rock-Setting eher stecken. Und auch so richtig funky kommen Marika und Band nicht rüber.

Darum geht es aber auch gar nicht - wichtig ist nur, dass hier nichts stehen bleibt, langweilt oder gar schimmelt. Ein Marika Hackman-Konzert ist immer auch eine spannende musikalische Achterbahnfahrt - sowohl für die Zuschauer, wie auch die Musiker selbst. Auch schön, dass sich die Band bemühte, ordentliche Live-Versionen aus dem Material herauszukitzeln und das mitgebrachte Keyboard dann sogar weitestgehend verwaist blieb. Ihrem Status als Leitfigur der LGBT-Szene nimmt Marika eher mit Humor. So beschränkte sie ihre Insider-Jokes auf ein Mindestmaß. "Wenn man ein Date hat, das die ganze Nacht dauert", kündigte sie etwa ihren Sex-Song "All Night" an, "dann kann das ja entweder peinlich werden - oder aber Spaß machen." Ansonsten aber ließ Marika dann eher die Musik für sich sprechen (und die Fans mitsingen). Irgendwelche Star-Allüren lassen sich der Guten jedenfalls nicht nachsagen, auch wenn ihr die Rolle als potenzielle Rock-Queen nicht unangenehm zu sein scheint. Und auch wenn in Köln jetzt nicht direkt etwas vollkommen Unerwartetes passierte, zeigten sich Marika und ihre Musiker gut aufgelegt, spielfreudig und unterhaltsam. Sehr viel mehr braucht man von einer solchen Veranstaltung dann ja eigentlich auch nicht zu erwarten.

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Surfempfehlung:
marikahackman.com
www.facebook.com/MarikaHackman
www.artschoolgirlfriend.co.uk
www.facebook.com/artschoolgirlfriend
www.youtube.com/watch?v=hg2wQGicFzI
www.youtube.com/watch?v=PbTZ_YbIoQQ
www.youtube.com/watch?v=MguqCajpVm0
www.youtube.com/watch?v=LzeqWMHi004
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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