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Konzert-Bericht
 
Blasmusik macht glücklich

Current Swell
Ocie Elliott

Köln, Jaki
11.02.2020

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Current Swell
Einen Auslandseinsatz der besonderen Art leisteten Current Swell und Ocie Elliott in musikalischer Mission im Kölner Jaki als Gesandte ihres Heimatlandes Kanada. Denn sowohl Scott Lang, David Lang, Louis Sadava und ihre jeweiligen Mitstreiter von Current Swell, wie auch Jon Middleton und Sierra Lundy a.k.a. Ocie Elliott kommen aus Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia, die allerdings auf Vancouver Island (schräg gegenüber der US-Musikmetropole Seattle) liegt und somit sicherlich die abgelegenste und westlichste Musik-Kommune Kanadas beheimatet. Kein Wunder also, dass die vielen Musiker, die von dort stammen, einen besonders familiären Umgang pflegen. Auf der aktuellen Tour manifestierte sich das beispielsweise darin, dass Current Swell und Ocie Elliott im gemeinsamen Bus reisten und sich Backstage-Area, Catering und Bühnentechniker teilten.
Während sich auf "Buffalo", dem aktuellen Album von Current Swell wieder einige ordentliche Rocknummern finden, die sich im folgenden Live-Vortrag dann auch deutlich konkreter manifestierten, als die bekannten Folkpop-Roots des Ensembles, gehen Ocie Elliott in eine ganz andere Richtung. Die Songs und auch der Live-Vortrag von Ocie Elliott drehen sich ohne Wenn und Aber einzig um den faszinierend intensiven und emotionalen Harmoniegesang des Duos. Die musikalische Untermalung durch Jons Akustikgitarre, Sierras Mikro-Mellotron und gelegentliche Mundharmonika-Einlagen dienen einzig zur Illustration eben dieses Gesanges. Noch gar nicht erschienen ist die zweite LP des Duos "In That Room" (die übrigens wie das erste Album "We Fall In" lediglich sieben Tracks enthalten wird) - was Jon & Sierra aber nicht davon abhielt, die brillanten neuen Songs (wie etwa "Forest Floor" - das in einer besseren Welt sicherlich gleich in die Charts wandern würde) ins Zentrum ihres Programms zu stellen. Das spielte aber keine Rolle, da Ocie Elliott bei uns eh noch nicht so bekannt sind, dass sie als musikalische Wunschveranstaltung betrachtet würden. Und so konnten sie es sich dann auch leisten, auch ganz neue Stücke wie "Tracks" auf die Setlist zu nehmen. Im Prinzip sind Ocie Elliott auch dem Folkpop-Genre zuzurechnen - wobei sie sich keiner typischen Americana-Stilistik verpflichtet fühlen und sich ganz auf den hypnotischen Wohlfühl-Faktor ihres einschmeichelnden Gesangs konzentrieren. Mit kleinen Details - wie etwa eingestreuten Harmonika-Einlagen, ein wenig Kickboard oder Sierras Keyboard-Sounds reichern sie das Klangbild an und motivieren sich damit offensichtlich selber. "Ich weiß auch nicht, was es ist", hatte Sierra vor der Show erklärt, "aber eine Mundharmonika - oder eine Bläsersektion wie die von Current Swell machen alle Leute glücklich." Zumindest für sie selbst schien das zu gelten, denn sie grinste bei jeder sich bietenden Gelegenheit wie ein Honigkuchenpferd, während sich Jon eher konzentriert mit geschlossenen Augen um die Zwischentöne und Nuancen kümmerte.
Aber natürlich haben Current Swell auch ansonsten einiges zu bieten. Etwa dann, wenn der ansonsten auch meistens mit geschlossenen Augen singende Scott Stanton sich mal etwas gehen ließ und sich mit seinem sehr viel extrovertierter agierenden Kollegen Dave Lang "duellierte". Oder wenn er sich auf einen Stuhl setzte und wie Ben Harper zu seinen besten Zeiten eine akustische Lapsteel-Gitarre malträtierte oder sich an die Keyboards gesellte, wenn der Keyboarder als Trompeter den Fans einheizte. Drummer Chris Petersen und das 2017 zurückgekehrte Gründungsmitglied Louis Savada am Bass agierten dabei, wie eine Rhythmusgruppe das am besten auch tun sollte: Eigentlich unauffällig und ohne sich in den Vordergrund zu spielen, aber letztlich absolut unverzichtbar.

Logischerweise standen die neuen Tracks im Vordergrund - was auch Sinn machte, denn Songs wie "High Life" (in dem das Landei Scott Stanton von Entfremdungsproblemen in der großen Stadt singt und das gleich als Opener gegeben wurde) machen ebenso Druck wie das trefflich betitelte, stampfende "This Is Our Time" und natürlich ältere Rausschmeißer wie "It Ain't Right" oder Scotts brillante Hommage an seine Mutter "Marsha" vom letzten Album. Insgesamt zeichnete sich im Live-Vortrag aus, dass Current Swell nie davor zurückgeschreckt sind, ihre Songs mit geradezu hymnischen, poppigen Refrains zu versehen, die erstens im Gedächtnis haften bleiben und zweitens zum Shanty-haften Mitgrölen animieren. Selbst in diversifizierten Songs mit komplexeren Strukturen wie "Too Cold" von "Long Time Ago" kommt das zum Ausdruck. Hinzu kommt, dass im Live-Kontext auch die tendenziell folkiger angelegten Tracks im Power-Modus dargeboten wurden. Eine Prise Blues in neueren Tracks wie "How Many Times" oder dem Album-Titeltrack "Buffalo" rundeten das Programm nach unten hin zusätzlich auf erdige Art ab, während die gelegentlich bei den Studioproduktionen zu beobachteten Prog- und Psychedelia-Ambitionen der Band eigentlich keine Rolle spielten. Am Ende artete die Show in Köln dann gar eher zur gut gelaunten Party aus. Kein Wunder, dass die Jungs angesichts dieser Stimmung betonten, besonders gerne und regelmäßig in Köln aufzuspielen. Es war dann also alles ganz so, wie es auch sein sollte. Blasmusik macht tatsächlich glücklich.

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Surfempfehlung:
currentswell.com
www.facebook.com/pg/currentswell
www.ocieelliott.com
www.facebook.com/ocieelliottmusic
www.youtube.com/watch?v=KXD3QnGel6I
www.youtube.com/watch?v=RWAF5HVlIAQ
www.youtube.com/watch?v=kHX_xFeYI
https://www.youtube.com/watch?v=pIeNMXUQ5VA
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Current Swell:
Tonträger

Mehr über Ocie Elliott:
Interview
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