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Konzert-Bericht
 
The Kids Are Alright

Guided By Voices
The Sights

Hamburg, Logo
18.09.2003

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Guided By Voices
Im Grunde genommen sind sie neben Sonic Youth die größte Indierock-Band überhaupt. Schluss aus. Keine Diskussionen. Eigentlich könnte dieser Bericht hier enden, aber wir wollen mal nicht so sein. The Sights fingen schon um halb neun an, gerade mal eine halbe Stunde nach Einlass. Dass zu dem Zeitpunkt fast niemand im Logo war, verwundert nicht. Schließlich sind wir in Hamburg, wo die meisten Leute ca. drei Minuten bevor es losgeht eintrudeln. Und überhaupt hat so früh im Logo seit Menschengedenken keine Band mehr angefangen. So kommt es, dass Eddie Baranek, Bobby Emmett und Dave Shettler ihren psychedelischen 60er-Jahre-Retrorock mit deutlichem Detroit-Einschlag vor nur einer Hand voll Leute (inkl. Bob Pollard und Lebensgefährtin) zelebrieren müssen. Sie wirken dabei etwas verloren, denn niemand steht vor der Bühne, nur von hinten wird artig applaudiert. Und was nützen solche Grooves, wenn sich keiner dazu bewegt? Das nennt man wohl widrige Umstände. Wie sich herumspricht, lag der Grund für den Frühstart bei Guided By Voices. Man munkelt, es würden zweieinhalb Stunden werden.
Dann fällt irgendwann der Vorhang. Blaues Licht. Als Intro die Titelmusik aus David Lynchs "Twin Peaks". Bob Pollard kommt mit einer Flasche Jack Daniels in der Hand auf die Bühne, stellt klar, dass Thursday eigentlich Thirst-Day heißt und man zweieinhalb Stunden spielen wolle. Genug Alkohol sei auch vorhanden. Na dann. "I Drove A Tank" aus Pollards Solo-Album "Choreographed Man Of War" macht den Anfang. Von vornherein ist klar, dass Guided By Voices niemandem mehr irgendetwas beweisen müssen. Sie lassen alle Möchtegernrocker von den Libertines bis zu den Hives nicht nur aussehen wie irgendwelche Schülerbands aus Iowa. Nein, Bob säuft sie auch locker unter den Tisch. Das hier ist Rock, wie man ihn reiner nur selten bekommt. Das Schalldrucklimit des Logo von 105 dB wird mit Füßen getreten, der Alkohol fließt in Strömen, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Bob verteilt Bier an Leute vor der Bühne, lässt sich damit bespritzen ("C'mon, give it all ya got!") und erfüllt Publikumswünsche en masse, von "The Official Ironmen Rally Song", "Goldheart Mountaintop Queen Directory" und "Motor Away" bis zu "Mix Up The Satellite". Sogar das uralte "Sometimes I Cry" wird kurz angespielt. Pollard und Gitarrist Nate Farley wissen, wie es geht, der Rest der Band leider nicht. Wäre auch langsam unheimlich geworden.
Am Ende spielen die Meister der seltsamen Songtitel eine Coverversion der Jugendhymne "Baba O'Riley" von The Who, die Bob als "greatest song of all times" bezeichnet. Menschen drehen durch, der Schweiß tropft von der niedrigen Decke. Sowas glaubt einem keiner. Und irgendwann in ein paar Jahren, wenn der Hype um den 35. Strokes-Klon abgeebbt ist, werden Guided By Voices so wie in Hamburg immer noch "Watch Me Jumpstart", "Game Of Pricks", "Red Ink Superman", "Glad Girls", "I Am A Scientist" und noch 40 bis 50 weitere große Songs spielen. Und Bob wird uns alle auslachen, wenn wir vergeblich versuchen, unsere Unterkiefer wieder hoch zu klappen. Was für eine Band.

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Text: -Christian Spieß-
Foto: -Pressefreigabe-

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