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Konzert-Bericht
 
A Night of EverGREENs

Peter Green Splinter Group
Canned Heat

Köln, Live Music Hall
09.03.2003

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Peter Green
Für die einen ist es nur ein Blues-Gig, für andere - jüngere - wohl ein als Konzert getarnter Geriatrie-Kongress (denn das Treiben vor der Bühne wurde mehrheitlich von reifenden Menschen weit jenseits der 35 gestaltet; das Treiben AUF der Bühne von ausgereiften Menschen, die teils atemberaubend auf die 60 zugaloppieren). Für den Gaestelistenchronisten war's - zumindest in den letzten zwei Dritteln - vor allem ein Abend der nahezu kultischen Gitarrenverrichtungen. Und auch am Thema Erbschaftssteuer werden wir heute kaum vorbei kommen... Was also war wirklich los?
Also - zunächst gehörte das Podium den Jungs um die Canned Heat-Urdose Adolfo de la Parra, die sich um '99 herum gesagt haben müssen, dass sie ihre Bewunderung und Liebe für das Erbe dieser grandiosen amerikanischen Bluesrock-Institution doch genauso gut bzw. wahrscheinlich besser und marktgängiger gleich unter dem Namen "Canned Heat" be- und vertreiben könnten. Gesagt, getan und eingedost: Seither sind Parra (drms, voc; übrigens heuer auf seiner 100. Deutschlandtournee!), Dallas Hodge (guit, voc), Stanley Behrens (hca, sax, flte, voc), John Paulus (guit, grandios!) sowie Greg Kapuczinski (bss, voc und PA-Pechvogeleien) nun also Canned Heat - und begegnen gleichzeitig konsequenterweise der riesigen Erwartungshaltung, die sie mit diesem "Erbe" auf sich genommen haben. Wie die aktuelle, ganz wunderbare CD "Friends In The Can" beweist (vgl. Rezension auf Gaesteliste.de), kann das noch wunderbar aufgehen, wenn einem haufenweise legendäre Musiker der Originalbesetzungen wie etwa Harvey Mandel oder Walter Trout und wenn einem Riesenvorbilder wie John Lee Hooker oder Taj Mahal gästelistenseitig zur Seite stehen.

Wenn man aber ohne Harvey, Walter, John und Taj vor einem kunstsinnigen Kölner Publikum steht und dann auch noch das ganze Konzert über die Bassanlage von Mr. Kapuczinski einen durch Explosionsgeräusche nervenden Pips hat, stellt sich die Situation schon weniger behaglich dar. The short and sweet of it: Diese Formation wirkt trotz Parra an den Jazzbesen im Wesentlichen wie eine Canned Heat-Cover-Band. Nichtsdestotrotz ist das Quintett sehr, sehr sympathisch, legt sich in's Zeug und kann mit seinem Bierzelt-Boogie der Marke Blues Band wohl jede Party verschönern. Ihre Versionen von Klassikern wie "Bullfrog Blues" (vgl. Rory Gallagher), "On The Road Again" oder "Let's Work Together" weckten jedoch in allererster Linie nostalgische Sehnsucht nach den Originalen. Auf der erfreulichen Seite geriet dem Five-Piece die Interpretation der eigenen Frischkompositionen wie das formidable "It Don't Matter" oder "1, 2, 3, Here We Go Again" absolut überzeugend. Gerade Stanley Behrens brillierte an diversen Blasinstrumenten und Stimmenimitationen, am Ende der gebotenen 75 Minuten blieb doch das Fazit: Diese Erbschaft ist vielleicht doch ein wenig zu großformatig...

Ein ganz anderes Bild bietet eine muntere halbe Umbaustunde später Peter Greens Splinter Group: Legitimationsprobleme stellen sich bei dem ehemaligen Mitglied von Mayall's Bluesbreakers, Gründungsmitglied von Fleetwood Mac und vielfachem Hitkomponist als Solokünstler und für Freunde wie Carlos Santana vergleichsweise weniger. Was sich da ein wenig zögernd auf die Bühne führen ließ, war sofort erkenn- und spürbar DAS Original, oder "the one and only", wie es Gitarrist und Sänger der Splintergroup, Nigel Watson mit liebevoller Bewunderung formulierte. Dieser Nigel wäre übrigens allein schon ein veritabler Grund, viele hundert Kilometer zu einem Blueskonzert zu fahren, so unglaublich gut spielt der vollbärtige 150-Kilomann - Plautze an Plautze mit dem ebenfalls seit seinen Greenhornzeiten doch etwas in die Breite gegangenen Peter G. die stets vom Maestro inspirierte Gitarre - und so herrlich interpretiert er auch als Sänger Songs von Green bis Willie Dixon. In ständigem Augenkontakt mit Peter werden auch dessen nicht zu leugnende gelegentlichen Augenblicke von Verlorenheit auf der Bühne durch Nigel souverän überspielt - heraus kommt, gemeinsam mit den anderen Ausnahmemusikern der Splinter Group, wie etwa Larry Tolfree (drms, ex Joe Jackson-Band) oder Jack Straw am Bass ein enorm dichter Zeitreisen-Abend. Denn selbst wenn Peter gelegentliche Absencen zu haben scheint - sein Laidback-Gesang ist in den letzten 32 Jahren seit Fleetwood Macs "Live Chicago" einfach nur immer besser geworden. Und selbst wenn Nigel wie ein Gitarren-Stuntman viele Licks des Meisters doppelt: Wenn Green seine mintgrüne Stratocaster sprechen lässt, ist es einfach Magie. Und schließlich - siehe oben - erfreut sich der '46 geborene Green heute auf der Bühne des Live Music Hall eines Alters, in dem viele andere realistisch betrachtet wohl mehrheitlich nur noch Heizdeckchen auf Butterfahrten ersteigern.

Die heutige Setlist der Splitter stellte eine Ansammlung anbetungswürdiger Bluesrock-Klassiker dar, von "I Believe My Time Ain't Long" (Elmore James) oder "Little Red Rooster" (Willie Dixon) über flammneues Splinter-Material wie "Must Be A Fool" oder "Cool Down" bis hin zu dem, worauf wir natürlich alle wirklich gewartet hatten - all time EverGREENs wie "The Stumble", "Need Your Love So Bad" oder natürlich "Green Manalishi", jener grünlichen Ursuppe, aus der fast alle späteren Bluesrockjams bis heute gekrochen sind. Unterm Strich macht sich trotz grenzwertigen Canned Heat-Auftritts ein Gefühl der Dankbarkeit breit: Welches Glück und Privileg, in einer Zeit zu leben, wo zwar Jimi Hendrix zugegeben schon lange tot ist, wir aber die anderen Stilbildner der elektrischen Gitarre überhaupt, also Peter Green, Jeff Beck, Robin Trower und (so gerade eben noch) Rory Gallagher und Frank Zappa sämtlich noch live erleben konnten und können. 2003 scheint sich dabei ein Inspirationstrend übrigens umgekehrt zu haben: Während in den früher Sechzigern die jungen Briten um Alexis Korner, John Mayall und Peter Green fasziniert den Blues der farbigen US-Originale studierten, spielen heute die (weißen) Britblues-Originale den authentischeren Groove und die (weißen) Amis hängen etwas nach...

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Surfempfehlung:
www.cannedheatmusic.com
www.petergreen.com
Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Bettina Reckter-

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