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Legendenselbstdemontage

W:O:A 2003, 3. Teil

Wacken, Festivalgelände auf der Wiese
02.08.2003

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W:O:A 2003
Seit gestern steht der wundervoll Bai Bang-Tourbus neben unserem Zelt, was einerseits zu Betrachtungen einlädt, was wohl der deutsche TÜV mit dieser rollenden Ruine beginnen würde und andererseits an den Konzertvorbereitungen und dem Flüssigkeitshaushalt speziell dieser Truppe heftigen Anteil nehmen lässt. Home is where the heart is - on the bus, textete Frank Zappa ja schon so passend.
W:O:A 2003
Statt Sinister lassen heute morgen Holy Moses die Black Metal Stage erbeben, ein Grund mehr, schnell bei Grave Worm vorbeizuschauen. Einer unserer persönlichen Lieblingsgigs dieser drei vollen Musiktage entspinnt sich, als zu den Klängen von "Drowned In Fear" (vom aktuellen Prachtalbum "Engraved In Black") über der Party Stage die Sonne durch die Wolken bricht. Die Tiroler beherrschen - neben einem Parallel-Headbanging, das die Musiker wie die Propeller eines Windkraftwerks wirken lässt - auch ihr musikalisches Handwerk so gut, dass bald in jeder Hinsicht die Sonne aufgeht. Auffallend auch die positive, fröhliche Ausstrahlung und die ehrlich wirkende Freude, mit der sich die Band ein ums andere Mal beim Publikum bedankt.

Zu einem lieblichen Keyboard-Intro erklimmen blutverschmierte Gestalten die True Metal Stage - It's Thyrfing Time! Das Motto heißt: Fetter, stark folklore-durchtränkter Viking Metal, der die Massen schnell mitreißt. Höhepunkt des großartigen Auftritts ist "Voyager", clever all denen gewidmet, deren Heimfahrt von Wacken sie über tiefe und gefährliche Wasser führen wird.

Die Death Metal-Urgesteine von Malevolent Creation gehören mit Vader und Nile fraglos zum Biestigsten, was das sonst vielleicht ein wenig Hardrock-lastige W:O:A 2003 zu bieten hat. Am mit großer Virtuosität dargetanen Gebolze der Amis war nichts auszusetzen, außer mangelnder Kommunikation mit ihrem Publikum vielleicht.

Twisted Tower Dire sind wieder so eine dieser vielen Melodic Metal-Kapellen im Billing. Songs wie "Guardian Bloodline" sind sicher nicht schlecht, aber werden etwas hölzern abgespult, die Amis fesseln uns nicht lang an die Party Stage (die sie sinnigerweise mit Thyrfings Auftritt auf der großen Bühne getauscht haben). Zur Zugabe, dem sehr gelungenen Maiden-Cover "The Trooper" kehren wir aber kurz zurück. Na also.

Zum Metalium-Beitrag, teilweise unterstützt von Zed Yago-Röhre Jutta Weinhold können wir wegen großer räumlicher Entfernung wenig sagen. Die Leute, die man später traf, waren unbeeindruckt bis entsetzt. Aus der Ferne klang uns zumindest die alte Yago-Nummer "Black Bone Song" eigentlich recht nett in den Ohren.

Mit Callenish Circle ist nun in der Wet-Leinwandsauna Thrash Metal niederländischer Provenienz angesagt. Stephan mags - genauso wie Carpathian Forrest, die Black Metal-Kapelle, die der von Traumbands wie Green Carnation oder Emperor bekannte Bassist Tchort (das Foto zeigt schön seine edel ausgebildete Bierwanne) offensichtlich speziell zum Ausleben seiner Asi-Bedürfnisse mit Corpsepaint, Nieten, Gasmasken etc. - Grusel...

Masterplan haben schon mit ihrem Debütalbum und gelungener Tourneevorstellung (gemeinsam mit Hammerfall) überzeugt. Stücke wie "The Chance", das Roland Grapow noch bei Helloween schrieb, oder "Bleeding Eyes" sind auch immer noch überzeugend, jedoch springt an diesem Samstagnachmittag der Funke nicht so richtig über.

Die altgedienten Wacken-Schlachtrösser von Rage lieferten mit "Set This World On Fire" oder "Straight To Hell" (bei dem Gitarrist Victor Smolski für wegklappende Unterkiefer Münder sorgte) oder dem Ausblick auf ihr im erst im September herauskommendes Album "Soundchaser" eine ihrer schon gewohnten Vorstellungen als schwer arbeitende Spaßmachband. Nach "Higher Than The Sky" hört das Publikum beinahe nicht mehr auf zu singen. Erst als der Backdrop von Rage wieder hochgeht, wird auch akustisch Raum für weitere Bands gemacht.

