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Konzert-Bericht
 
Im Namen der Nietenhose

Hammerfall
Masterplan/ Dream Evil

Köln, Live Music Hall
13.02.2003

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Hammerfall
Ein Donnerstagabend im heute rattigkalten Köln Ehrenfeld, die Schlangenbildung vor der Live Music Hall gibt erstens Anlass und zweitens reichlich Zeit zu einigen kleinen soziokulturellen Betrachtungen: Was nur veranlasst so genannte gestandene Männer und Frauen im so genannten besten Alter (teilweise vielleicht sogar ganz leicht über dem allerbesten), sich in eine Phantasiekostümierung zu werfen, die aus wahlweise knallenger Spandex (Marke "Links ein Ei, rechts ein Ei"), Jeans oder vorzugsweise Lederhose, unfehlbar aber immer Band-T-Shirt und vor allem Nieten, Nieten, Nieten besteht? Was scheucht die solcherart Angetanen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Nieseleisregen von ihren Fernsehsesseln auf und treibt sie auf die schlecht ausgeleuchtete Straßen eines Industrieviertels? Es ist nicht der König Karneval, nein es ist der True Metal.
Und in Sachen True (also etwa: unverfälschter) Metal gab es an diesem Abend einen (bei Hammerfall buchstäblichen) Rundumschlag, beginnend mit den sympathischen Schweden Dream Evil, die sich '99 im Kielwasser der durch den Hammerfall-Erfolg ausgelösten zweiten True Metal-Welle gebildet hatten. Während man genau diesen Ursprung dem ersten Album "Dragon Slayer" noch relativ unbemüht bei fast jedem Track anhören konnte, ist beim aktuellen Rundling "Evilized" schon weit größere Eigenständigkeit zu konstatieren.

In Köln nun zeigen die Schlechtträumenden erst mal, aus welchen Holz sie geschnitzt sind. Zu diesem Behufe macht sich Drummer Snowy Shaw oben 'rum frei und die Band intoniert "Made Of Metal": Sicherlich eines der schlichtesten Liedchen aus ihrem Programm, aber in seinem hymnischen, einschwörenden Charakter perfektestens als programmatischer Einstieg in dieses Konzert geeignet. Außerdem gehören mit "Children Of The Night" (von der neuesten Schlafstörung) und dem schön treibenden "The Prophecy" (vom Erstling) auch ausgesprochen starke Nummern in ihre nur sechs Stücke umfassende Setlist. Auf der Bühne alles vom Allerfeinsten: Sänger Niklas Istfeld braucht sich im Schwertfuchtler-Metall-Beritt vor nichts und niemand zu verstecken und die in (siehe oben) eine mehr als befriedigende Anzahl von Nieten gehüllte Band spielte so tight wie engagiert und verströmte insgesamt eine bei den ganz schweren Metal-Jungs nicht so oft zu beobachtende positive Grundstimmung.

Nach erfreulich kurzem Umbau gehörte die Bühne dann den neuen Hopefuls im deutschen True und Power Metal-Ring: Masterplan wurde von Uli Kusch und Roland Grapow als Reaktion auf ihren unsanften Rauswurf bei Helloween gegründet und konnte in der gesamten Presselandschaft bereits prächtige Rezensionen einfahren - soweit diese trotz des überaus merkwürdige Vorstellungen von Presse"arbeit" kultivierenden Label AFM Records überhaupt in den Genuss des in Rede stehenden Dröhnträgers kamen, heißt das... Geschenkt, nun sind die Jungs ja sogar live vor Ort, in just der Besetzung ihrer gottvollen, gelegentlich sogar Progrock-Elemente aufweisenden neuen selbstbetitelten Scheibe. Das heißt also außer den Obenstehenden noch Jörn Lande (u.a. The Ark) am Mikro, Jan S. Eckert (u.a. Mydra, Iron Saviour) an einem nach überdimensionalem Fischbrötchen aussehenden Bass sowie Axel Mackenrott an den schwarzweißen Tasten. Schon mit den ersten Takten und den Textzeilen "Never give up, never give in, Won't stop believing, cause I'm gonna win" des Refrains zeigt das junge Bandprojekt, dass es das Trauma des Rauswurfs bei den Kürbisköpfen wohl exzellent verdaut hat: Gesunde Wut und spielfrohe "jetzt zeigen wir's euch"-Attitüde verbindet sich hier mit bekannt-hohnen spielerischen Fähigkeiten, eingängigen Melodien und dennoch einfach etwas mehr kompositorischer Pfiff als bei den anderen beiden Bands des Abends. Stücke wie das enorm an gute, alte Rainbow gemahnende "Soulburn" oder das dramatisch aufgebaute "Bleeding Eyes" sind halt doch etwas aufwendiger gestrickt, als dumpfbackige Doublebass-Stampfer in der Manowar-Tradition wie "Made Of Metal". Immerhin acht Stücke lang rocken die Masterplaner ein Publikum, das sie [gemäß Blitzumfrage von Gaesteliste.de] mehrheitlich vorher gar nicht kannte und primär wegen Hammerfall gekommen war, sich dies aber wohl gefallen ließ. Von Masterplan wird man ziemlich sicher noch Einiges hören... Der König der Dauerwelle, Sir Roland Grapow, war zwar im Saal aufgrund breiigen Sounds nicht wirklich gut zu vernehmen, aber allein die zwischen Ronnie James Dio, Graham Bonnet und David Coverdale changierende Weltklassestimme von Herrn Lande war die Krummfriererei vor der Halle wert!

Doch nun zu den Headlinern. Nicht gerade als Freunde subtiler Zwischentöne verschrieen, machten die Schweden gleich zu Beginn klar, wo der vielzitierte Hammer hängt, bei ihnen nämlich. Zu diesem Zwecke erscheint eine mit nochmals mehr Nieten behängte Monstergestalt und lässt einen weit überlebensgrossen (Gummi-)Hammer unter erschröcklichen Pyro-Detonationen auf die Bühne donnern - so lieben True Metal-Freunde das! [Unser Mann im Fotograben hätte für euch die Szene gar gerne auf Platte gebannt, was sich aber aufgrund bereits erwähnter Feuerwerkskörper und Erblindungsgefahr nicht realisieren ließ]

Zu Hammerfall möchte Rezensent als erklärter Nicht-Fan sich nicht allzu sehr auslassen, genüge es zu sagen, dass das Publikum mit einem Querschnitt aus den Alben seit '97 vollbedient wurde, sich bei Klassikern wie "Legacy Of Kings", "Stone Cold" oder "Heeding The Call" erkennbar noch ein wenig mehr freute, als bei neuem Material. Es knallte und donnerte ohne Ende, und schließlich brannte sogar das Drumkit (vgl. Foto-Galerie). Kann man mehr verlangen? Beim Namen der Nietenhose - wohl kaum!

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Surfempfehlung:
www.hammerfall.net
www.master-plan.net
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Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Stephan Kunze-


 
 

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