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Konzert-Bericht
 
Lift your skinny fists to heaven!

Godspeed You Black Emperor!

Köln, Gebäude 9
13.04.2002
Godspeed You Black Emperor!
In der Tat - es spielten sich Szenen ab, die eher an den Gottesdienst einer semisatanischen Sekte als an das Konzert eines anarchistischen Poporchesters erinnerten. Harmlose Bartträger verfielen in wilde Veitstänze, andere reckten ihre betenden Hände den Propheten aus Kanada entgegen. Noch erstaunlicher war die Inhomogenität des Publikums. Während man bei anderen Konzerten, wie z.B. Low, denkt unter Gleichgesinnten zu sein, fühlte man sich bei GYBE! fremd. Vom Jesusfreak, über Punks bis zu potentiellen Bankangestellten war alles vertreten. Woher kennen diese Menschen Godspeed? Schlimmer noch, wie kommen sie dazu, diese wundervolle Musik zu mögen und bei ihrem Konzert in tranceartige Verzückung zu fallen?
Godspeed You Black Emperor!
Godspeed You Black Emperor! besitzt eine ganz eigene Magie, eine, die jeden Hörer in ihren Bann zieht, einem jeden das Gefühl gibt, nur für ihn allein da zu sein. Das ist der Zauber dieser Band, die mit ihrer Musik die Herzen der Menschen erreichen will, um in ihnen den Zweifel zu säen, ob die Marktwirtschaft tatsächlich das geeignete Mittel ist, ein Zusammenleben zu organisieren. Und doch hörte man nicht ein einziges Wort von den neun Musikern, nur Töne. Wer wollte, konnte das Konzert also geniessen, ohne auch nur im geringsten von der Botschaft dieser Band zu erfahren. Gut, daß sie keine Missionare sind, schade, daß sie die Chance verpaßten, hunderte von Hörern mit ihren Ideen und Zweifeln bekannt zu machen. Damit sind sie das genaue Gegenteil der (International) Noise Conspiracy, die ähnliche Ziele auf vollkommen andere Weise verfolgen.
Godspeed You Black Emperor!
Zur Musik kann man nur sagen: Unglaublich, groß und erhaben. Hinterlegt wurde das Ganze wie gewohnt von Film- und Diaprojektionen des Künstlers Jem Cohen. Neben einigen bekannten Stücken gab es viel von dem zu hören, was sich wahrscheinlich auf der für diesen Frühling angekündigten Platte wiederfinden wird. Den musikalischen und emotionalen Höhepunkt stellte "Dead Metheny" dar, danach ein ca. einstündiges Sich-nicht-von-der-Musik-trennen-können, bei dem jeder Ton bis zu seinem Ende verfolgt wurde, und erst wenn dieser starb, wurde ein neuer geboren. Leider scheint das Gebäude 9 nicht über eine Belüftungsanlage zu verfügen, weshalb das Konzert zumindest für die Gäste in der Mitte des Saales körperlich eine extreme Belastung darstellte. Aus diesem Grunde war es vielen auch nicht möglich, das Ende des Konzertes richtig verfolgen zu können, aber ihnen sei gesagt, daß sie dann doch den Reinkarnationskreislauf durchbrochen haben...
Text: -Stefan Claudius / Nannette Römer-
Fotos: -Stefan Claudius-


 
 

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