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Konzert-Bericht
 
Arbeitsteilung

The Bees
Coparck

München, Atomic Café
31.05.2002

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The Bees
Nachdem ihr "Sunshine Hit Me" betiteltes Debütalbum auch an dieser Stelle relativ freundlich besprochen wurde, sind die Bees nun in Europa unterwegs, um sich auch als Live-Formation zu präsentieren. Das weckt insofern Neugierde, als das Duo auf seiner Scheibe mit ständig wechselnden Stimmungen und Instrumentierungen aufwartet und eine Umsetzung eigentlich nur als Semi-Karaoke-Veranstaltung oder superreduziertem Lofi-Krach denkbar scheint. Tatsächlich haben sich Paul Butler und Aaron Fletcher vier Gäste in's Boot geholt, um die vielschichtigen Arrangements und mehrstimmigen Gesangssätze umzusetzen - aber dazu später mehr.
Als Support hatte man ihnen die Labelmates Coparck aus Amsterdam mitgeschickt, die fast zeitgleich mit den Bees mit ihrem Erstlingswerk "Birds, Happiness & Still Not Worried" bei uns vorstellig wurden. Die haben an diesem Freitagabend das zweifelhafte Vergnügen, bei bestem Biergartenwetter ein nur in Rudimenten vorhandenes Publikum in Stimmung zu bringen. Vor maximal 20 Zuhörern wurde das Material unter massivem Samplereinsatz mehr oder weniger eins zu eins reproduziert und in einer, der Vortragssituation wenig angemessenen, Bühnenshow präsentiert. Was den Sound betrifft fast perfekt, aber insgesamt auch etwas unspontan: Ohne nennenswerte Interaktion mit dem Publikum wird der Staffelstab nach einer knappen Dreiviertelstunde an die Bees übergeben.

Als die dann nach einer ausführlichen Umbaupause die niedrige Bühne im ganz auf 60s getrimmten Atomic Café besteigen, ist der kleine Club zumindest einigermaßen besetzt, wenn auch alles andere als voll. Was zunächst auffällt, ist, daß das Duo eine seltsame Form der Arbeitsteilung etabliert hat. Während Butler als Sänger und Conferencier mit ganz an den Bühnenrand geschobenem Rhodes-Piano klar im Zentrum steht und dazu noch wechselweise Gitarre und bei einem Stück sogar Trompete und Picolo-Flöte spielt, verschwindet Fletcher förmlich mit seinem Baß in der Schar der Tourmusiker. Neben einem Schlagzeuger und einem Gitarristen komplettieren ein singender Trompeter und ein Percussion spielender Hammond-Organist die Formation.

Gleich beim ersten Lied schlägt den Herren von der Isle of Wright deutlich mehr Sympathie entgegen, als ihren Anheizern, obgleich sie weder in musikalischer Perfektion noch in originalgetreuer Reproduktion mit ihnen konkurrieren können - wahrscheinlich auch gar nicht wollen. Die Art des Vortrages nimmt den Songs die Spur artifizieller Gespreiztheit, die auf der Veröffentlichung hier und da mißfiel und insgesamt kommen die Bees wesentlich kohärenter daher als auf Tonträger. Die von Reggae und Dub inspirierten Nummern gelingen besonders gut und hier und da wird sogar ein wenig getanzt. Höhepunkt des Abends ist dann das border-rockige "A Minha Menina", bei dem sogar etwas mehr Bewegung ins Publikum kommt. Da Mangels Repertoires nicht mehr als zwei Zugaben drin sind, ist auch schon bald alles vorbei und den Musikern wird noch eine Weile hinterher applaudiert. Als dann der DJ das Zepter übernimmt, passiert etwas bemerkenswertes: Während zum wirklich tanzbaren Sound der Bees nur verhaltenes Nicken und Hüftkreisen angesagt war, legen Teile des Publikums nun auf der Tanzfläche regelrecht blinden Aktionismus an den Tag.

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Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Joschka Altschäffl-

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