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Ider Sonnenschein

Ider
Art School Girlfriend

Köln, Yuca Club
29.01.2020

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Ider
Mit dem Harmoniegesang ist das ja immer so eine Sache. Insbesondere dann, wenn sich weibliche Zwillinge, Geschwister oder - wie in diesem Fall - eben Freundinnen dazu entschließen, ihren Vortrag ganz im Zeichen des gemeinsamen Gesanges zu präsentieren, tun sie das oft in bestimmten Settings - wie z.B. dem Folkpop oder im R'n'B-Sektor. Dann auch gerne geprägt von eng gefassten Klischees oder stilbildenden Manierismen. Megan Markwick und Lily Somerville kümmern sich jedoch zum Glück weder um Klischees noch um Manierismen, sondern präsentieren einfach gut gelaunte, organische Pop-Musik - und singen halt dazu. Auf ihrer Debütscheibe führt dieses zu stilistisch ungebundenen, eingängigen Pop-Nummern mit starkem melodischem Einschlag, bei dem ihr geschickt verschachtelten Harmoniegesang im Vordergrund steht. Bei ihrem Headliner-Debüt in Köln stellten sie nun klar, dass sich das auf der Bühne nicht wesentlich ändert - wenngleich sie dann insbesondere dadurch überraschten, dass der organische Faktor dabei noch stärker im Zentrum steht, als das die LP-Produktion vermuten ließe, denn bis auf die Drums spielen Megan und Lily alles selber und wechseln sich dabei munter an den Instrumenten ab.
Polly Mackey a.k.a. Art School Girlfriend hätte eigentlich gleich in Köln bleiben können - denn vor einigen Wochen erst supportete die aus dem Shoegazer Projekt Deaf Club herausgegangene Dreampop-Künstlerin aus Margate ihre Kollegin Marika Hackman im kaum 100 Meter entfernten artheater. Vermutlich sogar vor einem ganz ähnlichen Publikum, denn in Köln sind alle Konzerte, die auch nur im entferntesten im Ruch stehen, irgendetwas mit der LGBT-Community zu tun haben zu können, stets gut besucht (egal, wer da eigentlich was spielt). Wirklich Neues ist natürlich seither nicht zu Pollys Programm aus "overtones of longing with undertones of gay" hinzugekommen - jedoch erschien sie deutlich besser aufgelegt als weiland und vor allen Dingen etwas lockerer drauf. So ließ sie sich gelegentlich zu einem Lächeln hinreißen und flirtete sogar ansatzweise mit dem Publikum. "Ich spiele jetzt eine Ballade", wandte sie sich etwa an die Anwesenden, "wenn ihr jetzt also Engtanz machen wollt, dann nur zu." Wesentlich spannender und interessanter machte das ihre wellenartigen New Wave-Songs natürlich nicht - aber unterhaltsamer. Und wenn sie gelegentlich dann mehr rhythmisch orientierte Tracks wie "Distance" in ihr Set einbaut, dann hätte dieses Artschool-Projekt auch eine Zukunft.
Das dann folgende Konzert von Ider, das diese - wie erwähnt - im Trio-Format mit Drummer absolvierten, bot dann einige für den Yuca-Club durchaus interessante Aspekte. Denn während in dem Club - insbesondere bei Acts, die irgendwie dem E-Pop bzw. Club-Sektor zuzurechnen sind - ansonsten oft ein unangenehm dunkles Zwielicht herrscht, war die Bühne bei dem Ider-Konzert schlicht ohne Firlefanz in helle Spotlights getaucht und außerdem hatte man dankenswerterweise darauf verzichtet, die hier ansonsten allgegenwärtige Nebelmaschine anzuwerfen. Kurzum: Überraschenderweise konnte man also sehen, was auf der Bühne passierte, und das war dann doch einiges.

Wie gesagt beschränkten sich Megan und Lily ja nicht einfach darauf, die Songs zu singen, sondern spielten wechselseitig mehrere Instrumente. Neben Keyboards und Percussion - die beide spielten, agierte Lily zusätzlich als Gelegenheits-Gitarristin und Bassistin. Dazu war es notwendig, des Öfteren die Positionen zu tauschen, denn das Keyboard stand auf der rechten Seite der Bühne, während Drumpad, Gitarre und Bass auf der linken Seite platziert wurden. Damit freilich nicht genug. Nachdem die Show mit "King Ruby" zunächst mal noch verhalten zu beginnen schien, platzierten sich alle drei Protagonist(inn)en bald schon um das Drumkit herum und droschen in einer wilden Percussion-Orgie auf alles, was auch nur ansatzweise nach Trommelfell oder Zimbel aussah ein. Zwar gab es im Folgenden keine wirkliche Choreographie - still stehen taten die Mädels aber auch nicht. Überhaupt gefiel dann auch der Umstand, dass die Sache live mehr auf Rhythmik als auf Dynamik setzte (wie die CD-Produktion). Und im Mittelteil der Show präsentierten Megan und Lily am Bühnenrand balancierend "Clinging To The Weekend" als einfühlsame A-Cappella-Version. Megans und Lilys Gesangsgeheimnis ist dann übrigens nicht das, dass sie anstreben, wie eine Person klingen zu wollen (wie so oft bei Vocal-Acts) oder sich durch unterschiedliche Gesangsmelodien zu komplimentieren suchen - sie habe einfach unterschiedliche Stimmen und nutzen dies, indem sie dann zwar das Gleiche singen, sich dabei aber durch unterschiedliche Nuancen und Tibres eben auch besonders gut ersetzen.

Die Grenze zwischen Balladen, Mid-Tempo-Songs und Club-Momenten war dabei recht fließend gehalten. Echte Langeweile oder Durchhänger gab es so jedenfalls keine. Natürlich war die Setlist bei dieser ersten Headliner-Show noch übersichtlich - aber immerhin hatten die Damen einige Nicht-LP-Titel, wie etwa ihren ersten gemeinsamen Song "Sorry", mit ins Programm genommen. Obwohl das Konzert offiziell nicht als ausverkauft gekennzeichnet worden war, blieb am Ende kaum ein Quadratzentimeter im Yuca Club von den Fans ungenutzt. Und müßig zu erwähnen, dass Ider mit ihrem gut gelaunten Live-Konzept bei diesen Fans dann auch offene Türen einliefen und sich als neue Szene-Ikonen nachdrücklich empfahlen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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