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"...weil Schill weg ist!"

Koufax
Mates Of State/ Onelinedrawing

Hamburg, Molotow
19.08.2003

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Koufax
"Es ist ein guter Tag für Hamburg, weil Schill weg ist!", sagt Rob Suchan, Sänger und Gitarrist von Koufax in durchaus respektablem Deutsch. Tatsächlich herrscht auf dem Kiez fast schon Volksfeststimmung, und als das Koufax Konzert im Molotow losgeht, waren draußen auf dem Spielbudenplatz schon Mannschaftstransporter und Wasserwerfer der Polizei aufgefahren, um den ob der Ereignisse des Tages allzu enthusiastischen Mitbürgern Einhalt zu gebieten. So gab es einige spontane Freudenfeiern, von denen die meisten wohl auch friedlich über die Bühne gingen. Den passenden Soundtrack dafür gab es im Molotow.
Los ging es mit Onelinedrawing alias Jonah Matranga, ehemals New End Original (Achtung Anagramm!), der kurzfristig mit auf den Support-Zug gesprungen war. Bewaffnet nur mit Gitarre, einem öfter mal verrutschenden 5 Watt Mini-Marshall-Amp (!) und seinem gelegentlich zum Einsatz kommenden Drumcomputer legte er ein selbstsicheres und leidenschaftliches Set hin, erfüllte unerwartete Publikumswünsche und durfte gegen Ende sogar eine Zugabe geben. Und das alles mit der Intensität eines in der High School öfter mal verprügelten Außenseiters, der nun alles rauslässt. So hatte es zumindest den Anschein. Außerdem meisterte er die durch eine gerissene Gitarrensaite erzwungenen Pause mit einer gekonnten a-capella Einlage. Respekt.

Umgebaut wurde nicht lange, denn die folgenden Mates Of State spielen nur zwei Instrumente: Ein relativ spärlich ausgestattetes Schlagzeug und eine Yamaha Orgel aus den 70ern. Die in San Francisco ansässigen Kori Gardner und Jason Hammel (sie: Orgel und Gesang, er: Schlagzeug und Gesang) sind zusammen nicht nur eine Band, sondern auch verheiratet. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Wer aber dachte, sowas ähnliches gäbe es doch schon, wurde schon bei ersten Ton eines besseren belehrt, denn sämtliche White Stripes Vergleiche lösten sich sogleich in einer schmackhaften Mischung aus komplexen Songstrukturen einerseits, Popelementen andererseits, einer donnernden Orgel und sich ständig duellierenden Gesangsparts auf. Langsam wurde es trotz Lüftung und Ventilatoren sehr heiß im kleinen Molotow, und an der Bar im Raum nebenan bereitete sich Koufax-Keyboarder Jared Rosenberg Zigaretten drehend auf den Auftritt vor. Selbst gedrehte halten eben länger.

Koufax sind seit Anfang August hierzulande unterwegs und haben dabei offenbar ihren Spaß, was sie unter anderem beim diesjährigen Haldern Festival (Gaesteliste.de berichtete) unter Beweis stellten und die schwierige Rolle, die sie als Opener des zweiten Tages hatten, mit Bravour meisterten. Heute sind die Voraussetzungen andere, denn ins enge Molotow ist ein Haufen junger Leute gekommen und hat bezahlt, um Koufax zu sehen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Über die politischen Geschehnisse des Tages informiert (s.o.) meint Sänger Rob Suchan gleich zu Beginn mit seinem irgendwie niedlichen Akzent: "So wir haben eine Party die ganze Nacht." Gesagt, getan. "Let Us Know", der erste Song auf dem aktuellen Album "Social Life" eröffnet auch das knapp einstündige Konzert - okay, zugegebenermaßen nicht die ganze Nacht. Egal, Rob und seine Kumpels toben auf der Bühne herum wie kleine Kinder nach dem Kaffeetrinken in Omas Garten. Ihre Musik ist mit ihren Anleihen an den zeitlosen amerikanischen 70er-Jahre-Pop à la Costello so unüberhörbar wie sympathisch. Während das von Dave Trumfio produzierte zweite Album im Vordergrund steht und die vier Twentysomethings aus dem Mittleren Westen fast jeden Song daraus spielen, kommt auch das Debüt "It Had To Do With Love" zum Zug: Den Abschluss des Main Sets bildet das grandiose "Going To Happen", der Sommerhit, der keiner war und dem perfekten Popsong, sollte es sowas geben, gefährlich nahe kommt. Wenn es an diesem Abend ein roten Faden gibt, dann ist es neben der Tatsache, dass Rob zwischen den Songs ungefähr 23 Mal das Wort "Party" benutzt, die ausgelassene Freude, und die trotz schlechter Drogen ("Come Back To Life") und schlechter Beziehungen ("Break It Off") stets lebensbejahende Kraft der Songs. Da fügte sich dann auch die Coverversion von "Lovesong" (The Cure) harmonisch ein. Die dritte und letzte Zugabe war "So Long To Good Times". Na dann bis zum nächsten Mal!

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Surfempfehlung:
www.koufaxmusic.com
www.matesofstate.com
www.onelinedrawing.com
Text: -Christian Spieß-
Foto: -Christian Spieß-

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