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The Unexpected Guests

W:O:A 2003, 1. Teil

Wacken, Festivalgelände auf der Wiese
31.07.2003

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W:O:A 2003
Nach Norden... und dann immer gerade aus. Über 600 km können sich ganz schön ziehen und lassen mitfühlend an die Tausende von Fans denken, die - einer Völkerwanderung gleich - alljährlich auch aus Osteuropa oder Skandinavien zum größten Metal-Festival Europas ziehen, dem Wacken Open Air (W:O:A). Die weiterhin überaus dezente Beschilderung (Hinweise an der Autobahnabfahrt? Iwo!) liefert wenig Hinweise auf die Richtigkeit der gewählten Route, doch wenn man durch ein kleines, idyllisches Örtchen rollt, in dessen Vorgärten ca. dreijährige Metalbabies fröhlich winzige zwei Finger zum "Evil"-Gruß erheben, dann weiß man, wo man ist - in der deutschem Kapitale des Heavy Metal, Wacken im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein!
W:O:A 2003
Diese freundliche Begrüßung verrät viel über das ganz eigene Feeling, das dieses gigantische Open Air verbreitet - leicht verrückt, aber durch und durch friedlich. Die Anreise per Motorrad und privilegierte Unterbringungsweise auf dem Pressezeltplatz (der mehr Platz bietet, als in einige Konzerthallen Besucher gehen - gut so, denn es waren wieder 1 300 Text- und Bildredakteure aus aller Herren Länder vor Ort) gestattete, vor Festivalbeginn noch etwas Atmosphäre zu schnuppern. Und dabei zuzuschauen, wie Tausende von Metalfans das Winz-Örtchen Wacken quasi überrennen, aber wie gesagt - friedlich.

Nachdem - wofür nun außer dem offensichtlich nur Küblböck hörenden Petrus keiner was konnte - das letztjährige W:O:A leider in Regen und Schlamm schier abgesoffen war, hatte sich auch im Nachgang der Veranstaltung eine merkwürdige Schlammschlacht entsponnen, in der viele berechtigte und einige arg übertriebene Vorwürfe erhoben und die selbsternannte Richtergilde der "Hard Union" das W:O:A aus dem illustren Kreis der von ihr gesponsorten Festivals ausgeschlossen hatte. Davon relativ unbeeindruckt hatte das W:O:A-Team um die Begründer Holger Hübner und Thomas Jensen sich das Motto "Sponsored By Nobody" ersonnen und einen Großteil der berechtigten Kritikanlässe abgestellt: So verschaffte heuer etwa eine Videogroßleinwand zwischen den beiden Hauptbühnen auch denjenigen beste Sichtverhältnisse, die sich nicht bis vor die Bühnen durchkämpfen wollten oder konnten; und vier LED-Laufbänder informierten über jegliche Veränderung in der Running Order. Überdies wurde zur Entzerrung der Logistik ein zweiter Eingang geschaffen, die viel bejammerte sanitäre Situation verbessert und und und. Ach ja, und Petrus wurde mit einer Blümchen-CD bestochen, so dass das W:O:A fast komplett matschefrei blieb. Übrigens gehört es zu den zahllosen Dingen, die Besucher auf der offiziellen Wacken-Homepage als Verbesserung begrüßten auch, dass Götz Kühnemund (Chefred. des Rock Hard und Hauptkritikführer in der Hard Union) dieses Jahr kein Mikrofon und keine Sprechzeit in Wacken bekam.

Doch das mit der Hard Union ist ja nun wirklich Schlamm von gestern - in Wacken zählt das Hier und Jetzt: Gegen 18 Uhr beginnt der musikalische Teil - und das gleich mit einem der absoluten Highlights des gesamten Billings: Zak Stevens war der Sänger von Savatage zu deren ruhmreichsten Tagen und hat mit seiner aktuellen Formation Circle II Circle und deren Debütalbum "Watching In Silence" seinen alten Brötchenreichern gezeigt, wo der vielzitierte Hammer hängt - zumindest im Vergleich zum letzten Savatage-Output. Vom diesem Debüt sind heute auch "The Circle", "Forgiven", "A Sea Of White" sowie natürlich das Titelstück dabei. Die ersten deutlichen Ausraster im Publikum gibt es, als Zak mit "Taunting Cobras" die erste Savatage-Hymne anstimmt. Der Jubel steigert sich mit dem mächtigen "Edge Of Thorns" abermals. Metallicas "Sanitarium (Welcome Home)" beschließt diesen phantastischen Einstieg in den ersten Abend würdig.

