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Von frisch gekocht bis aufgewärmt

16. Bizarre Festival

Weeze, Flughafen
16.08.2002/ 17.08.2002/ 18.08.2002
Farin Urlaub
Wenn jedes Jahr im Spätsommer PopKomm, Ringfest und das nahe Bizarre-Festival rufen, herrscht musikalischer Ausnahmezustand am (Nieder-)Rhein. Vom Clubkonzert über das Straßenfest bis zum amtlichen Festival auf der Wiese dürfte dabei für jeden Geschmack etwas zu finden gewesen sein. Dass die Bands und Künstler aus allen nur erdenklichen Stilrichtungen stammen, ist Salz in einer Suppe, die gut abgeschmeckt sein will. Gaesteliste.de hat im Bizarre-Topf ein wenig herumgelöffelt und einige Konzerte gefunden, wie sie unterschiedlicher kaum hätten schmecken können.
Incubus
Am Freitag gab es auf der Mainstage u.a. recht amtliche Gigs von Leaves, British Sea Power und Badly Drawn Boy zu bestaunen. Letzterer nutzte die Gelegenheit und mischte sich unmittelbar nach dem eigenen Auftritt unter das Röyksopp-Publikum vor der Electronic Music Stage. Die Norweger wussten mit ihren, mal sphärischen, mal treibenden Klängen und einigen bunten Animationen zu gefallen. Klar, dass "Poor Leno" nur am Ende eines kurzweiligen Gigs stehen konnte. Apropos Animationen: Mit ebendiesen hatten leider nur zu offensichtlich das Wiener Elektrokollektiv Sofa Surfers zu kämpfen. Feiner Auftritt, nur die als unbedingter Vocal-Teil der Show zu verstehenden Einspielungen litten unter dem hellen Nachmittagslicht. Nickelback und Jimmy Eat World derweilen auf der Mainstage dürfen als solide gelungen verbucht werden. Keine großen Überraschungen verglichen mit den Club Shows der vergangenen Monate, was der Menge vor der Bühne zum Fest gereichte. Doch ein gewaltiges Highlight sollte ganz am Ende des ersten Tages stehen: DJ Shadow - kein Mann für die Masse, sondern eher für erlesene Geschmäcker - lässt bei seinen sonst rar gesäten Gastspielen in den ausgesuchtesten Clubs zwischen London und Tokio immer wieder aufs neue klangästhetische, wie auch visuelle Träume wahr werden. Ungewöhnlich daher der Auftritt im sporthallengroßen Hangar auf der 2nd Stage. Dort hatten sich gegen zwei Uhr nachts dann immerhin noch ca. 1 000 Willige eingefunden, die nach soliden Chemical Brothers und den arg seicht geratenen Morcheeba noch eine Extraportion Glück abgreifen wollten. Das Set bestand größtenteils aus Material des legendären "Endtroducing"-Albums sowie aus Tracks der aktuellen "Private Press". Soweit nichts ungewöhnliches. Was allerdings in Sachen Turntablism, gepaart mit visueller Umsetzung auf drei tryptichonartig angeordneten Videoscreens geboten wurde, kann heutzutage locker Standards setzen. Nicht nur aus der Konserve, sondern vermengt mit Live-Bildern einer Minikamera am DJ-Pult, sowie Impressionen aus dem Publikum entstand ein 90minütiges, dreidimensionales Kunstwerk. Wenn dann inmitten ambienter Breakbeats, trippigem HipHop und anderer untergründigen Electronica noch Klangperlen wie das schwebende "Midnight In A Perfect World", Strandgut a la "What Does Your Soul Look Like" oder "Fixed Income" erklingen, entlässt ein zurecht enthusiastisches Publikum den Künstler, welcher sich artig per Handschlag in der ersten Reihe bedankt. Mit Abstand der Höhepunkt im nunmehr dritten Jahr der E-Beats Stage auf dem Bizarre. (MK)

