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Konzert-Bericht
 
Jesus und die Babies

Shovels & Rope
Jeremie Albino

Köln, artheater
25.01.2020

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Shovels & Rope
"Also heute waren wir mit unserer vierjährigen Tochter beim Dom und haben ihr etwas von Religion und Jesus erzählt", erklärte Cary Ann Hearst zu Beginn der Show im Kölner artheater, "und gestern waren wir mit unserem einjährigen Sohn auf der Reeperbahn und haben ihm erklärt, wie man Babies macht. Wir haben also als Eltern gut zu tun." Nun könnte man ja annehmen, dass ein Duo wie Shovels & Rope - das eben aus Eheleuten und fürsorglichen Eltern besteht - mit der Zeit versöhnlicher, gelassener oder gar bürgerlicher geworden wäre; auch was die musikalische Präsentation betrifft. Doch weit gefehlt: Cary Ann und Gatte Michael Trent stürzten sich mit der gleichen hysterischen, hektischen und leicht unverantwortlichen Energie ins Programm zu ihrer aktuellen Scheibe "By Blood", wie sie das seit nunmehr bereits seit ca.12 Jahren gemeinsam tun.
Bevor es mit der Show losging, durfte der Kanadier Jeremie Albino die Songs seines im Sommer letzten Jahres erschienenen Debüt-LP "Hard Time" präsentieren. Zwar spiele er diese normalerweise mit einer Band, erklärte der gutgelaunte Troubadour, aber es müsse dann eben auch alleine gehen - vielleicht mit ein wenig Hilfe des Publikums. Albino beschäftigt sich in seinen Songs mit Naturereignissen wie Hitzewellen, Stürmen oder Wildfeuern - die ihn offensichtlich zum Schreiben von persönlich gefärbten Songs inspiriert, die er in würzigen Roots-Rock-Settings mit Bo Diddley-Dynamik und einer Prise Blues packt. Dabei geht es dem Mann nicht um Virtuosität oder musikalische Experimente, sondern um die Kommunikation mit dem Publikum. Und hier präsentierte sich Albino als gewiefter Entertainer, prahlte mit den drei Worten Deutsch, die er bisher gelernt hatte, fragte nach, ob man die Situationen, die er in seinen Songs beschreibt auch selbst erlebt habe, pries sein Merch (darunter T-Shirts und Kämme (!)), band das Publikum erfolgreich als Chor ein und lächelte kleine Fauxpas weg (etwa als sich seine Silvertone-Gitarre während des Spiels von selbst verstimmte). Kurzum: Der Mann versteht etwas von seinem Metier und weiß auf sympathische Art zu unterhalten - ohne eigentlich etwas Besonderes zu machen; was ihn besonders ehrt.
"By Blood", das aktuelle Album von Shovels & Rope besticht vor allen Dingen dadurch, dass sich das Duo hier noch weiter von den ursprünglich klar definierten Americana-Roots entfernt hat und stattdessen mit Pop- und Rock-Formaten experimentiert. Insofern überraschte es dann auch nicht, dass Cary und Michael bei ihrem munteren Instrumentenwechsel neben Gitarre und rudimentärem Drumkit so allerlei zusätzliche Elemente eingebaut hatten. So gab es z.B. Basspedal, Synthesizer auf Keyboard-, Bass-, und Gitarrenbasis, Piano und Schnürsenkel-Orgel sowie jede Menge Effektgeräte, die beide dann abwechselnd bedienten. Die Betonung liegt hierbei auf "bedienen" - denn Virtuosen auf ihren Instrumenten sind Carry Ann und Michael nun wirklich nicht. Das Ganze war dann über weite Teile eine ziemlich hakelige Angelegenheit - besonders dann, wenn Cary Ann oder Michael unverdrossen (aber nicht immer ganz taktsicher) auf die Snaredrum einprügelten. Freilich: Was da an handwerklichem Feinsinn vielleicht fehlte, wurde mühelos durch Spielfreude, Körpereinsatz sowie inspirierte und inspirierende Begeisterung für das eigene Tun wieder wettgemacht. Insbesondere Carry Ann gefiel sich darin, die einzelnen Tracks mit fast schon apostolischer Nachdrücklichkeit auszuleben. Geradlinige Country- oder Folkmomente - beispielsweise bei balladesken Nummern vom Schlage "Birmingham" oder dem gospelträchtigen "St. Annes Parade" - bildeten in diesem Setting eher die Ausnahme. Meistens ging es ziemlich deftig zu - wenngleich auch nicht immer im Rock-Sinne, denn die elektronischen Elemente sorgten für ein erstaunlich vielseitiges und unterhaltsames Klangbild - nicht nur im Falle des Titeltracks von "By Blood". Auch die Idee, nicht nur die Gitarre, sondern auch die Basslinien und Synthie-Parts zuweilen punkmäßig zu verzerren, erwies sich an sich als interessante Idee, da die Sache auf diese Weise einen besonders erdigen Charakter bekam. Die politischen Untertöne, die auf "By Blood" zuweilen zu hören sind, beschränkten sich auf die Wahl entsprechender Titel wie "I'm Coming Out" oder Grüßen an den "soon-to-be-the-former-president".

Dass Shovels & Rope nach wie vor auch noch musikalische Liebesbriefe vertonen können, zeigten sie mit der ersten Zugabe, als sie das auch vom Publikum gewünschte "Lay Low" akustisch mit einem einzigen Mikrophon vortrugen. Es waren dann aber doch eher Rausschmeißer wie "Hail Hail" oder straighte Rocknummern wie "The Wire", die das letzte Drittel der Show bestimmten. Kurzum: Shovels & Rope haben nichts von dem vergessen, was sie sich im letzten Jahrzehnt erarbeitet hatten - haben aber auch nichts wesentliches dazu gelernt, kompensieren das aber mit musikalischer Neugier, einer gewissen Experimentierlust und großer Begeisterung. So lebendig wünschte man sich eine quasi Status-Quo-Verwaltung gerne gefallen.

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Surfempfehlung:
shovelsandrope.com
www.facebook.com/shovelsandrope
www.youtube.com/watch?v=7jpgvPwC7RA
www.youtube.com/watch?v=CyuO3YPb0E0
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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