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Konzert-Bericht
 
Alter vor Schönheit

Lee Hazlewood

Hamburg, Fabrik
13.09.2002
Lee Hazlewood
Wenn Kinder von der Zukunft träumen, sagen sie gerne "wenn ich groß bin, möchte ich...". Wenn Erwachsene das tun, heißt es eher "wenn ich in Rente gehe, möchte ich...". Betrat man die Hamburger Fabrik zum Konzert von Lee Hazlewood, hatte man eine recht ansprechende Perspektive vor sich: "Wenn ich in Rente gehe, möchte ich immer noch auf Konzerte gehen und mich gemütlich mit einem Bier auf der Tribüne niederlassen. Vielleicht spielen dann ja Sonic Youth dort vorne."
Betrat man die Fabrik als Mensch unter 50, fühlte man sich so jung wie lange nicht mehr. Die ersten Reihen waren bestuhlt, die Tribünen weiter hinten stehen eh dort, und auf den Sitzgelegenheiten hatten sich bereits viele Senioren niedergelassen und mit einem Getränk versorgt. Jüngeres Publikum tauchte erst nach und nach auf und verteilte sich weiter hinten. Dann betraten Lee Hazlewood und seine junge Band die Bühne, und es war, als sei man in einem Spiegelkabinett: Auch Hazlewood ging ganz nach vorne und nahm auf einem Barhocker Platz, während die Band sich an den hinteren Rand der Bühne geradezu quetschte. Dem Alter der Vortritt. Das galt auch für das Repertoire: "These Boots Are Made For Walking", "My Autumn Done Come", Songs aus einer Zeit, an die sich jene auf den Tribünen und Stühlen wehmütig erinnern. Von seinem neuen Album "For Every Solution There's A Problem" spielte er nur "Dirtnap Stories". Ein Abgesang auf Vergangenes, wie viele der Songs des Abends. Vergangen sind vierzig Jahre, die Jugend, die Schönheit. Geblieben ist Lee Hazlewoods Coolness, die noch immer aus jeder seiner Poren dringt, und sein nicht immer ganz jugendfreier Humor. Verflüchtigt hat sich seine Textsicherheit, weswegen er vor sich ein Heft aufgeschlagen hatte. Geblieben ist seine charismatische, grollende Stimme. Er klingt wie schon immer, wenn man einmal davon absieht, dass es vor vierzig Jahren noch nicht jene fies quietschenden Synthesizer gab, denen sein Keyboarder heute penetrant-esoterisches Gewaber und elektronisch-alberne Frauenstimmen entlockt. Das einzig Nervende an einer blutjungen Truppe, die ansonsten einen sparsamen, gut zu der Musik von Lee Hazlewood passenden Sound lieferte.
Als nach 90 Minuten alles vorbei war, wusste man: Gar nicht einmal so schlecht, dieses Alter. Auf Konzerten setzt man sich eben hin, was soll's. Nur auf eines wird man verzichten müssen: Träume von der Zukunft.
Surfempfehlung:
www.leehazlewood.com
Text: -Christian Zeiser-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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