Während auf der Main-Stage am Samstag Acts wie Filter, Turbonegro oder Korn von den vielen Fans gefeiert wurden, gab es auf der Second-Stage einige nette Überraschungen. So strömten zum Beispiel trotz unglaublich hoher Temperaturen die Menschen in den ausgedienten Flugzeug-Hangar, dass Einigen vom Sicherheitspersonal sogar der Einlass verwehrt wurde. Dass sich das Publikum bei Fettes Brot vor der Main-Stage nicht verloren vorgekommen wäre, ist klar. Aber sicherlich wäre die Atmosphäre nicht so intim und großartig gewesen. Schon bei den ersten Klängen klatschten sich die Fans in Extase. Nicht nur die Single-Hits, wie es sonst zu oft auf einem Festival ist, wurden gefeiert. Auch die etwas unbekannteren Songs der Hamburger wie "Hier drinne" oder "Ich hasse das" wurden wortwörtlich mitgesungen. Leider hatten die Drei viel zu wenig Zeit, um jeden Liedwunsch zu erfüllen. Und trotzdem durften einige Songs nicht fehlen: "Schwule Mädchen", "The Grosser" von ihrem Album "Demo-Tape" und natürlich "Jein" und "Nordisch By Nature", das von den Pauli-Fans in eine Disco-Funk-Nummer verwandelt wurde. Ähnlich euphorisch sah es in der Halle auch bei den Berlinern von Seeed aus. Nur zum richtig ausgelassen Feiern war es einfach viel zu heiß. Davon bekam Junkie XL nichts mehr zu spüren. Mit seinem Set schloß er sich direkt an das Konzert von Korn an, die mal wieder ein wenig lustlos wirkten. Trotzdem versammelten sich nicht nur die Fans vor der großen Bühne. Bei Junkie XL flohen die Massen wieder, was aber nicht an der Qualität seiner Musik lag. Die Meisten waren nach dem langen Tag einfach geschafft und auf dem Weg ins Zelt zurück. Bei Faithless hatte sich die Wiese vor der Bühne zwar schon sehr gelichtet, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Neben der aktuellen Single "Ali" kamen natürlich auch die großen Hits nicht zu kurz. Auch wenn die Open-Air-Auftritte von Faithless einfach atmosphärisch etwas besonderes sind, so stimmungsvoll wie in einer Konzerthalle wurde es im Publikum nicht. (EM)

Die Toten Hosen
Sonntag ging es gleich in die Vollen. Während sonst der Opener Niederrhein nie mit den Großen mithalten konnte, zeigten Stigma aus Hilden, dass es auch gute Bands gibt, die bisher nur noch nicht die Möglichkeit hatten, zu zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Immer voller wurde es während der fünf Songs, die von der Nachwuchsband durch die Lautsprecher geschickt wurden. Neben dem Frontmann, der sich seine Bewegung wohl bei Coby von Papa Roach abgeschaut hat, begeisterte vor allen Dingen der Schlagzeuger, mit seinen Bandkollegen für einen außerordentlich vollen Sound. Für den halbstündigen Auftritt von Within Temptation sind sogar Fans aus Frankreich angereist. Kein Wunder, denn neben schönem Slow-Metal, begeistert vor allen Dingen die Sängerin mit ihrer kraftvollen und ausgebildeten Opernstimme. Ein gutes Kontrastprogramm zu den vielen kommerziellen Bands wie Sportfreunde Stiller, Incubus oder Farin Urlaub. Die größte Überraschung lieferten dann die Toten Hosen. 1996 begeisterten sie beim Bizarre auf dem Butzweiler Hof in Köln mit einem "Best Of"-Konzert. Wer danach und den letzten Veröffentlichungen dachte, dass die Hosen so langsam besser mal in Rente gehen sollten, der irrt. "Nur zu Besuch" rührte die Menschen sichtlich an, während bei Hits wie "Hier kommt Alex" oder "Liebesspieler" das Publikum nicht mehr zu bremsen war. Allen, die auf der Pressekonferenz der CCB an Ostern ihrem Unmut gegen die Headliner Luft gemacht hatten, zeigten es die Alt-Punks aus Düsseldorf noch einmal so richtig. Die Stimmung war vor der Main-Stage am ganzen Wochenende nicht so heiß gewesen. (EM)

Ein rundum gelungenes Festival. Jedoch leider nicht so friedlich, wie man es sich wünschen würde. Die Ordner griffen manchmal zu fest zu (vielleicht sollten die Firmen ihre Sicherheitskräfte mal nach Roskilde schicken - da können sie noch eine Menge lernen), aber auch manche Fans übertrieben es, so dass die Polizei in der Nacht von Sonntag auf Montag 15 Personen festnehmen musste. Was natürlich einen üblen Beigeschmack hinterlässt.

Surfempfehlung:
www.bizarre.de
Text: -Gaesteliste.de Festival Patrol (Mai & Kellenbenz)-
Fotos: -Ralf Nitschkowski / Esther Mai-


 
 

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