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Drummer in the city

Greyhound Soul
Ezio

Bonn, Harmonie
13.09.2003

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Greyhound Soul
Das Crossroads Festival des Rockpalast / WDR - ausgetragen in der Harmonie zu Bonn - war einfach spektakulär. Teils durch ungeplante Zwischenfälle: Als etwa Lindenberg- / Maffay-Gitarrist und Robert Palmer-Kumpel Carl Carlton nach wenigen Stücken beim Konzert seiner "Songdogs" auf der Bühne zusammenbrach und ein Krankenhaus in der Bundesstadt aufsuchen musste. Wie es hieß, aufgrund einer verschleppten Herzmuskelentzündung. Und teils einfach nur durch das erlesen zusammengestellte Crossover-Programm aus Blues, Rootsrock und nicht zu Kategorisierendem. Wie Greyhound Soul beispielsweise, der vorletzten Band des viertägigen Festivals...
Gaesteliste.de hatte ja freudig die letzte Deutschlandtournee von Joe Pena und seinen Windhunden präsentiert und einen offensichtlich hochgradig gelungenen Auftritt beim Orange Blossom Special in Beverungen erleben und dokumentieren können. So war es Ehrensache, auch diese Crossroads aufzusuchen - und es hat sich gelohnt: Ist der staubtrockene Rock der momentan in Tucson / Arizona lebenden Combo schon von Konserve ein beeindruckendes Statement aus Authentizität und Leidenschaft, so kann dieser wüstenheiße Mix aus Zart- und Wildheit auf der Bühne zu einem hypnotischen Erlebnis werden. Genau wie auf Platte beginnen die Stücke meist nur mit einer kleinen Phrase auf Joes teils unverstärkter Rhythmusgitarre, entwickeln sich live fast unter Jam-Atmosphäre zu fast schmerzlich intensiven Walls of Sound.

So ist z.B. verblüffend, welche Soundfunken die Jungs aus dem mit trauriger Mundharmonika beginnenden, eigentlich ziemlich getragenen New Country-Stück "Coming Home" als Eröffnung zu schlagen verstehen. Außerdem fällt auf, dass alle außer "Aushilfsgitarrist" Robin (s.u. im Interview) großartigen Hintergrundgesang beisteuern, der zu dem enorm dichten Sound beiträgt. Zu "Stay The Night" wechselt der Frontmann zur Elektrischen und vor "Rain" muss sich Bassist Duane des schon total schweißnassen Holzfällerleibchens entledigen. Auch dieses vor allem durch Joes Gesang zwischen Mitch Ryder, Tom Waits und Calvin Russel besonders eindringliche Stück hat heute einen viel polternden, rockigeren Groove als auf dem Studioalbum "Down" oder der aktuellen Live-CD "Live & Dusted Vol. 1". Das zerreissende "You Could Be The One" ist ein weiterer Höhepunkt des Konzertes, das um 21:15 Uhr nach 75 Minuten Dauerintensität leider schon vorbei ist.

Und dann war da noch Ezio... Nach der ursprünglichen Konzeption hätte David Lowerys Cracker den Abschluss des Samstagskonzertes und der Crossroads-Gigs bilden sollen. Doch als das New Country-Phänomen absagte, musste Ersatz gesucht werden. Den fand man in Ezio. Wohl auch nicht ungern, weil dieses Erfolgsduo plus Band noch im Juli gerade mit großem Erfolg beim Bonner Sommer open air gespielt hatte. Doch so angenehm die dezent-brüchige Gesangsstimme von Ezio Lunedei auch ist, so schön das Splitterspiel der zwei von ihm und seinem Kreativpartner Mark "Booga" Fowell bedienten Akustikklampfen, so beeindruckend die Leibesfülle ihrer "Ich bin zwei Öltanks"-Bassistin - direkt auf den Chor der Greyhounds folgend erschien es uns doch wie Zuckerguss auf einem T-Bone Steak... Dieses Problem hatte das für Harmonie-Verhältnisse erfreulich reichlich erschienene Publikum aber weit weniger: Ab dem Opener "Waiting For Too Long" vom aktuellen Album "The Making Of Mr. Spoons" "verhören" ging das Auditorium ordentlich mit, sang und klatschte mit, ganz, wie es sich für ein Popkonzert gehört. Der Gig war denn auch durchaus positiv, sehr gekonnt, aber letztlich etwas flach. Die sich alsbald auch im Publikum einfindenden Greyhounds fanden es zwar auch schade, dass Cracker abgesagt hatten, äußerten sich aber höflich zu ihren Nachfolgern auf der Bühne. Egal - nachts sind alle Hunde grau, oder?

