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Konzert-Bericht
 
Die Gesichter des Country

Jason Ringenberg

Hamburg, Tanzhalle St. Pauli
23.10.2002
Jason Ringenberg
Sie sind alle gekommen. Wenn Jason Ringenberg - Ex-Kopf der Speed-Country-Formation Jason & The Scorchers - auftritt, sind Vertreter aller möglichen Country-Facetten zugegen. Da ist der distinguierte Americana-Fan im sauber geschneiderten Cord-Anzug, der genüsslich mit seinem Bier an der Bar lehnt. Da ist das Country-Groupie, um die 40, blond, mit Stetson-Imitat und Halstuch, das in der ersten Reihe steht und den Star anhimmelt. Und da ist jener Besucher aus Litauen, der vielleicht die zwei wichtigsten Country-Symbole repräsentiert: Die Einsamkeit und den Alkoholkonsum. Sturzbetrunken fällt er wahllos anderen Gästen um den Hals und sagt die einzigen zwei Worte, die er auf englisch beherrscht: "No problem!" Bis er von einem massigen Kerl rüde weggeschoben und fortan nicht mehr gesehen wird.
Jason Ringenberg betrachtet die Szene nur beiläufig. Er ist gerade dabei, einen weiteren Country-Klassiker gnadenlos durch den Hochgeschwindigkeits-Fleischwolf zu drehen. "Take Me Home, Country Roads" verliert jeglichen Kitsch-Einschlag, wenn es in dreifacher Geschwindigkeit vorgetragen wird, und das von einem, dessen Beinarbeit Elvis Presley die Tränen der Rührung in die Augen treiben würde. Ringenberg findet sichtlich Gefallen an der verqueren Mischung, die ihm da gegenübersteht. Vergnügt jagt er durch das Scorchers-Repertoire, einigen Songs seiner zwei Soloalben und viele, viele Coverversionen. Und stört sich nicht daran, dass auch der Song, der am frenetischsten bejubelt wird, nicht von ihm ist.
Bob Dylans "Absolutely Sweet Marie" wird auf die häufig gestellte Frage "any requests?" lautstark eingefordert und anschließend noch mit einem herzlichen "Yee-haw!" quittiert. Ringenberg freut sich darüber. Da ist es egal, dass sein eigenes, wunderhübsches "Last Train To Memphis" nicht annähernd so stürmisch bejohlt wird wie "Lost Highway". Um ihn herum sind die versammelt, die so gerne das sein wollen, was er wirklich ist: Country. Und die alles dafür tun, bei ihm etwas zu lernen. Auch wenn der, der am dichtesten dran war, schon rausgeflogen ist.
Surfempfehlung:
www.jasonringenberg.com
Text: -Christian Zeiser-
Foto: -Pressefreigabe-

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