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Mondspaziergang

The Big Moon
Parking Lot Flowers

Köln, MTC
10.03.2020

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The Big Moon
Bei ihrem letzten Besuch in der Domstadt, hatten The Big Moon noch im Blue Shell Club gastiert - und damals schon den Club in eine Partyzone verwandelt. Nachdem Jules Jackson und ihre Damen auf der im letzten Jahr erschienenen zweiten LP "Walking Like We Do" das ursprünglich implementierte Grunge-Pop-Setting mehr oder minder hemmungslos und äußerst effektiv in Richtung purer Popmusik aufgebohrt hatten, spielten sie dieses Mal im eher als Rock-Schuppen bekannten MTC-Club auf - nutzten aber auch hier die Möglichkeit, das nach wie vor interessierte Publikum (das diesen Schritt wohl anstandslos mitgegangen war) wiederum kollektiv in die Show einzubeziehen. Tatsächlich, so scheint es, sind Big Moon-Konzerte - gleich welcher Ausrichtung - von vorneherein also eher als Happening denn als Showcase konzipiert. Besonders anstrengen mussten sich die Musikerinnen dabei gar nicht. "Wir sprechen kein Wort Deutsch", informierte Bassistin Celia Archer (die sich das Animationsprogramm mit der Frontfrau Jules Jackson teilt), "ihr müsst einfach so tun, als erzählten wir ständig haarsträubende Witze." Als daraufhin ein Kichern im Auditorium ausbrach, fügte sie hinzu: "Seht ihr, es geht doch!"
Im Prinzip ist auch die Kölner Combo Parking Lot Flowers bemüht, dem Partygedanken musikalisch Vorschub zu leisten. Das um das Duo Dominik Flüchter und Claudia Schlutius gebildete Quartett ist dabei in letzter Zeit als Support Act regelmäßig in der Domstadt und Umgebung aktiv. Als musikalisches Mittel der Wahl haben sie sich dabei eine Art jazzigen New Wave-Pop mit klassischen Fake-Funk-Ambitionen ausgesucht. Allerdings geht ihr Anspruch ohrenscheinlich darüber hinaus, mehr als einfach drei Akkorde und ein paar Textzeilen zusammenzuschmeißen. Fast jeder der Tracks ist dabei mittels Breaks, Stops, Intros und Zwischenspielen angereichert, die am Ende dazu führen, dass das Ganze eher zäh als flüssig daher kommt - zumal z.B. statt knackiger Hooklines zum Beispiel verspielte Daddeleien auf Gitarre oder Keyboard ins Zentrum gestellt werden. Weniger wäre in diesem Fall tatsächlich mehr und stärker ausgeprägte, geradlinige Melodien wären auch von Vorteil.
Was zu guter und effektiver Popmusik ansonsten noch dazu gehört, demonstrierten im Folgenden The Big Moon eindrucksvoll. Und damit ist nicht gemeint, dass Drummerin Fern Ford en passant auch noch Keyboards und Trompete spielt oder Celia und Jules ("zum Angeben", wie sie sagen) für das Intro von "Barcelona" gar zu Querflöten griffen, sondern dass - ganz im Gegenteil - die Songs sowohl des aktuellen Albums wie auch jene des Debüt-Albums "Love In The 4th Dimension" ganz ohne jeden Schnickschnack, aber mit großer Begeisterung, Herzblut und Spielfreude ziemlich geradlinig auf den Punkt gebracht wurden. Dabei hatten sich The Big Moon nicht ein Mal eine besondere Dramaturgie zurechtgelegt, sondern präsentierten die um das Fatboy Slim-Cover "Praise You" ergänzten Songs der beiden LPs einfach abwechselnd. Das können sich die Mädels freilich durchaus leisten, da sowohl die Grunge-orientierten Tracks des ersten Albums, wie auch die mit Keyboards augmentierten Stücke des neuen Werkes vor Killer-Hooklines, knackigen Power-Chords, hymnischen Melodien und griffigen Refrains geradezu strotzen. Dass vor der Show dabei ausgerechnet die Beach Boys vom Band eingespielt wurden, machte dann auch Sinn, denn insbesondere gesanglich hatten The Big Moon in Bezug auf die Gesangsharmonien noch mal deutlich zugelegt.

"Habt ihr mein T-Shirt gesehen?", fragte Jules zwischen zwei Tracks, "ich habe das zwar in Irland gekauft - es steht aber was auf Deutsch drauf. Was heißt das denn? Ist das was Verfängliches?" Nun - diesbezüglich konnten die Fans sie beruhigen, denn auf dem Shirt stand einfach "Ich hab Dich lieb". Was allerdings die beiden abgebildeten Comic-Füße zu bedeuten hatten, konnten auch die Fans nicht sagen. Mit dem Coronavirus hatte Jules augenscheinlich nicht viel am Hut - jedenfalls turnte sie (wie bereits gewohnt) wieder am liebsten am vordersten Bühnenrand herum, begab sich spielenderweise ins Auditorium oder setzte sich zusammen mit den Zuschauern zum furiosen Finale - den Tracks "Cupid" und "Your Light" - auch mal mit denselben zum Singalong auf den Boden des Clubs.

Grundsätzlich wäre zu sagen, dass The Big Moon die Songs ohne besondere performerische Ambitionen, aber mit ansteckend viel Spaß an der Freude präsentierten und dabei einfach die Musik für sich sprechen ließen. Anders, als vielleicht zu erwarten gewesen wäre, nahm die Sache mit den Keyboards auch nicht allzuviel Raum ein. Stattdessen konzentrierten sich die Mädels darauf, die hübschen Melodien und/oder Refrains der neuen Songs durch den Gesang herauszuarbeiten. Die älteren Power-Pop-Hits wie etwa "Sucker" oder "Bonfire" wurden sowieso in Form knackiger Rausschmeißer gespielt. Viel zu wünschen blieb da trotzdem nicht übrig, denn so etwas wie Füllmaterial kennen The Big Moon schlicht gar nicht. Da war dann wirklich jeder einzelne Song ein Hit - und das Konzert dann eben eine Party.

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Surfempfehlung:
www.thebigmoon.co.uk
www.facebook.com/thebigmoon
www.facebook.com/pages/category/Musician-Band/Parking-Lot-Flowers-459485831167075/
www.youtube.com/watch?v=1OijD72t4XY
www.youtube.com/watch?v=rkKCixK8t4g
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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