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Konzert-Bericht
 
King Of Sadness

Peter Bruntnell

Mülheim/Ruhr, Raumfahrtzentrum Saarner Kuppe
14.02.2020

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Peter Bruntnell
"Ich habe euch jetzt so lange mit traurigen Liedern genervt, da muss ich das Set mal mit einem fröhlichen Song aufhören", erklärte Peter Bruntnell bei seinem Konzert und machte sich daran, den Titeltrack seines aktuellen Albums "King Of Madrid" anzustimmen - den er inspiriert durch die Schönheit der spanischen Hauptstadt nach einem Spaziergang geschrieben hatte. Dann hielt er inne: "Kennt ihr 'Lala Land'?", fragte er die Zuschauer, "ich habe nämlich die Melodie von 'Lala Land' geklaut." Wenn man nun bedenkt, dass das besagte Musical eine Art Film-Noir-Tragödie mit einem unschönen Ende ist, dessen Musik bewusst in einem melancholisch/jazzigen Setting angerichtet wurde, und Peter seinen Song ganz ähnlich und zudem als nachdenkliche Ballade angerichtet hat, dann lässt sich ungefähr erahnen, was Peter Bruntnell unter "fröhlich" versteht.
Der Brite, der bereits beim Static Roots Festival 2017 die Fans, die ihn jetzt auch in Mülheim besuchten, begeistert hatte, hat halt eine ganz eigene Weltsicht (und einen ebenso eigenen Humor) - und dabei ist dann halt nicht alles, wie es scheint. Als Songwriter schadet ihm das keineswegs. So lässt er sich z.B. gerne von historischen oder literarischen Figuren inspirieren - oder aber er schaut mit einer originellen Perspektive auf die Welt. Wie z.B. in dem neuen Song "You're A Great Widow" (der einer Phantasie Bruntnells entspringt, in der er sich vorgestellt hatte, dass seine Frau ihn umbringen wolle), oder im Falle von "End Of The World" - in dem es keineswegs um das Ende der Welt geht, sondern darum, dieses gegebenenfalls zu verpassen, weil man zu viel Zeit mit Social Media verbringe (was angesichts unserer turbulenten Zeiten vielleicht doch besser sei, als die Nachrichten zu schauen, wie er in Mülheim erklärte). In dem Stück "Have You Seen That Girl" geht es darum, dass sein bester Freund mit seiner ehemaligen Freundin liiert und nun durchaus glücklich sei; was er aber aus dramaturgischen Gründen in dem Song abgeändert habe. "Black Window" schließlich handelt vom Tod seines eigenen Vaters. Ein Vogel sei wohl mit der Seele seines Vaters davongeflogen - was er als durchaus tröstlichen Gedanken empfände. Freilich: Fröhlich ist das ja alles nicht - so aberwitzig Bruntnell das alles in humorvollen Anekdoten auch verpacken mag. Der Mann hat halt offensichtlich eine schwarze Seele.
Was sich bei dem Konzert in Mülheim angenehm bemerkbar machte, war der Umstand, dass - durchaus dank des schwarzen Humors - der Engländer Bruntnell sehr viel stärker zum Vorschein kommt, als das der Americana-Touch seiner LP-Produktionen und der Live-Konzerte mit Band vermuten ließe - auch wenn er die zahlreichen Brexit-Songs, die geschrieben habe, gar nicht spielen könne (zum einen, weil sie für die Band geschrieben worden seien und zum anderen, weil sie jetzt ja sowieso sinnlos seien). Stattdessen gab es ein Cover von Neil Young, diverse erfüllte Wünsche wie "Here Come The Swells" und einige unerfüllte ("Black Aces" könne er nun wirklich nicht spielen, weil er es mit Sicherheit versauen würde), dann einige elektronische Sitar-Sounds von einem ungewöhnlichen Effektgerät und ein paar Mundharmonika-Einlagen. "Eigentlich hasse ich Mundharmonikas", gestand Peter, "aber wenn du alleine unterwegs bist, ist die Mundharmonika oft dein einziger Freund."

Stimmlich war Peter Bruntnell durch eine Erkältung zwar prinzipiell gehandicapped - jedoch passte die brüchige Note, die sich so in seinen Gesang einschlich, durchaus zum nachtschattigen Tenor seines Materials. Letztlich war das dann auch genau das, was die Fans wollten - und somit war dann am Ende auch jeder zufrieden.

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Surfempfehlung:
peterbruntnell.net
www.facebook.com/peterbruntnell
www.youtube.com/watch?v=_AXJlX0zPZs
www.youtube.com/watch?v=CgVsb6yBGUw
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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