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Marcus King Band
Sammy Brue

Köln, Kantine
05.03.2020

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Marcus King Band
Das kommt davon, wenn man eine Art von Musik spielt, die vor 45 Jahren ihre Blütezeit hatte. Definitiv gehörten nämlich der 23-jährige Marcus King und seine Musiker - darunter auch sein Support Act Sammy Brue - zu den jüngsten Personen in der ansonsten überwiegend mit angegrauten Alt-Rockern und gestandenen Blues-Freunden besetzten, fast ausverkauften Kölner Kantine. Ein Wunder war das nicht, denn King und seine Mannen haben nun wirklich jede Nuance sämtlicher Varianten US-amerikanischer Südstaaten-Stilvarianten drauf, an die sich seine Fans noch erinnern können. Kurzum: Das deutlich über zweistündige Konzert des Meisters geriet zu einer einzigen Zeitreise in Sachen aller Spielarten des Southern Rock.
Noch jünger als Marcus King ist sein Support-Act Sammy Brue. Der junge Mann ist gerade mal 18, schreibt Songs seit er 11 ist und ließ sein Debütalbum von John Paul White von den Civil Wars produzieren. Im Juni erscheint bereits sein zweites Album namens "Crash Test Kid", dessen Titeltrack - in dem es "um die Scheiße, die wir in der Welt durchmachen" geht - er im Rahmen seines halbstündigen Solo-Sets dann auch gleich schon mal anstimmte. Als Performer hat Brue vieles, was für ihn spricht. Zum Beispiel seine knarzige Stimme, die sein nerdiges Aussehen gleich wieder vergessen macht oder die nickelige Art, mit der er seine punkig geschrammelte Akustikgitarre nach einer kaputten Dobro klingen lässt. Brue, der Justin Townes Earle seinen Freund und Förderer nennen darf, überzeugt auch als Songwriter, indem er seine Americana-Songs jenseits klassischer Klischees mit jugendlicher Frische und poppiger Attitüde anreichert. "Ihr seid ein tolles Publikum", lobte Brue unnötigerweise (denn sein Set wurde gnadenlos zugeplappert), spezifizierte das dann aber, indem er erklärte, dass es ihm um den Augenkontakt mit echt interessierten (von denen es dann auch welche gab) ginge.
Zwar hatte Marcus King sein aktuelles Album "El Dorado" in Kollaboration mit Dan Auerbach als Solo-Scheibe konzipiert - mochte aber auf der Tour dann doch nicht auf seine Band verzichten. Alles andere hätte freilich auch keinen Sinn gemacht, denn Marcus King betrachtet ein Live-Konzert eigentlich als kollaboratives Life-Support-System für seine Soli. Und dafür braucht der Meister eben dringend seine Band. Nachdem das gesagt worden ist, muss auch gleich hinterhergeschoben werden, dass King keineswegs unentwegt im Zentrum stehen muss - sondern auch seinen Musikern reichlich Gelegenheit gibt, ihre Instrumentalen Fähigkeiten auszuleben; nur eben nicht auf der Gitarre, sondern mit Keyboard, Trompete, Saxophon und sogar den Drums.

Das, was das Konzert dann im Folgenden vom reinen Blues-Overkill rettete, ist der Umstand, dass King eben nicht nur den Blues hat - sondern alle anderen Spielarten klassischer US-Stilrichtungen. Tatsächlich hatte das zur Folge, dass sich die Zuschauer wohl weniger fragten, welches Stück King & Co. wohl als Nächstes spielen würden, sondern welches Sub-Genre sie bedienen würden. Alleine durch die Wahl seiner Songtitel machte King dann deutlich, worum es ihm eigentlich ging: "Turn It Up" etwa hätte sich auf die angepeilte Lautstärke beziehen können, "Where I'm Headed" zeigte dann, wes Geistes Kind King ist, das Beatles-Cover "Dear Prudence" zeigte dann, was er selbst zu schätzen weiß und dann tauchten er und seine Band tief in die Südstaaten ein. Es folgten Gospel (inklusive Predigt, "Amen" und "Hallejujahs"), Country-Hoedown, Southern-Rock (der vergessen machte, dass da nur ein Mann Gitarre spielte), Memphis Soul, Schweinerock und Blues in allen möglichen Spielarten - vom City-, über Delta- bis hin zum Swamp-Blues. Das einzige, das King ausließ, war eigentlich der Folk, denn King blieb bei seinen elektrischen Eskapaden - wobei er als Rhythmusgitarrist im Soul-Setting zumindest von seiner mächtigen Gibson auf eine Fender-Gitarre wechselte.

Womit angesichts Kings Superstar-Status (und des mit Maschinengewehr-Speed implementierten Southern Drawls) nicht unbedingt zu rechnen gewesen wäre, war der Umstand, dass es ihm mühelos gelang, einen Rapport mit dem Publikum aufzubauen und sich echt begeistert vom enthusiastischen Zuspruch der Fans zeigte. Das führte so weit, dass er die Fans zum Klatschen animierte, um etwa Soli seiner Musiker anzufeuern. Alleine für den regulären Teil der Show standen dabei 20 Songs auf der Setlist (wobei etliche Intros und Breaks in Songlänge gleich mit implementiert waren) - und keiner davon war etwa kürzer als fünf Minuten. Am Ende überzeugten Marcus King und seine Musiker durch eine musikalische Vollbedienung für die Fans, die in diesem Genre auch einfach erwartet wird.

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Surfempfehlung:
marcuskingband.com
www.facebook.com/marcuskingband
www.sammybrue.com
www.facebook.com/SammyBrue
www.youtube.com/watch?v=A_xHMKkzPc4
www.youtube.com/watch?v=Q3KFZzJ2QlE
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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