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My Motto Is Rock

Jade Bird
Ferris & Sylvester

Köln, Luxor
06.03.2020

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Jade Bird
Es hat ja nun wirklich ganz schön lange gedauert, bis Jade Bird endlich ein Mal den Weg auf unsere Bühnen fand. Das hat freilich einen bestimmten Grund: Nachdem die englische Songwriterin sich erstmals vor drei Jahren auf dem Reeperbahn Festival dem hiesigen Publikum präsentierte, ist ihre Karriere sozusagen durch die Decke geschossen. Seit diesen Tagen war sie nahezu pausenlos unterwegs und schaffte vor allen Dingen auch in den USA ihren Durchbruch und tingelte etwa durch sämtliche sich anbietenden TV-Shows. Nun also gastierte sie mit ihrer ersten "richtigen" Headliner Club-Tour dann auch ein Mal im ausverkauften Kölner Luxor.
Als Support spielten das in der Domstadt bereits etablierte Londoner Duo Ferris & Sylvester. Seit ihrem letzten Auftritt im April letzten Jahres haben sich Issy Ferris und Archie Sylvester allerdings sozusagen "upgegradet". Denn weiland agierte das Pärchen noch als solches und zudem auf akustischer Basis und im Blues-Modus. Obwohl das bereits damals in Planung befindliche Debütalbum immer noch nicht fertig ist, haben Ferris & Sylvester zwischenzeitlich aber offensichtlich ihre wahre musikalische Bestimmung gefunden und präsentierte sich nun als gut gelauntes, hyperkinetisches, elektrisches Power-Pop-Trio (also mit angeflanschtem Drummer). Archie spielt dabei die elektrische Gitarre, während Issy für eine (bemerkenswert lebhafte) Bass-Arbeit, gelegentliche Keyboard-Einlagen und ein wenig akustischer Rhythmus-Gitarre zuständig ist. Das Paar begrüßte die Zuschauer wie alte Bekannte und hatte keine Mühe, dieses mit ihren gefälligen Power-Chords, Hooklines und Gesangsharmonien in Beschlag zu nehmen und teilweise auch zum Mitmachen zu animieren. Die Blues- und Gospel-Elemente, die Ferris & Sylvester zu Beginn ihrer Laufbahn auszeichneten, spielten heutzutage eher eine untergeordnete Rolle (obwohl das Publikum auch bei Tracks wie "London's Blues" noch ordentlich mitschnippte). Die Musik von Ferris & Sylvester hat heutzutage einfach mehr Punch als Erdung und ist in vielerlei Hinsicht auch gefälliger geworden. Mal sehen, wie der Mix dann auf dem kommenden Album ausfallen wird. Witzigerweise haben Ferris & Sylvester einen Song namens "Golden" im Angebot (mit dem sie sich auch als Solisten präsentieren) - was nicht ungewöhnlich gewesen wäre, hätte nicht Jade Bird im Folgenden selber einen neuen (und ganz anderen) Song namens "Golden" gespielt.
Zu Beginn ihrer Laufbahn als Songwriterin schien es, als habe Jade Bird den klassischen Weg als britische Americana-Musikerin eingeschlagen. Jedenfalls trugen ihre ersten Songs nicht nur Titel wie "Something American", sondern wiesen auch Spuren klassischen US-Folks, Blues- und Country-Versatzstücke auf. Das lag aber wohl tatsächlich eher an ihren damaligen Connections, die sie als Newcomerin gleich zu Anfang an mit amerikanischen Songwriter-Profis zusammengeführt hatte. Spätestens als Jade sich daran machte, ihre Debüt-LP in Angriff zu nehmen, entwickelte sich ihr Stil mehr und mehr in Richtung Power-Pop. Nachdem Jade sich zunächst für klassisches US-Songwriting interessiert hatte, hatte sie bereits im Vorfeld der Produktion des Albums angedeutet, dass es in Zukunft lauter zugehen würde und speziell die Gitarren eine dominantere Rolle einnehmen sollten. Im Live-Kontext äußerte sich das nun dadurch, dass das Set von den eh schon lebhafteren Tracks des Albums wie "Ruins" oder "Uh Huh" zu Beginn oder "Going Gone" oder "Love Has All Been Done Before" am Ende eingerahmt wurden - und diese dann auch im vollen Rockmodus durchgezogen wurden. Grundsätzlich ist das für Jade Bird kein Problem, denn sie hat aufgrund ihrer mächtigen Röhre keine Schwierigkeiten, sich gesanglich auch gegen eine Rockband durchzusetzen. Es ist nur die Frage, wie lange sie das wohl durchhalten kann, denn für Feinheiten und Subtilitäten (ganz zu schweigen von Atempausen) bleibt da einfach kein Platz mehr. Außerdem führte dieser Dauer-Power-Ansatz wohl auch dazu, dass alle Songs ohne wesentliche Ergänzungen im knappen Drei-Minuten-Format abgehandelt wurden und das ganze Set - obwohl 18 Songs auf der Setlist standen - insgesamt nur etwas mehr als eine Stunde dauerte.

In performerischer Hinsicht wesentlich interessanter als die von Hooklines und Power-Riffs geprägten Rock-Songs waren dann die bereits angesprochenen älteren Tracks wie "Something American" oder "Cathedral", die Piano-Ballade "My Motto", die Coverversion von Radioheads "Black Star" (die Jade im Duett mit ihrem Gitarristen sang) oder "What Am I Here For", das Jade alleine zur Akustik-Gitarre vortrug. Hier zeigte Jade Bird als Performerin jene Zwischentöne, Variationen und Dynamik, die man von ihren Solo-Auftritten gewohnt ist. Abgerundet wurde das Set mit einigen neuen Tracks - wie z.B. eben "Golden" (dessen Pendant ja eben zufälligerweise Ferris & Sylvester im Angebot hatten) und dem Debbie Harry-Cover "Call Me", das Jade Bird quasi ohne Reaktion aus dem Publikum mit "Kennt ihr Blondie?" anzukündigen versuchte. Jade Bird-Fans scheinen also musikhistorisch nicht so bewandert zu sein wie ihr Idol.

Um es klar zu sagen: Das war ein am Ende durchaus schon ein ordentlicher, unterhaltsamer Konzertabend - aber letztlich dann doch nicht die performerische Offenbarung, die sich diejenigen, die beim Beginn der Laufbahn von Jade Bird zugegen waren, vielleicht gewünscht hätten. Denn dafür wirkte die Sache dann doch durch zu undifferenziert, durchorganisiert, formatiert und auch unpersönlich - denn die amüsanten Anekdoten, mit denen Jade Anfangs ihre Performances begleitete, gehören wohl leider auch der Vergangenheit an.

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Surfempfehlung:
www.jade-bird.com
www.facebook.com/JadeBirdMusic
www.ferrisandsylvester.com
www.facebook.com/FerrisandSylvester
www.youtube.com/watch?v=IbNHGeJiZtA
www.youtube.com/watch?v=bVNViJjjMiM
www.youtube.com/watch?v=Kekw0NzF2fI
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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