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Konzert-Bericht
 
Dolche, Tiger & Dämonen

Emily Jane White

Quarantine Concerts, San Francisco Bay Area, California
12.05.2020
Emily Jane White
Kurz vorab: Hierbei handelt es sich nicht um einen üblichen Konzertbericht, sondern eine Berichterstattung über Quarantäne-Konzerte im Rahmen der andauernden Corona-Situation.

Auch Emily Jane White wäre gerade mit ihrem neuen Album "Immanent Fire" in Europa auf Tour gewesen, als die Covid-Seuche sich Bahn brach. Es dauerte dann eine gewisse Zeit, sich zu organisieren, bevor sie schließlich am 12.05.2020 eine erste Stream-Session realisieren konnte. Zuvor beteiligte sich Emily an einigen Online-Aktivitäten französischer Festivals, bei denen sie eigentlich persönlich hätte anwesend sein sollen und sie nutzte die Bandcamp-Aktionstage (bei denen Bandcamp bekanntlich auf Gebühren für die Musiker verzichtete), um die beiden Oddity-Sammlungen "Demos & B-Sides Vol. 1" (von ihren neueren Alben) und "Dark Undercoat (B-Sides)" (mit bislang unveröffentlichten Outtakes ihres Debütalbums) zu veröffentlichen.

Und damit wären wir im Prinzip auch schon beim Thema dieses ersten Quarantine-Streams. Denn einer der Gründe, warum dieser erst jetzt stattfinden konnte, war ein Aufruf Emilys an die Fans, sie mit Wünschen für eine Setlist zu versorgen. Dafür wählten die Fans dann viele der Tracks, die Emily auf ihrem ersten Album "Dark Undercoat" versammelt hatte - und die sie (wie sie sagte) selten live gespielt habe. So richtig erstaunlich ist das freilich nicht, denn als Emily ihre Solo-Laufbahn mit diesem Album 2009 in Angriff nahm (und sich dabei stilistisch deutlich von vorangegangenen Band-Aktivitäten absetzte), tat sie das weiland noch mehr oder minder in einem klar abgegrenzten Folk-Format. Sie selbst sagte später von dem Album, dass sie dieses im Nachhinein mehr oder minder als Demo-Werk betrachtete, mit dem sie sich selbst erst mal aufstellen wollte. Tatsächlich war das auch bei dem Nachfolgewerk "Victorian America" noch so. Erst mit den Alben "Ode To Sentience" und "Blood / Lines" kamen Indie-Rock und Kammerpop-Elemente hinzu. Logischerweise wurden die frühen Tracks dann auch ungefähr so eingespielt, wie Emily das bei ihren Solo-Konzerten - und natürlich auch bei dem aktuellen Live-Stream tat: Am Piano sitzend, dabei abwechselnd zur E-Gitarre greifend und mit viel Hall auf der Stimme. Langer Rede kurzer Sinn: Mit den Titeln "Hole In The Middle", "Dagger", "Time On Your Side", "The Demon", "Two Shots In The Head" und natürlich ihrem Signature-Song "Wild Tigers I Have Known" wurde das Album "Dark Undercoat" nahezu vollständig abgearbeitet. (Was übrigens dankenswerterweise dazu führte, dass die ursprünglich auf eine Stunde angesetzte Show letztlich dann über 80 Minuten dauerte.) Ein Mal abgesehen davon, dass bei dem Song "Dagger" in der ersten Strophe versehentlich die Gitarre stummgeschaltet war (was aber auch seinen Reiz hatte), klangen die Songs dann faszinierenderweise eigentlich wesentlich besser und räumlicher, als sie das damals auf der doch etwas schnürsenkelig angelegten LP getan hatten. Emily präsentierte das Material wie gewohnt unaufgeregt und ohne wirkliche Entertainment Ambitionen.
Das ist aber auch wieder logisch, denn um Entertainment geht es ja auch nicht, wenn Emily persönlich auf der Bühne steht. Stattdessen konzentriert sich Emily hier wie da darauf, die zuweilen unheimliche Stimmung ihrer Mörderballaden und vertonten Gothic-Geschichten mit emotionalem Tiefgang und einer im Angesicht der etwas morbiden Thematik erstaunlich heimeligen und hypnotischen Atmosphäre zu versehen. Und dafür braucht es nicht viel. Insofern fehlten dann auch nicht die gerne auch mal plüschigen Arrangements und butterweichen Klangwolken, die sich gerade auf ihren letzten beiden Alben "The Moved In Shadow All Together" und natürlich auch dem neuen Werken "Immanent Fire" finden. Vom letztgenannten Album (das sich mit aktuellen Thema Klimawandel und Umweltzerstörung beschäftigt und damit ein wenig von der Gothic-Tradition abweicht) fanden nur die Tracks "Light" und "Entity" den Weg auf die Setlist - und funktionierte dann auch ohne Streicher recht gut. Die Klarheit, die sich durch die überschaubare Instrumentierung und das stringente Soundkonzept ergaben, erwiesen sich auch für andere Tracks, die man für gewöhnlich mit opulenteren Arrangements kennt - wie "Dandelion Daze", "Frozen Garden", "The Ledge", das vergleichsweise hypnotisch und unerbittlich ausformulierte "Nightmares On Repeat" und natürlich auch "Victorian America" durchaus förderlich. Langweilig war das Ganze jedenfalls zu keiner Zeit. Wie gesagt: Verwunderlich ist das nicht, da bei Emily Jane White eben nicht das Format oder die Arrangements, sondern Stimmung, Emotionalität, Melodie und simple musikalische Schönheit im Zentrum der Betrachtungen stehen.

Natürlich ist ein Live-Stream etwas anderes als ein Live-Konzert. Wer indes Emily Jane White schon ein Mal in Person erlebt hat, der wird attestieren können, dass diese Quarantine-Show stimmungsmäßig einem Live-Konzert ziemlich nahe kam. Die Session vom 12.05.2020 ist via Facebook nach wie vor abrufbar. Am 19.05.2020 folgt zunächst eine weitere Live-Session mit einer anderen Setlist.

Surfempfehlung:
emilyjanewhite.net
www.facebook.com/emilyjanewhiteofficial
emilyjanewhite.bandcamp.com
paypal.me/emilyjanewhite
emilyjanewhite.net/order-cd-and-vinyl
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Emily Jane White-


 
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