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Konzert-Bericht
 
Knietief im Dispo

Fehlfarben

Köln, Gebäude 9
17.08.2002
Fehlfarben
Peter Hein auf allen Kanälen: Nachdem er in letzter Zeit etwas abgetaucht war, läuft man ihm bzw. seiner Reputation inzwischen wieder ständig über den Weg - in "Verschwende deine Jugend", bei der bevorstehenden Reunion der Family*5 und nun auch als Kopf der ebenfalls, reformierten Fehlfarben, die im Herbst gut zwei Jahrzehnte nach "Es geht voran" und gut zehn Jahre nach dem ersten, wenig überzeugenden Comeback mit der "Platte des himmlischen Friedens", auf Wonder/Studio K7 fast in Originalbesetzung ein neues Album veröffentlichen wollen. Vorab gab es erste Einblicke in die Fehlfarben-Welt 2002 mit einem exklusiven Showcase auf der Popkomm.
"Scheiße, nix Neues - Scheiße, nix mehr wie früher!" So stand es handgeschrieben auf den beiden Plakaten hinter der Bühne im ausverkauften und unglaublich heißen Gebäude 9, wo die Fehlfarben nach gut einem Jahrzehnt Pause erstmals wieder zusammen auf der Bühne standen. Tatsächlich gab es an diesem Abend eine ausgewogene Mischung aus neuen Stücken und Nummern aus der "Monarchie und Alltag"-Ära. Stücke von anderen LPs wurden mit Ausnahme von "Wie bitte? Was?!", welches auf der letzten Studio LP (wieder-) veröffentlicht wurde, nicht gespielt. Von der legendären ersten LP wurden einige Klassiker zum Besten gegeben, wie "Grauschleier", "Das sind Geschichten", "Gottseidank nicht in England", "Paul ist tot" und eine "apokalyptische" Version von, na was wohl, "Apokalypse". Dennoch zeigten die Fehlfarben an diesem Abend, dass sie mit der Zeit gehen, und so hat natürlich auch Kurt Dahlke - "der Pyrolator, oder Pyro", wie ihn der Sänger nannte - nicht mehr den in der Düsseldorfer Ausstellung "Zurück zum Beton" zu bestaunenden Brontologic, sondern einen Laptop vor der Nase. Die neuen Stücke klangen - nach erstem Eindruck - recht anständig; wirklich im Ohr hängengeblieben sind dabei "Reiselust", "Rhein in Flammen" und eine Nummer, die wohl "Club der schönen Mütter" heißen dürfte. Insgesamt war nicht zu überhören, dass sich die Erfahrung und Reife der nun nicht mehr ganz sooo jungen Herren und der jungen - hervorragenden - Schlagzeugerin Saskia von Klitzing natürlich in etwas anderer Musik und Texten ausdrückt als während der "M&A"-Phase. Der Trademark-Sound, geprägt durch Thomas Schwebels Telecaster und Vox-Amplifizierung und die Stimme von Peter "...auch das Bier ist sackwarm..." Hein, ist immer noch vorhanden, die neueren Nummern klangen dennoch irgendwie konstruierter und rockiger. Die Band wirkte eher wie ein Projekt - was sie wohl auch ist. Somit konnte sich nach erstem Hören - auch textlich - kein absoluter "Oh!"-Effekt einstellen (was aber ja auch nicht unbedingt sein muss).
Fehlfarben
Trotzdem war die Stimmung gut und Spielfreude kam auch auf, vor allem bei einem ganz besonderen Schmankerl für die Zuhörer. Zum Anfang und Ende des Konzertes gab es nämlich Punk! (nur echt mit Ausrufezeichen) vom Feinsten. Diverse Mittagspause- und SYPH-Nummern wurden intoniert, so kamen die Zuhörer in den Genuss, als Opener "In der Tat" und "Industriemädchen" zu hören. Als Zugaben, nachdem sich Peter Hein seines Sakkos entledigt hatte (Was geht denn da? Schwebel im Blouson, Hein im Zweireiher bei 50° - eingebauter Wärmetauscher?), gab's noch "Innenstadtfront" und "Zurück zum Beton". Apropos Kleidung: Peter Hein trug ein blaues Hemd mit einem Aufnäher mit den Buchstaben FDJ auf dem Ärmel. FDJ - Freie Deutsche Jugend? Oder besser doch: Ferschwende Deine Jugend? Die Menschen auf der Bühne machten jedenfalls nicht den Eindruck, als ob sie ihre Jugend oder sonstigen Teil ihres bisherigen Lebens "ferschwendet" hätten. Wie die Fehlfarben sich im Spannungsfeld der eigenen Legende, des im NDW-Revival-Trubel im Gegensatz zum letzten Comeback stark gestiegenen Erwartungsdrucks und der musikalischen Wirklichkeit des neuen Jahrtausends bewähren, kann letztendlich allerdings erst das neue Album wirklich zeigen.
Surfempfehlung:
www.fehlfarben.com
Text: -Jörg Castor-
Fotos: -Ulrich Hörkens [www.g9fans.de]-


 
 

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