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Die Welt nach Line

Linebug

Köln, Die Lichtung
08.02.2020

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Linebug
Als die Dänin Line Bøgh zum letzten Mal mit ihrem audiovisuellen Partner Christian Gundtoft in der Kölner Lichtung auftrat, tat sie das noch unter ihrem echten Namen. Wer jedoch heutzutage nach Line im Web sucht, wird immer öfter auf den Suchbegriff "Linebug" umgeleitet. Der neue Projektname - und das neue Linebug-Logo, das eine Libelle mit einem Pinsel als Schwanz zeigt - sind dem Umstand geschuldet, dass viele Fans nicht so richtig wussten, wie sie den Namen "Bøgh" denn überhaupt aussprechen sollten (und viele es auch nicht konnten). Sei es drum: Line Bøgh heißt jetzt Linebug - und sonst ändert sich nix. Fast nix. Denn natürlich waren Line und Christian nicht ohne neues Material auf Konzertreise gegangen. Die letzte Scheibe "Like Fire Like Fire" erschien ja bereits vor zwei Jahren - und seither war Line als Songwriterin natürlich nicht tatenlos geblieben. Ergo bestand das Programm auf der aktuellen Tour - neben den bekannten Stücken der ersten beiden LPs natürlich auch aus neuen Songs.
Worum geht es bei Linbebug? Nun, vor allem darum, die Welt mit kindlicher Neugier aus möglichst abwegigen, originellen Perspektiven zu betrachten und zu kommentieren. Das zeichnet sie als ideale Songwriterin aus. Es gibt kaum einen Aspekt etwa menschlicher Beziehungen, die Line nicht von einer originellen Warte aus auf humorvolle Weise zu analysieren weiß. Dabei greift sie oft auf blumige Metaphern, Bilder, Aphorismen oder Beschreibungen zurück, die ohne Erklärung oft in die Irre führen würden - weswegen sie sich Mühe gibt, das Ganze ausführlich zu erläutern.

Case in Point wäre etwa der Song "Airplanes", den Line traditionellerweise gegen Ende der Show präsentiert und dabei das Publikum zum Mitsingen auffordert. Ihr skandinavischer Freund Håkon etwa sei ein Verschwörungstheoretiker - und deswegen habe sie "Airplanes" geschrieben, um ihm klarzumachen, dass es sich bei den von ihm gefürchteten Chemtrails nur um Kondensstreifen handele. In dem neuen Song "Isn't It Love", den Line gleich zu Beginn spielte, geht es weniger um Liebe, als um ihre Art, mit der Emotion "Zorn" umzugehen. In dem brandneuen Song "White Nights" geht es keineswegs um weiße Nächte, sondern um das Thema Depression bzw. Winter-Blues. In "Give Sophie A Shot" amüsiert sich Line über die Probleme, die sich dadurch ergeben, dass sich potentiell geeignete Kandidaten auf Dating Apps oft deswegen nicht finden können, weil sie sich aufgrund des ständigen Hin und Hers einfach niemals treffen. Und schließlich kommt Line zu dem Schluss, dass die Vorstellungskraft die größte Gefahr für die Menschheit sei, denn schließlich könne man sich immer etwas schöneres und besseres vorstellen, als das, was man habe und deswegen niemals so richtig zufrieden und glücklich werden. Das alles erläuterte Line zwischen den Songs äußerst beredt, mit ansteckender Begeisterung und auf sympathisch selbstironisch verpeilte Weise. Auf gewisse Weise erklärt uns Line Bøgh also die Welt so, wie sie sie sieht.

Freilich bleibt es dabei ja nicht, denn nachdem Line zunächst ganz konventionell mit einer Art Band tourte, traf sie dann auf den Künstler Christian Gundtoft, mit dem zusammen sie die Idee entwickelte, die Musik mit visuellen Elementen zu einem Multimedia-Erlebnis zu verbinden. Zunächst mal entstanden so einige liebevoll animierte Videos, für die Christian Gundtoft so viele Zeichnungen anfertigte, dass er - so Line - reif für das Irrenhaus gewesen sei (wobei es ihm heute wieder viel besser gehe). Und dann kamen Line und Christian auf die Idee, die Animationen auch bei Live-Konzerte zu verwenden. Und so entstand dann der faszinierende Mix aus Live-Musik, animierten Sequenzen und Videos (darunter auch ein selbstproduziertes Werbevideo), die von Christian im Kontext zu der Musik getriggert werden und nicht zuletzt live gezeichnete Sequenzen, die Christian ebenfalls im Takt zur Musik und mit Bezug auf die Songtexte während der Show gestaltet. Natürlich war für diese Tour nicht alles neu aufgebaut worden - es ergaben sich jedoch genügend Variationen und neue Bestandteile, so dass die Show auch für jene, die das alles bereits kannten, keine Sekunde langweilig wurde. Nun ja: "Langeweile" ist dann ja auch so ziemlich das Gegenteil von dem, was ein Linebug Show auszeichnet...

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/linebugmusic
www.facebook.com/LineBoghNielsen
www.youtube.com/watch?v=juatwwI2YEY
www.youtube.com/watch?v=lnmsgU_C5gk
www.youtube.com/watch?v=mw0xOaTsOkE
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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