Die vorzüglichen Kataklysm bekommt unsereiner nach einem Boxenstop im Pressezentrum nur noch akustisch mit. Der Wiedereintritt zum Festivalgelände bleibt etwa halbstündig verwehrt. Warum? Nun, die Limousinen der Headliner des letzten Tages, Slayer, haben sich angesagt, und damit die Herren - so sie denn kommen - ungestört einrollen können, wird lieber alles dicht gemacht. Der (epic) Black Metal der Kanadier mit Ausblicken aufs kommende Album "Serenity In Fire" kam trotzdem infernalisch rüber.

Zum Restauftritt von Dark Funeral dann wieder aufs Gelände: Die Schweden klangen bei speedblastigen Black Metal-Songs wie "My Dark Desire" wie ein Hornissenschwarm im Marshall-Turm, konnten ihr Publikum damit aber leider nur teilweise zum Mitbangen animieren.

W:O:A 2003
Vor dem Stratovarius-Auftritt um ca. viertel vor neun (die Anfangszeiten konnten fast das gesamte Festival über akribisch eingehalten werden), wechselt sich das Publikum im Infield praktisch einmal komplett aus. Wer Kataklysm und / oder Dark Funeral genossen hat, will mit Timo Kotipelto & Co. offensichtlich nichts zu tun haben. Und umgekehrt: Tausende strömen in wenigen Minuten durch die Ein- und Ausgänge. Die fluchtartig das Terrain Verlassenden verpassen mit "Kiss Of Judas", "Visions", "Hunting High And Low" oder "Speed Of Light" eine solide Power Metal-Bedienung, nicht mehr.

Bei der 45 Minuten-Chance, die Nile in Wacken erhält, läuft es so ähnlich wie bei Malevolent Creation. Die Jungs sind ohne Frage begnadete Instrumentalisten, Sänger / Bassist Spires ganz sicher eine charismatische Erscheinung, aber das ultrabrutale und gleichzeitig höchst komplexe Riffing der Amis ist nicht besonders massentauglich. Dennoch wieder starke Crowdsurfingtätigkeit und ein saustarker Auftritt.

Mat Sinner und seine Mannen stoßen da doch mit Material wie "Born To Rock You" vergleichsweise mehr ins teutonische Hardrock-Horn. Wir ergreifen die Flucht und sehen zu, dass wir uns zum besagten Headliner Slayer günstig aufstellen. Was auch gelingt, aber schlicht nicht gelohnt hat.

Die einzige Band, die ihr Publikum in Wacken über eine Viertelstunde warten lässt, enttäuscht auf der ganzen Linie. Zwar kommt schon tierische Vorfreude auf, wenn man die einleitenden, teuflischen Akkorde von "Mandatory Suicide", "Hell Awaits" oder das legendäre Intro von "South Of Heaven" hört, aber Gitarrist King, der schlicht als sängerische Fehlbesetzung wirkende Araya, Hanneman und (wieder) Lombardo am Drumkit sind so offensichtlich desinteressiert an allem, was hier um sie herum und für sie veranstaltet wurde, dass der Auftritt bald in sich zusammenfällt. Jeder Spannungsbogen wird schon durch den Übelsound und die vielminütigen Beratungspausen (!) zerstört, zu denen sich die zu Langweilern verkommenen Thrashlegenden nach fast jedem Stück zurückziehen. Die Pause nach "Raigning Blood" nutzte Araya dann, um auf die Bühne zurückzuhuschen und noch ein "Thank You" zu nuscheln, man denke. Verdientermaßen gibt es dazu kaum Beifall, sondern "Flaschen!"-Rufe.

Mit ein paar Nummern des sehr technischen Death Metals der Polen Vader und dem diesmal leider auch enttäuschenden Gig von Sonata Arctica, in deren Sound sich Vaders wütende Attacken mischen, lassen wir's für heute auch gut sein. Es bleibt jedenfalls teilweise unverständlich, warum die sympathischen Polen mit Supersongs wie "Xeper" im Gepäck und einer leidenschaftlichen Interpretation ohnegleichen meinen, es sei "so schwer, nach einer Band wie Slayer aufzutreten". Das macht ihr schon ganz toll, Jungs...

PS: Für's W:O:A 2004 sind bereits bestätigt: Saxon, Grave Digger, Destruction, Nevermore, Amon Amarth, Brainstorm und - zum Entsetzen vieler langjähriger Wackenfahrer - Böhse Onkelz.

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Surfempfehlung:
www.wacken-open-air.com
www.graveworm.de
www.rage-on.de
www.kataklysm.net
www.stratovarius.com
www.matsinner.rocks.de
www.americanrecordings.com/slayer/
www.vader.pl
www.sonataarctica.com
www.metalium.de
Text: -Klaus Reckert-
Fotos: -Gaesteliste.de Metal-Detektoren (Kunze, Reckert)-


 
 

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