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Konzert-Bericht
 
(Isn't it) Good Norwegian Wood

Tara Nome Doyle
Marlena Käthe

Köln, Die Wohngemeinschaft
12.03.2020

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Tara Nome Doyle
Das ist ja gerade noch mal gutgegangen. Bevor nämlich auch in der Domstadt der Kulturbetrieb aufgrund des Coronavirus eingestellt werden musste, gab es in der Wohngemeinschaft noch das zu recht ausverkaufte Konzert der Berliner Singer/Songwriterin Tara Nome Doyle zu bestaunen. Eigentlich hätte Tara schon im letzten Jahr an gleicher Stelle spielen wollen - freilich hatte sich damals noch niemand für sie interessiert, da ihre brillante Debüt-CD "Alchemy" noch nicht erschienen war. Nun konnte sich Tara nicht nur darüber freuen, dass das Konzert (s.o.) überhaupt stattfand, sondern auch sehr gut besucht war.
Ebenfalls aus Berlin kommt die junge Songwriterin Marlena Käthe, die das Publikum mit ihrem charmanten, melancholischen Indie-Mädchenpop ausgezeichnet auf Taras zumindest stimmungsmäßig ausgerichtetes Konzert einstimmte. Zwar hatte Marlena die Band, mit der sie für gewöhnlich unterwegs ist, nicht mitbringen können - überzeugte aber auch als Solo-Künstlerin auf der ganzen Linie, einfach indem sie mit ihrer ungekünstelten, sympathisch fahrige Art als Live-Performerin ein gutes Bild machte - vor allen Dingen, weil sie alles, was das Indie-Pop-Genre betrifft, schlicht und ergreifend richtig machte. Beispielsweise indem sie Ihre melodischen Songs abwechselnd auf der Gitarre und einem E-Piano vortrug - und dabei durchaus unterschiedliche musikalische Ansätze offenbarte. Thematisch beschäftigt sie sich mit persönlichen Themen wie z.B. ihrem Bruder oder universelleren Themen wie bei dem gerade auf Spotify veröffentlichten Single-Titel "Phyrrus" - und das dann auch noch auf Englisch und auf Deutsch! Dabei hat sie ein Händchen dafür, als Songwriterin jeweils die richtigen Entscheidung zu treffen - einerseits ohne etwas grundsätzlich Neues zu machen, aber andererseits auch ohne durch Emulationen oder Klischees zu langweilen. Marlenas Songs fühlen sich jedenfalls für Genrefreunde sympathisch vertraut, aber nicht ausgelatscht an. Das macht dann neugierig aus mehr.
Wie allgemein bekannt sein dürfte, kommt Tara Nome Doyle zwar einerseits aus Berlin hat aber auch norwegische und irische Wurzeln. Das erklärte dann zum Beispiel, dass Tara das Set nicht mit einem Track von "Alchemy" eröffnete, sondern mit dem auf norwegisch gesungenen Track "Till Till Tara" von ihrer ersten EP "Dandelion". Erst nach einem weiteren Nicht-LP-Track namens "Leeches" ging es dann zu dem Material des Konzeptalbums "Alchemy". Zunächst trug Tara ihre Songs konzentriert mit einigen dramatischen Gesten und mit geschlossenen Augen - ansonsten aber ohne Showeffekte vor. Schließlich wandte sie sich aber doch an das Publikum, brachte ihre Freude über das nun stattfindende Konzert zum Ausdruck und erläuterte auch, dass ihre Song im Garten ihrer norwegischen Großeltern entstünden. Dass das norwegische Holz im Garten dieser Großeltern dabei aus Neon zu bestehen scheint (wie der Song "Neon Wood" nahelegt), gehört dabei gewiss zum philosophischen Konzept von Taras Album, bei dem es um universelle Fragen zur Weltordnung oder zur Spiritualität, selbstredend auch um die Alchemie und nicht zuletzt um die Natur und die Psychologie geht.

Das mag inhaltlich alles ziemlich abstrakt wirken - setzt sich andererseits aber auch vom normalen Herzschmerz-Theater ab, das bei Songwriter(inn)en ja für gewöhnlich die inhaltliche Basis darstellt. Es gibt freilich auch Songs, die sich direkter auf persönliche Themen beziehen. Die Charakterstudie "Diana" etwa entstand aufgrund Taras Mitwirkung an einem Theaterstück über eine emotional belastete Frau, die einen tragischen Konflikt zu bewältigen hat. Nachdem das alles gesagt worden ist, muss auf der anderen Seite aber attestiert werden, dass das Konzert dann keineswegs auf einer abstrakten, sondern - im Gegenteil - einer hochemotionalen Ebene ablief. Das lag zum einen an der Intensität, mit der sich Tara in ihr Material hineinsteigerte und zum anderen auch daran, dass sie Arrangements, die Tara und ihre Band implementierten für die Live-Präsentation weniger dramatisch als auf der LP, sondern stattdessen mit einer gewissen jazzigen Leichtigkeit inszeniert wurden. Was nicht so gut funktionierte, war der Versuch, das Publikum bei dem Song "Mercury" als Chor einzubinden - denn Lala-Musik, für die sich so etwas anbieten würde, macht Tara ja nun wahrlich nicht. Allerdings erfüllte sie sich mit dieser Aktion wohl einen langgehegten Traum - und das muss dann ja auch erlaubt sein.

Dass Tara Nome Doyle dabei keine absolute Newcomerin ist, sondern von den Erfahrungen ihrer klassischen Ausbildung, ihrer vorangegangenen Zusammenarbeit mit Acts wie Kat Frankie oder Max Rieger und als Session-Musikerin zehrte, wurde durch die perfekt durchorganisierte - aber keineswegs seelenlose - Dramaturgie des Vortrages deutlich. Dass "Alchemy" auch nicht im luftleeren Raum entstanden ist, machte Tara zum Schluss der Show nochmals deutlich, indem sie nämlich als letztes Stück ihr erstes spielte: Das im Vergleich zu vielen anderen ihrer Tracks geradezu poppig/soulige "Down With You" war der erste eigene Song und das erste eigene Video, das 2018 dem ganzen Projekt voran ging. Als das Konzert dann nach einer Stunde zu Ende ging, hatte Tara mit Sicherheit all jene, die vielleicht nur aus Neugier gekommen waren, als solide Fans im Gefolge.

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Surfempfehlung:
taranomedoyle.com
www.facebook.com/taranomedoyle
www.facebook.com/marlenakaethe
www.youtube.com/watch?v=atPXakhYMQo
www.youtube.com/watch?v=v73oDQeGzDk
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Tara Nome Doyle:
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