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Handmade Happiness

Menino

Bonn, Harmonie
25.04.2002

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Menino
Es gilt, einen ganz besonderen Abend zu würdigen, einen von der Sorte, der in Dir nachhallt, wie eine einzigartige Liebesnacht, der im Walkman im Kopf einfach immer weiter und weiter läuft: Menino haben mal wieder eines ihrer seltenen Konzerte gegeben - wie immer für einen guten Zweck, und gleichfalls wie stets mit einer Intensität, die viele andere Bands arg ins Schwitzen bringen dürfte... Das Motto, zu dem die durch und durch sympathischen Gutmenschen aus Sinzig und drumherum heute geladen hatten, hieß denn auch "39°", vermeldete also tropische Temperaturen. Dazu gabs die Vorstellung der gleichnamigen (sehr empfehlenswerten) neuen CD ebenso wie einen Querschnitt durch das bisherige Schaffen seit 1994 dieser Großmeister des - nach eigener Einordnung - "New Latin Pop", der von dem fachkundigen Publikum der Bonner Harmonie enthusiastisch von der ersten Minute an abgefeiert wurde.
Menino heißt auf portugiesisch soviel wie "Junge" (analog: Menina) und steht hier mit für die Weltanschauung und Hilfsbereitschaft dieser Ausnahmemusiker, die sich seit 1993 aktiv mit dem eigenen Verein Menino e.V. dem Kampf für bessere Lebensbedingungen für "Straßenkinder" in Brasilien verschrieben haben. Straßenkinder gibt es überall, besonders aber in südlichen Ländern. Sie ziehen durch die Innenstädte, schlafen in Hauseingängen und müssen sich von Abfällen ernähren. Zahlreiche Projekte belegen dieses Engagement, wie beispielsweise das vor Ort in Macéio, Brasilien, mit den Kindern arbeitende Projekt Erê (mit zahlreichen ehemaligen Straßenkindern) oder das "Uma Hora"-Projekt des Jahres 2001, bei dem Menino mit Unterstützung der Volkswagen Sound Foundation mit 21 Musikern sechs Wochen lang auf internationaler Tournee brasilianische Volkskultur präsentieren konnten - und die Nöte der Straßenkinder natürlich! Menino sind mit ihrer Mission schon in Deutschland (u.a. bei Rheinkultur und Rock am Ring oder vor Bruder Bundespräsi Johannes) sowie natürlich in Brasilien, aber auch in England, Frankreich, Belgien und Spanien aufgetreten. Primärziel der Band ist dabei nicht, die Chartsbreaker, sondern vielmehr die Botschafter der guten Sache zu sein. Daß dies musikalische Spitzenleistung aber überhaupt nicht ausschließt, wurde an diesem Abend mit viel beglückend wunderschöner, handgemachter Musik in der Harmonie spür- und hörbar.

Für die Band war es ersichtlich kein Standardabend, da es sich um den ersten Gig mit dem neuen Drummer Uli Krämer handelte. Doch schon bei den ersten Takten von "Vocé" vom neuen Album wurde deutlich, daß die neue Zutat im Latino-Cocktail des Sextetts genauso zündet wie Trumpfkarte Stephan Maria Glöckner an wunderschöner Godin-Gitarre sowie der alles-schmelzenden Zauberstimme - wie der späte Sting, nur halt noch viel besser... Oder Winfried Schuld, der an Keyboards, Schifferklavier, Programmierung und Produktion Erstaunliches leistet. Oder Pano Petrakakis an fünfseitigem Baß und Extremposing (vgl. Foto-Gallerie). Ebenfalls eine sichere Bank sind Mike Schak, der die wohl flüssigste Statocaster auf dieser Rheinseite spielt, sowie Jürgen Schuld an den Percussion-Gewitterstürmen und last but not least Reto Mandelkow an Tenor-, Alt- und Sopransaxofon, der live eine Kanne bläst, die sich vor Mel Collins nicht zu verstecken braucht. Und vor Spyro Gyra und vor den Brecker Brothers auch nicht. Wie dann ja auch bei der ebenfalls neuen Nummer "24 Horas" zu vernehmen war, die die berechtigte Frage aufwirft, wofür wir manchmal unsere Zeit verbraten, wenn eigentlich andere Menschen so viel Hilfe brauchen und wir doch letztlich alle die selbe Zeit pro Tag einzusetzen haben... Weiter geht's mit "Lual", dem ersten Stück des ersten Albums "Ein ganz neuer Tag", offensichtlich ein erfreuliches Wiederhören für die spätestens jetzt endgültig ins Fieber fallende Bonner Harmonie. Folgt "Saí" vom zweiten Album sowie "Heart Life" vom Album "Juno", welchletzteres Gelegenheit zu einem Mörder-Funkbaß-Solo sowie psychedelisch-athmosphärischen Soundzaubereien von "Winni" Schuld bietet. "Cada Vez", wieder vom Zweitling "Dubio" bringt die Samba-Reggae-tanzende Menge sanft wieder auf den Boden. Damit sie "Bom De Mais" vom aktuellen "39°" überhaupt erst richtig genießen können. Ebenfalls in Slo-Mo und ultramelodiös das aktuelle "Fria". Das folgende Stück fesselt vor allem durch ein vibrierendes Percussionsolo von Jürgen Schuld.

Im Verlauf der nächsten beiden Rhythmushämmern, darunter die vielleicht schönste Menino-Komposition "Sede De Chuva", wandelt sich das Konzert dann in eine Art Party - mit passenden Einlagen der zu mindestens 70 Prozent weiblichen Gäste bei dem knallenden Samba "1 2 3" oder dem längeren, nachdenklich-zerbrechlichen Liebeslied "Arche Nova". Das folgende gleichfalls neue "The Getting (Not The Having") könnte und sollte es auf jedem guten Radiosender (kennt jemand zufällig einen?) zu Hit-Ehren bringen, nicht weniger als danach auch "Discover Me". Worauf sich "Innocent" anschließt, das gewissermaßen ja schon ein Hit und auf gleich zwei Menino-Alben vertreten ist. Eine völlig überarbeitete Version von "Into My Heart" von "Juno" läutete schließlich das ein, was keiner wollte, was aber natürlich irgendwann kommen mußte, das Ende dieses gemeinsam mit dem Publikum gefeierten Festes, zu dem man wirklich nur sagen kann: Fantastisch angeheizt! Menino werden noch einige Konzerte in diesem Jahr geben - für diese 39° lohnt sich jede Anfahrt. Promise.

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Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Bettina Reckter-


 
 

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