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Konzert-Bericht
 
Schwedenhappen flambée

In Flames
Pain/ Soilwork

Köln, Live Music Hall
10.10.2003

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Soilwork
Ein Abend so recht zum Vorurteile dahinmeucheln: Unsereiner hatte beispielsweise bislang eigentlich immer gedacht, dass Pain, die in Reviews stets als sowohl auf Electronica-/Dance- wie auf Metal-Beinen stehend beschrieben werden, eher Ohrschmerzen verursachen müssten und diese Band bei dem heutigen Package folglich eher mit in Kauf genommen: Großer Fehler... Hatte zwotens gedacht, dass im Bereich melodischer Death Metal schwedischer Provenienz letztlich nichts über Hypocrisy geht. Riesiger Fehler: Die Landsleute von Soilwork und In Flames brauchen sich vor nichts und niemand zu verstecken. Mit 1.000 gemeinsam gegen das Verkuttungsverbot verstoßenden Mähnenträgern war die Live Music Hall an diesem Abend sogar ausverkauft, was zum Teil am fairen Preis von 16 Euronen, vor allem aber an den exzellenten aktuellen Alben von In Flames und Soilwork gelegen haben könnte.
Besagte Soilwork verdanken ihren Major Label-Durchbruch offensichtlich unter anderem sympathischerweise der Vermittlungstätigkeit von Wundergitarrist Mike Amott (Carcass, Arch Enemy), der so angetan von einem zugesteckten Demo war, dass er es höheren Ortes weitergab und -empfahl. Ob der aktuelle Silberdreher "Natural Born Chaos" nun - wie vielerorts zu lesen war - der Stilistik "Trash Metal" (waren das nicht eher die Schreddertruppen à la Slayer und Sodom?) oder - weit nachvollziehbarer - dem Genre "Melodic Death Metal" zuzurechnen sei, soll anderer Leut's Doktorarbeiten beschäftigen. Wissenschaftlich unbewiesen, aber dennoch unstrittig ist jedoch die große Reife dieses fünften Albums, der zweiten Veröffentlichung bei Nuclear Blast, für die als Produzent sogar Devin Townsend gewonnen werden konnte.

Eine "Vorgruppe" im klassischen Sinne (Vollspacke von Ansager turnt auf die Bühne und tönt mit aasigem Grinsen: "Die Superstars sind nicht alleine gekommen, oh nein, sie haben Freunde mitgebracht". Worte, die stets vom Auftritt der ein bis zwei Bands gefolgt werden, die Du garantiert noch nie live sehen wolltest...) sind Soilwork also wahrlich nicht, sondern eine echte Bereicherung dieses nordischen Liederabends. Nach einem stimmungsvollen, fast sanften Piano-Intro steigen die Schweden in eine noch schöner als von Konserve Härte und pure Melodiefreude verbindende Fassung von "As We Speak" von "Chaos" ein. Das "Böse", also der Eindruck einer beklemmend-unheimlichen Präsenz steckt hier ausschließlich in Harmonien und Klangfarben verborgen, die Melodien selbst sind - ungeachtet der verzerrten Gitarren - purer Wohlklang. Im Folgenden fällt auf, dass die Band das Set-Up von Pain mitbenutzen dürfen, klasse, das erspart unnötige Umbauzeit. Ein weiteres heute fallendes Vorurteil ist übrigens, dass man mit Vollglatze nicht headbangen könnte: Sänger Björn Strid würde jeden einschlägigen Contest mühelos gewinnen. Und auf den nicht mehr ganz neuen Bassisten Ola Flink - nomen est omen - können Soilwork unseres Erachtens gleichfalls ganz besonders stolz sein. Nicht nur ist sein Spiel ebenso virtuos wie songdienlich, er scheint auch der einzige uns bekannte Bassist zu sein, der den tierischen Livesound des frühen Jean Jacques Burnel (Stranglers) drauf hat. Vorgeführt wurde dies u.a. beim Titelstück von "Natural Born Chaos" sowie beim abschliessenden "Structure Divine" vom Vorgänger "A Predator's Portrait".

Als nächstes erklommen Pain die Bühne, Side-Projekt des Hypocrisy-Masterminds und Boss der Abyss-Studios, Peter Tägtgren. Wie oben bemerkt zogen die Jungs dem Rezensenten in Sekundenschnelle und ohne weitere Betäubung als einen Melodienvorschlaghammer den Zahn, es handele sich hier um diskoverseuchte Tanztempelmucke: Zumindest live langen die Schweden derartig auf die Zwölf, dass sogar Assoziationen zu Dark Tranquillity auftauchen. Trotz des auffallend brillianten, mal gänzlich clippingfreien Sounds in der Halle war die Setlist nicht weiter zu identifizieren, auch ohne Vorkenntnisse stach dennoch mühelos die Pain-Fassung des Beatles-Klassikers "Eleanor Rigby" heraus, "Done In Hippie Style". Starke Band.

Die derzeit wohl populärste Death Metal-Band war wieder mit einem Stage-Set erschienen, das auf den auch schon "The Tokyo Showdown" zierenden Sternen sowie den InFernalisch blendenden Buchstaben "I" und "F" als Leuchtkörper beruhte. Nette Idee, aber hier wirklich so hingebungsvoll eingesetzt, dass das Publikum spätestens nach drei Stücken wirklich nur noch Sternchen sah. Getröstet wurden die so zeitweilig Erblindeten aber immerhin mit mehreren Highlights vom neuesten flambierten Schwedenhappen, "Reroute To Remain", darunter dem Titelstück. Daneben lagen aber auch durchaus Schmankerln wie "Episode 666", "Clayman", "Colony", "Artefacts Of Black Rain" oder "Food For The Gods" auf der Schlachtplatte. Zumal schienen Sänger Anders Fridén und seine Entflammten bestens aufgelegt und voller Spielfreude und bangten sich geradezu ins Schleudertrauma - well done!

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Surfempfehlung:
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www.soilwork.de
Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Stephan Kunze-

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