Greyhound Soul
NACHGEHAKT BEI:
GREYHOUND SOUL

Es ist ein knallsonniger Altweibersamstagnachmittag im Rheinland, das Rudel der Greyhounds erholt sich im lauschigen Biergarten der Harmonie vom Soundcheck. Tourmanager Thomas Lingstädt hat für uns freundlicherweise ein Kurzinterview verabredet - wohlgemerkt mit Obergrauhund Joe Pena. Lustigerweise drängen die restlichen Bandmitglieder jedoch schon nach wenigen Minuten immer näher und hocken bei der letzten Antwort Joe fast auf dem Schoß, sodass umstehende Fotos nicht einmal gestellt sind...

GL: Joe, ihr wart im Mai und Juni gerade zu einigen Auftritten in Deutschland, wie seid ihr jetzt auf das Crossroads-Billing gekommen?

Joe: "Keine Ahnung, wirklich. Ich weiß nur, dass vor dem Orange Blossom Special von dem WDR-Festival die Rede war, wir aber erst nach dem Auftritt dort fürs Crossroads gebucht wurden. Ich denke, die Leute vom Rockpalast haben uns vielleicht auf dem OBS gesehen..."

GL: Wie habt ihr die Tour denn erlebt und das wievielte Mal Europa war's für dich?

Joe (unter zustimmendem Gemurmel der anderen): "Es war klasse, überwiegend tolle Atmosphäre in den kleineren Clubs und einfach wunderbare Publikumsreaktionen. Ich bin das vierte Mal bei euch zu Gast, und das dritte Mal mit Greyhound Soul."

GL: Apropos dein Vorleben: Eure Plattenfirma verweist bei den Greyhound-Gästen natürlich gerne darauf, dass etwa Winston Watson für Dylan oder Tommy Larkins bei Jonathan Richman getrommelt hat. Warum verschweigst du so notorisch, dass du Schlagzeuger u.a. bei Chris Burroughs warst, bevor du Greyhound Soul gegründet hast? Ist das so unwichtig?

Joe (Pause): "Eine gute Frage... Da habe ich nie drüber nachgedacht. Nein, es ist für sich selbst natürlich nicht unwichtig, nur für Greyhound Soul kam es mir nie bedeutend vor. Und peinlich ist es mir ganz sicher nicht - Mann, ich LIEBE es, Schlagzeug zu spielen!"

Alan: "Und er ist gar nicht mal ein so schlechter Drummer" (lacht)

Joe: "Schlagzeugspielen ist das Größte - macht sogar mehr Spaß als Singen. Und: du kannst dabei sitzen!" (alle johlen)

Greyhound Soul GL: In welcher Besetzung werdet ihr heute spielen?

Joe: "Jason DeCorse kann heute nicht dabei sein, für ihn ist Robin Johnson hier, der mit Winston bei Maryann spielt. Also sind hier (schaut sich um): Alan (Anderson, drums), Duane (Hollis, bss) und Glen (Corey, keyboards)."

GL: Bislang hat (mit Ausnahme von Duane auf einem Hidden Track) nur Joe writer's credits auf GHS-Alben. Wie kommt's?

Alle: "Genau Joe, wie kommt's?!?"

Joe: "Es ist schon so, dass ich meist mit einer Songidee, Melodie und ein paar Gitarrenakkorden ankomme, und die anderen dann ihre Ideen zu ihren Parts beisteuern. Speziell Glen ist ein großartiger Songwriter, aber er benutzt das Material halt für seine eigene Band."

GL: Nicht nur bei eurem deutschen Label lauft ihr unter dem Rubrum "Wüstenrock", das aber häufig mit der doch deutlich anders gestrickten Musik von Kyuss, Luminarios, Sidewinders etc. besetzt ist. Benutzt ihr die Schublade auch, bzw. wie glücklich seid ihr damit?

Joe: "Ich benutze den Ausdruck nie, finde ihn aber auch nicht schlimm. Das kommt doch nur daher, dass wir jetzt in Tucson, Arizonas leben... Ich selbst komme z.B. aus Texas, andere von uns aus Salem oder Connecticut... Klar hab ich auch viel Luminarios und Giant Sand gehört - aber was haben wir für eine Beziehung zu Wüsten?" (kichert)

GL: Wen würdest du denn als deine Hauptinspiration nennen?

Joe: "Och, die old dudes halt, Dylan, (Neil) Young, Hank Williams..."

GL: Vielen Dank soweit, guys, was sind die nächsten Pläne - "Live And Dusted, Vol. 2"?

Joe: "Genau. Und ein neues Studioalbum. Aber (peilt durch die Laube in den Himmel) vor allem: Immer hier bleiben, nie mehr heimkehren, eine deutsche Frau heiraten..." (Alle schreien sich weg)

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Surfempfehlung:
www.greyhoundsoul.com
de.geocities.com/greyhoundsoulfan
www.ezio.de
Text: -Klaus Reckert-
Fotos: -Bettina Reckter / Klaus Reckert-


 
 

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