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Konzert-Archiv

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Konzert-Bericht
 
Everyday is like Sunday

Zachary Cale

Quarantine Concerts, New York
29.03.2020
Zachary Cale
Kurz vorab: Hierbei handelt es sich nicht um einen üblichen Konzertbericht, sondern eine Berichterstattung über Quarantäne-Konzerte im Rahmen der andauernden Corona-Situation.

Zachary Cale warnt seine Anhänger vor: "Zwei Wochen Quarantäne haben dafür gesorgt, dass ich aussehe wie ein Statist bei 'Deadwood' oder 'The Walking Dead'", schreibt er in der Ankündigung dieses Livestreams aus seinem heimischen Wohnzimmer. Auch während des Konzertes brilliert der aus Louisiana stammende, in Brooklyn heimische Singer/Songwriter mit trockenem Humor und seinen stimmungsvollen Songs, die selbst in den Soloversionen ein Gefühl von unendlicher Americana-Weite auszeichnet, als säße Daniel Lanois heimlich in der Küche und würde irgendwelchen Reglern drehen.

Zur Einstimmung gibt's Stillleben - Stuhl, Verstärker und Cales formschöne halbakustik-Gitarre - und Glockengeläut, bevor Cale den Auftritt mit zwei Ausblicken auf sein Ende Mai erscheinendes neues Album beginnt. "False Spring" ist der ungewollt prophetische Titel des ab sofort vorbestellbaren Albums, der in Zeiten der Kontaktsperre wenige Tage nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn eine ganz neue Dimension bekommt. Wie schon auf seinen Platten, allen voran auf seinem Meisterstück "Duskland" von 2015, verbindet Cale mit viel Understatement unterschwellige Melancholie und eine fesselnde lyrische Bildsprache, die den Hörer ohne Umwege in Cales Welt entführt: Musik aus einer anderen Ära, die trotzdem nicht wie von gestern klingt.

Während sich derzeit viele Künstler für ihre improvisierten, reduzierten Livestream-Performances entschuldigen, blühen die Lieder Cales in diesem Setting erst richtig auf. Schließlich braucht der 41-Jährige auch auf seinen Platten nur selten das große Besteck und begeistert deshalb an diesem Nachmittag ganz natürlich mit seinem wohlig warmen Timbre und dem hinreißenden Klang seiner Gitarre, ganz egal, ob er sich mit seiner aktuellen Single "Riverbed" auf die Suche nach Erlösung macht, mit "Hangman's Letter" zu seinem vor sieben Jahren auf dem deutschen Connaisseur-Label Jellyfant veröffentlichten Album "Blue Rider" zurückkehrt oder mit "New Truth" sogar eine unter den derzeitigen Umständen besonders ominös klingende Uraltnummer rauskramt.

Die beeindruckende Gelassenheit, mit der er seine kurze Performance angeht, kommt auch bei seinen knappen, staubtrockenen Ansagen zum Vorschein, wenn er Dinge sagt wie "Ich hoffe, ihr habt alle einen tollen Sonntag, aber eigentlich ist ja gerade jeder Tag wie Sonntag" oder sich selbst von einem kleinen technischen Ausfall zur Mitte des Streams nicht aufhalten lässt, als seine langjährige Partnerin Alfra Martini, die den Auftritt mit handgehaltener Handykamera aus wechselnden Perspektiven einfängt, einfach mal den falschen Knopf drückt: "Meine Quarantäne-Partnerin macht das zum ersten Mal", sagt er lakonisch und hat am Ende auch gleich noch einen guten Grund für die Kürze der Übertragung parat: "Ich bin heute nur das Vorprogramm für Richard Thompson", erklärt er mit Blick auf den kurz danach startenden Auftritt des britischen Folk-Altmeisters, "und gute Support-Acts spielen nicht länger als 30 Minuten." Es war eine halbe Stunde, die es in sich hatte.
Surfempfehlung:
www.zacharycale.com
www.facebook.com/zacharycalemusic/videos/2883877161672360/
zacharycale.bandcamp.com
www.facebook.com/zacharycalemusic
twitter.com/ZacharyCale
www.instagram.com/zachary_cale_music
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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