Ebenfalls aller Headliner-Ehren wert ist Annihilator, die Nummer zwei im Billing. Gitarrenwundermann Jeff Waters lässt mit Dave Padden ein neues Fronttier aus dem Käfig - mit gutem Erfolg, denn Daves Stimme passt hervorragend zu den hochdynamischen Speed- und Thrashmetal-Attacken der Vernichter, die immer ein wenig an Metallica erinnern, als die noch eine Metalband waren. Die Setlist stellte (erfreulicherweise) eine Schrumpffassung des vorzüglichen Live-Doppelalbums der Kanadier dar: "Ultra-Motion", "Set The World On Fire", "Alison Hell" und natürlich die Showstopper "Never, Neverland" und "Shallow Grave". Sauberer Sound, ultravirtuos bediente Gitarren, tolle Show.

W:O:A 2003
Doch nun muss sich die einzig heute bespielte "True Metal Stage" erst mal ihren Namen verdienen - mit Victory erklimmt eine frisch im alten Line-Up wiedervereinigte Hannoveraner Hardrock-Institution die Bretter, die hier die Welt bedeuten. Unsereinemwelchen haben Songs wie "Hunter", "Temples Of Gold", "Arsonist Of The Heart", "The Check's In The Mail", "Don't Count On Me" oder "One Track Mind" (alle im Vortrag in Wacken) ehrlich gesagt noch nie einen Hering vom Teller gezogen, aber Abwechslung muss ja auch sein. Das Publikum goutierte jedenfalls freundlich das Wiedersehen mit Frontkreische Charlie Huhn, dessen Schopffarbe etwa so echt ist, wie Elton Johns Haarteil, und natürlich mit Powerdrummer Fritz Randow...

...der nach dem Victory-Gig gleich auf seinem Höckerchen sitzen bleiben kann! Obwohl besagte LED-Infolaufbänder ohne sich zu biegen weiter verkünden "No Changes in Bands or Running Order", tauchen im Verlauf der sich jetzt anschließenden Präsentation einer aktuellen SPV-DVD (Gaesteliste.de berichtete) mehrere Angelsachsen deutlich gesetzteren Alters auf, schieben den DVD-Präsentator mehr oder weniger beiseite - werden von den ungläubig auf die Beine kommenden und nach vorne stolpernden Zigtausend als Saxon erkannt und feuern mit "Motorcycle Man", "Denim & Leather" sowie "Princess Of The Night" einen amtlichen Mini-Gig in die beglückten Massen. Hier gelang den Wacken-Machern ICS, die auch das Saxon-Management innehaben, mal ein wirklicher Überraschungscoup, der begeistert gefeiert wurde.

Warum Kasper wie Running Wild nach internationalen Spitzen-Acts wie Circle II Circle oder eben Saxon auf die Bühne dürfen, kann man sich eigentlich nur mit Hanseatensolidarität erklären. Doch selbst wenn sich der eigene Magen bei Piratenliedchen wie "Under Jolly Roger", "The Brotherhood" oder "Apocalyptic Horsemen" eher hebt, muss fairerweise konstatiert werden, dass Rock'n'Rolf und seine Mannen das Publikum immerhin polarisieren: Etwa die Hälfte scheint begeistert mitzugehen, während die andere das Haupt mit Grausen wendet, um sich doch lieber den After Show Parties auf den Zeltplätzen zu widmen. Zuvor versöhnt aber noch ein herrliches Feuerwerk, das den so buntgemischten wie gelungenen ersten Abend abrundet.

Weiter zum 2. Teil...

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Surfempfehlung:
www.wacken-open-air.com
www.annihilatormetal.com
www.circle2circle.net/
www.spv.de/artikel/victory.html
www.saxon747.com
www.running-wild.de
Text: -Klaus Reckert-
Fotos: -Gaesteliste.de Metal-Detektoren (Kunze, Reckert)-


 
 

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