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Konzert-Bericht
 
Flowerpower mit Schmerzenskönig

The Flower Kings

Essen, Zeche Carl
20.11.2002

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The Flower Kings
Das Publikum auf Progressive Rock-Konzerten scheint sich von dem bei allen anderen Metal-Events grundlegend zu unterscheiden: Bei Gothic-Gigs sind zugegeben meist die Mädchen im Pit viel hübscher, bei Black Metal-Acts gibt's phantasievollere Selbstkostümierung (Marke Lemuren und Pandabärchen) und -inszenierung als selbst noch auf dem Kölner Geisterzug zu bewundern, bei Thrash-Convents erfreuen Nieten und Patronengürtel soweit das Auge reicht, aber beim ProgMetal scheinen sich signifikant häufig besonders fachkundige und vor allem kommunikationsfähige Menschen zu versammeln. Dies war jedenfalls so auch wieder beim Essener Konzert der Flower Kings zu beobachten, als die Schweden unter fortgesetztem Abspielen des Blumenwalzers über die PA der anfangs noch etwas unterbesetzten Zeche noch eine dreiviertel Stunde Zeit ließen, einen höheren Befüllungsgrad zu erreichen. Zum einen ging diese Rechnung erfreulicherweise auf - die urig-gemütliche Halle wurde zwar nicht voll, aber doch zumindest belebter - zum anderen ließ dieses Verfahren der angereisten Merkergilde Zeit, sich endlich mal in Ruhe kenntnisreich über die Flower Kings im Allgemeinen, über das neue Album "Unfold The Future" im Besonderen und natürlich die progressive Szene überhaupt auszulassen.
Schlag 20.45 Uhr wurde jedoch bereits mit den ersten Takten von "The Truth Will Set You Free" deutlich, dass sich Anreise und Warten gelohnt hatte: Der Opener des aktuellen Doppelalbums wurde in voller (etwas über halbstündiger) Länge inszeniert und verschaffte u.a. Bandboss Roine Stolt Gelegenheit, seine Steve Howesken, wundervoll mit dem Volumeregler zaubernden Gitarrenfiguren Gehör zu verschaffen. Schlicht atemberaubend auch das Bass-Solo von Jonas Reingold, für das er zu einem Fretless griff. Als Sahnehaube auf dem Blumenstrauß war Daniel Gildenlöw von Pain Of Salvation als sechste Blüte mit auf dem Set. Der bescheidene Ausnahmemusiker versteckte sich zwar am äußerst linken Bühnenrand hinter seinem Percussion-Aufbau, einer penetrant spiegelnden Brille und einem neuen Kinnbärtchen, konnte aber auch so nicht verhindern, dass seine musikalischen Beiträge mit charakteristisch-unglaublichen, hohen Backing Vocals, Gitarre, Percussion und Keyboards begeistert wahr- und aufgenommen wurden. In schöner Entsprechung zu einem Konzert-Opener, der länger dauerte, als Dire Straits manchmal insgesamt gespielt haben, revanchierte sich am Ende von "Truth" das Publikum denn auch erstmal mit minutenlang anhaltendem Applaus...

Das folgende "Monkey Business" hielt zunächst noch die Playlist von "Unfold" ein, doch danach schoben die Schweden mit "Road To Sanctuary" ein Stück Riff-Rock vom 2001er Album "The Rainmaker" zwischen, bis mit "Vox Humana" wieder ein aktueller Song, seine balladeske Wirkung entfaltete, nicht zuletzt unterstützt von der Feuerzeug-Mini-Lightshow des kettenrauchenden und permanent Jokes reissenden Keyboarders Thomas Bodin. Mit dem live selten zu hörenden, majestätischen "Humanizzimo" führte uns das letzte Lied vor der Pause dahin zurück, wo vor zehn Jahren alles mal angefangen hatte, zum ersten Album "The Flower King" nämlich, das noch unter dem Namen von Roine Stolt allein erschienen war. Besonders berückend hier das Single Note-Solospiel von Roine. Nach satten anderthalb Stunden (aber nur fünf Einzelstücken) entliessen die Blumenkönige nun ihr sichtlich ergriffenes Publikum in eine kurze, nicht unwillkommene Verschnaufpause.

"Rollin' The Dice" legte nach der Unterbrechung gleich wieder ein jazzig-beschwingtes Tempo vor und ließ endlich einmal auch Daniels Gesangstalente prangen, auch wenn die aktuellen Stücke "Fast Lane" oder "Devil's Playground", die fast ausschließlich von seinen Vocals leben, diesmal vermisst wurden. Auf dem ruhigeren "Genie In A Bottle" konnte Daniel immerhin beweisen, dass er seine Parker-Gitarre nicht weniger beherrscht, als die anderen beiden Blumengitarristen. Für "Chicken Farmer Song" vom "Rainmaker"-Album durfte es dann sogar eine Rickenbacker Twelvestring sein. Auf "Black And White" konnte nun Thomas Bodin in einem ausgedehnten Keyboardsolo seine Fähigkeiten demonstrieren, was er unter anderem dazu nutzte, seine rollige Katze lautmalerisch nachzuempfinden. Das Stück endete mit exzessivem "tribal drumming" seitens Kings-Schlagzeuger Zoltan, unterstützt von Daniel und dem sympathischen zweiten Sänger, Rhythmusgitarrist und Poserkönig Hasse (Fröberg). Mit dem getragenen "Silent Inferno" und den mächtigen Beatles-Chören von "I Am The Sun" (von "Space Revolver") klang der offizielle Teil in Essen aus. Die Blumenkinder liessen sich zwar noch einmal für ein kurzes Medley aus u.a. dem Bühnenfavoriten "In The Eyes Of The World" auf die Bühne locken, doch nach über drei Stunden intensivsten Musikerlebens waren schließlich sowohl die Musiker wie Ihr Publikum schlicht gar.

Künstlerisch bietet diese Tour so etwas wie eine seltene Gelegenheit, derart viel Talent auf einem Haufen sehen zu können (wie sonst vielleicht noch beim All-Star-Projekt Transatlantic, dessen Fortbestehen aber durch Neal Morses spirituelles Abdriften mehr als fraglich erscheint. Und was "value for money" sowie Spielfreude angeht, stellt dieses Package ohnehin ein schlicht konkurrenzloses Angebot dar.

Setlist:
The Truth Will Set You Free
Monkey Business
Road To Sanctuary
Vox Humana
Humanizzimo
[Intermission]
Rollin' The Dice
Genie In A Bottle
Chicken Farmer Song
Black And White
Silent Inferno
I Am The Sun
[Zugabe]
In The Eyes Of The World / Circus Brimstone

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Surfempfehlung:
www.flower-power.org.uk
www.painofsalvation.com
www.users.wineasy.se/flowerkings/
Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Stephan Kunze-


 
 

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